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100. Geburtstag am 2. Mai Axel Springer - Vorbild und Feindbild


Für die einen war er als Unternehmer ein Visionär, für andere ein Stimmungsmacher: Über kaum einen Medienmenschen wurde so heftig gestritten wie über Axel Springer. Zu seinem 100. Geburtstag wird er sogar als Internet-Vordenker gewürdigt.

Er war ein Träumer und Romantiker: Axel Springer wollte eigentlich Sänger werden. Aber dann stieg er zu einem der erfolgreichsten Zeitungszaren der Bundesrepublik auf. "Per saldo bin ich froh, daß ich trotz anderer Jugendwünsche schließlich doch Verleger, das heißt Journalist geworden bin, aber ich kannte auch immer die Schwierigkeiten des Berufs", sagte er an seinem 70. Geburtstag am 2. Mai 1982.

"Ich bin gelernter Setzer, Drucker, Redakteur in kleineren und mittleren Redaktionen und Nachrichtenbüros und ich habe den Buchhandel gelernt, stamme aus einem alten kleinen Zeitungshaus", beschrieb sich Springer einmal selbst. Am Mittwoch (2. Mai) wäre der Verleger aus Hamburg-Altona, der als seine Lebensaufgabe die deutsche Wiedervereinigung ansah, 100 Jahre alt geworden.

Die Erfüllung des Traums eines vereinten Deutschlands mit der Hauptstadt Berlin hat Springer nicht mehr erlebt. Für ihn war aber immer klar, dass die Zeit der deutschen Teilung nur "ein Stoßseufzer der Geschichte" sein werde. So baute er sein Verlagshaus 1966 wenige Jahre nach dem Bau der Mauer entlang des Todesstreifens im historischen Zeitungsviertel. Berlin war "zur Heimat meiner Überzeugung" geworden, hier werde der Blick geschärft.

"Bild" bringt Erfolg - und Kritik

Mit seinen Ansichten, aber vor allem mit seinem wirtschaftlichen Aufstieg machte sich Springer nicht nur Freunde. "Kein einzelner Mann in Deutschland hat vor Hitler und seit Hitler so viel Macht kumuliert, Bismarck und die beiden Kaiser ausgenommen", meinte einer seiner schärfsten Konkurrenten, "Spiegel"-Herausgeber Rudolf Augstein. Kein Unternehmer in der modernen Wirtschaftsgeschichte habe die Öffentlichkeit so stark polarisiert wie Springer, schreibt Springer-Biograf Tim von Arnim.

Die "Bild"-Zeitung, gegründet nach dem Vorbild englischer Massenblätter, brachte Springer großen Erfolg, aber auch Ärger und Anfeindungen. Er selber sah seine Erfindung auch kritisch, beschwor die Chefredaktion immer wieder, "alles zu unterlassen, was gegen die Würde des Menschen verstößt". Trotz gesunkener Auflage - sie liegt heute durchschnittlich bei über 2,8 Millionen Exemplaren - stimmt die Rechnung auch knapp 60 Jahre nach der Gründung bei "Bild" noch immer.

Lange war Springer ein Vorbild für erfolgreiches Unternehmertum und den wirtschaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Krieg. Bei den Studentenunruhen um 1968 wurde er zum Feindbild. "Gelenkten Mobilisierungsjournalismus" warfen ihm Kritiker vor. Sie forderten seine Enteignung. Das Verlagsgebäude und Springers Privathäuser wurden Ziele von Brand- und Bombenanschlägen.

Weg nach Berlin

Als ihm die Rebellen "Stimmungsmache" und sogar eine Art Mitschuld an dem Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke am 11. April 1968 auf dem Kurfürstendamm vorwarfen, sah sich Springer als "Buhmann der Nation". Die Anfeindungen bis hin zu Gedankenspielen zur Beschränkung von Pressekonzentrationen hinterließen Spuren bei Springer bis hin zu Überlegungen, sein Lebenswerk in Teilen oder ganz zu verkaufen.

Es war ein ansehnliches unternehmerisches Lebenswerk, das Springer nach dem Krieg geschaffen hatte. 1946 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift "Hörzu", eine Verbindung von Programmzeitschrift und Familienillustrierte. 1948 schuf Springer mit dem "Hamburger Abendblatt" seine erste Tageszeitung. 1952 folgte die "Bild"-Zeitung, 1953 übernahm er die überregionalen Zeitungen "Die Welt" und "Welt am Sonntag", 1956 erschien erstmals "Bild am Sonntag". Was nicht gelang, war das von ihm initiierte Gemeinschaftsunternehmen eines Fernsehens deutscher Zeitungsverleger.

1959 übernahm der Verleger den Ullstein Verlag, was mit dem für Springer wichtigsten Schritt verbunden war - dem Weg nach Berlin, damals noch West-Berlin. "Der junge Willy Brandt war einer der Gründe, warum ich nach Berlin ging", sagte Springer einmal über den damals Regierenden Bürgermeister. Doch Brandts Ostpolitik als Bundeskanzler attackierten Springers Zeitungen später heftig. Hinter dem "Wandel durch Annäherung" witterten sie zu viel Nachgiebigkeit gegenüber einem Unrechtssystem.

Private Schiksalsschläge

Kurz vor dem Tod des Großverlegers ging der Verlag 1985 an die Börse. Die Aktienmehrheit hält seine Witwe Friede Springer, die ihrem Mann bis zuletzt auch entscheidenden privaten Halt gegeben hat. Er hatte sie in fünfter Ehe geheiratet. Was Springer in seinen letzten Jahren am meisten beschäftigte, war die Absicherung seines Unternehmens, vor allem nach dem Freitod seines eigentlich als Nachfolger vorgesehenen Sohnes Axel im Januar 1980, der sich als Sven Simon auch einen Namen als Fotograf gemacht hatte. Den frühen Tod seines Sohnes hat der Vater nie verwunden.

Axel Springer wurde zu einem Symbol für einen Unternehmer, der "für seine Vision eine große Leidenschaft entwickeln wollte und damit am Ende dann auch das große Geld gemacht hat, vergleichbar mit Google, Apple oder Facebook", wie von Arnim schreibt - Springer also auch als eine Art Vorläufer von Steve Jobs oder Mark Zuckerberg?

Tatsächlich hat der heutige Vorstandschef Mathias Döpfner einmal drei Prioritäten formuliert: "Internet, Internet und Internet", auch wenn er später ergänzte, "Print wird länger bestehen, als viele Menschen glauben."

Wilfried Mommert, DPA DPA

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