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Biografie Axel Springer: Aus dem Leben eines Taugewas

Der Verleger Axel Cäsar Springer ist seit 22 Jahren tot, seine Geschichte jedoch ist so spannend wie eh und je. Jetzt hat der Historiker Hans-Peter Schwarz sie neu erzählt: Er hat einen Blick auf das bewegte Leben des Hamburger Zeitungskönigs geworfen - und ihn mit all seinen Schrullen und Schwächen in den Kontext seiner Zeit gestellt.

Von Ulrike Posche

Oh ja, das hätte ihm gefallen! Wie hier etwas niedergeht und dort in die Höhe wächst. Hier Bauplatz, dort Glaspalast. Für Symbolisches hatte Axel Cäsar Springer nämlich stets Sinn und Blick. In allem fand der Mammutverleger und Großvisionär aus Altona, der Götterliebling und Bibelbeter, der seltsame Grand-Daddy und sexbeflissene Mädchensammler nämlich ein Zeichen der Fügung, einen Wink des Schicksals.´

Deshalb hätte ihm gefallen, wie Bauarbeiter neulich ausgerechnet an jenem Tag die Fensterhöhlen seines früheren Hamburger Herrensitzes zunagelten, als Eventmanager vor seinem Verlagsgebäude in Berlin gerade den roten Teppich für die Verleihung der "Goldenen Kamera" ausrollen.

Träume und Visionen

Während an der Elbe also an einem glitzernden Februarmorgen ein Kapitel der Axel-Springer-Saga verschlossen wird, öffnen sie in Springers 19-stöckigem Verlagsgebäude gerade die Korridore für die "Goldene Kamera". Für eine Trophäe, die die Illustrierten-Seniorin "HörZu" seit 1965 an Filmschaffende überreicht. Es gibt dazu schöne Frauen, Champagner und Ausgelöstes vom Krebs. Und Springers Spitzenmänner erzählen von ihren Träumen und Visionen. Von Plänen, mit denen sie den größten Verlag Europas, die Aktiengesellschaft mit 9000 Angestellten, einem Gesamtumsatz von 2,3 Milliarden Euro, mit 170 Zeitungen und Zeitschriften in 33 Ländern, wie sie all das erfolgreich ins nächste Jahrzehnt führen wollen. Mit Internet-TV, zum Beispiel, und Handy-Screen. Gut möglich, dass Axel Cäsar Springer, der alte Zeitungskönig, all das gar nicht mehr verstanden hätte. Aber Träume und Visionen - das hätte ihm geschmeckt!

Friede Springer, fünfte Ehefrau, stille Eminenz, Aufsichtsrätin und Haupterbin des Firmengründers fehlt an diesem Abend. Und auch von seinen Kindern und Kindeskindern keine Spur. Enkelin Ariane, 46, war im Skiurlaub, ihr vier Jahre jüngerer Bruder Axel "Aggi" Sven schmollte wahrscheinlich noch irgendwo in Hamburg-Pöseldorf vor sich hin, weil er den Streit um das testamentarische Erbe, den allerletzten Willen seines "Grand-Daddys" soeben vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht verloren hatte. Gegen Stief-Oma Friede. Alle Hoffnung, irgendwann selbst einmal die Geschicke des großväterlichen Verlages mitbestimmen zu können, war nun endgültig dahin. Aggi, letzter Spross an Springers Stamm, war vertrocknet, bevor er sich überhaupt hatte entfalten können.

Und so deutete nichts an jenem Berliner Feierabend darauf hin, dass "Springer" einmal mehr gewesen war als bloß ein Firmenname. Dass "Springer" Gründer-Mythos war, Kampfbegriff und Clan-Farbe. Vor allem aber, dass es die Geschichte eines genialen Unternehmers war, und eines tragisch unbegabten Patriarchen.

Eine neue Biografie

Diese Geschichte erzählt nun die soeben erschienene Biografie des Bonner Historikers Hans-Peter Schwarz. Viele Autoren haben den Hamburger Großverleger Axel Cäsar Springer in einzelnen seiner Facetten bereits beschrieben. "Spiegel" und "Stern" widmeten ihm Titelgeschichten, Heiner Lauterbach spielte den Zeitungsmann aus Altona in einem Spielfilm nach. Und dennoch war die Geschichte des seltsamen Traumdenkers immer nur halb erzählt.

Hans-Peter Schwarz jedoch hat den Erfinder der Bildzeitung jetzt ganz neu ins Bild gesetzt. Oder anders gesagt: Er hat alle Facetten dieses Mannes zu einem einzigen Bild zusammengefügt, und mit seinem 722Seiten dicken Werk in das Große und Ganze deutscher Geschichte gestellt. Der emeritierte Professor rückt Springer darin zwischen Konrad Adenauer und Willy Brandt, pflanzt ihn in das Entstehen der Bundesrepublik, zwischen "Welt" und Weltgeschehen. Es ist ein irres Leben, das dieser Axel Springer, wie auf einem Schwebebalken, durch alle Zeitläufe führt. Schwarz erzählt das kongenial und leichtfüßig. So hat den beherzten Träumer und Tycoon vor dem Adenauer-Biografen Schwarz bisher noch niemand eingeordnet.

"Ein komischer Heiliger" sei Springer allerdings auch gewesen, konstatiert Schwarz nach Einsicht in dessen Privat- und Firmenarchive ganz nebenbei. Und das gehört auch zur Wahrheit über den Weltmann.

Deutsche Schicksalsjahre

Als Axel Springer im Mai 1912 auf die Welt kommt, ist zwei Wochen zuvor die "Titanic" untergegangen und die Menschen sehen darin mehr als ein Schiffsunglück. Es ist ein böses Omen. Die Welt ist schon lange kein friedlicher Ort mehr. Zwei Jahre später wird der Erste Weltkrieg ausbrechen. Der Historiker Hans-Peter Schwarz, 73, spricht vom "kurzen Jahrhundert", wenn er die Ära zwischen 1914 und 1989 beschreibt, jene deutschen Schicksalsjahre zwischen Krieg und Mauerfall. Es ist die Zeit, die erst den gut gestellten Druckereibesitzers-Sohn aus Hamburg-Altona prägte, und die der wiederum als späterer Großverleger und Hobby-Politiker selbst prägte.

Er ist ein Söhnchen-Typ. Springer ist einer mit Kuss-Gesicht. Die Mutter hätschelt ihn, er will Sänger werden, darf aber nicht. Stattdessen lernt er im väterlichen Kleinverlag, dann als Volontär beim Wolff'schen Telegraphendienst, später in der Lokalredaktion des "Bergedorfer Anzeigers". Journalismus war schon immer ein Traumberuf für diejenigen, die sich nicht schmutzig machen wollten. Und Axels Hemden sind damals schon weißer, als die der Hamburger Kumpelbande; seine Wangen immer Sylt gebräunt.

Mit 18 will er seine jüdische Freundin Martha Meyer heiraten, die er "Baby" nennt. Aber die Eltern sind dagegen - solange jedenfalls, bis sich 1933 der erste Enkel ankündigt. Prekäre Verhältnisse. Im November ist Hochzeit, im Dezember ist Tochter Barbara auf der Welt. Da ist der Jungvater gerade mal 21, und bald darauf Mitglied des nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps, NSKK. "Man machte mir den Vorschlag, mich für die Familie zum NS-uniformierten Prellbock herzugeben in einer Organisation, die keine großen weltanschaulichen Bekenntnisansprüche stellte, und die Politik mit dem von mir so geliebten Autosport vereinen ließ". Irgendetwas musste er schließlich machen.

Er sei schließlich der "Bilderbuchtyp des damals so gefragten nordischen Menschen" gewesen, schreibt Springer über sich in einem Büchlein, das er seinen Kindern und Kindeskindern widmet. Hans-Peter Schwarz sieht Springers Beweggründe nüchterner: Er war "under-worked and over-sexed".

Bereits nach fünf Jahren reicht "Baby" deshalb die Scheidung ein. Er trennt sich leichten Herzens. Nicht einmal seine Schwiegermutter nimmt ihm das krumm. Axel hat eben ein Händchen für Damen. Aber auch für Dramen. Mit bühnenreif gespielten Bauchschmerzen und erschummelten Attesten kann sich der junge Mann vor der Wehrmacht drücken. Er hat Glück. Oder, wie er später als fromm gewordener Schicksalsdeuter annehmen wird: Gott hatte Größeres mit mir vor! Während sich seine Altersgenossen also für die Front rüsten, frisst Axel in Westerland auf Papas Kosten Hummer und vögelt mit den landverschickten Töchtern reicher Männer rum. Und Gott lässt ihn walten.

Ein Sohnemann wird Verleger

Die Familie Springer hat sich kommod über die Nazi-Zeit und den Krieg gerettet. Das kleine Druck- und Verlags-Haus in Altona macht nach dem Kriegsende nahtlos mit der Produktion von Büchern und Kalendern weiter. Aber Bücher- und Kalendermachen, das reicht Axel Springer nicht. Er erwirbt im Juni 1946 eine Zeitungslizenz, die "Radio-Post". Aus ihr wird im Dezember "HörZu".

Es folgen Lizenzen für das Hamburger Abendblatt, für Frauen- und Familienzeitschriften, und für ein Blatt, mit dem er den "wenig konzentrationsfähigen Leser" erreichen will. Eines, mit dem er das Volk "trösten, aufrichten und bilden" will, das "den Geschmack einer Vanilleschnitte am frühen Morgen" haben soll. Dieses Blatt entwirft er zusammen mit seiner dritten Ehefrau Rosemarie Alsen - ehemals Gattin des Hamburger Nachbarn - auf dem Teppichboden eines Londoner Hotelzimmers. Teppichboden, das hört sich verrucht an, ist es aber nicht: Nur ein bisschen Ausgeschnittenes liegt da, eine Collage mit großen Bildern aus dem "Daily Mirror" und kurzen Texten. Er nennt sie "BILD". Vor 56 Jahren geht die erste dieser Vanilleschnitten übern Tresen.

Sohnemann hat nun seinen eigenen Verlag, denn seine Blätter erzielen bereits nach kürzester Zeit Auflagen, von denen heute, da Blätter wie "Bild" und "Bild am Sonntag" kontinuierlich an Auflage verlieren, niemand mehr zu träumen wagt. Auch so ein Wirtschaftswunder: Drei Millionen Exemplare verkauft "HörZu" im Jahr 1957, vier Millionen sind es bereits drei Jahre später. Im Nachhinein sieht es fast so aus, als hätte die britische Militärregierung Axel Springer damals eine Lizenz zum Moneymaking erteilt.

Bekommen hat er sie übrigens nur, weil Baby Meyers Mutter ihm zuvor einen Persilschein für die Spruchkammer ausgestellt hatte: "Ich habe oft während meiner zweieinhalbjährigen Unterbringung im Ghetto Theresienstadt an seinen unbeirrbaren Glauben mich erinnert", schreibt sie. Die Gesinnung ihres früheren Schwiegersohns sei jederzeit "antinationalsozialistisch" gewesen, beteuert Mary Meyer 1945.

Papa und Monsieur

Zu jener Zeit war ihr Darling soeben noch in zweiter Ehe mit dem Berliner Mannequin Erna Küster verheiratet. Die nannte er "Katrin", das klang moderner. Auch einen Sohn hatte er inzwischen, Axel junior.

"Mein Schnuppelchen, mein Duppelchen, mein Knuppelchen", schreibt Springer in Briefen, die er dem Jungen erst nach Hause, und später in die Internate schickt. "Mein Stumpelchen, mein Pumpelchen, mein Sappelchen, mein Zappelchen". Aber viel mehr als ein zärtliches Briefgefühl kriegt er nicht hin, wenn er ans Axelchen denkt. Viel wichtiger sind ihm seine Frauen und irgendwann auch - die Missionen.

Es war ein Leben wie in einem Simmel-Roman. Morgens, wenn der Chauffeur ihm am Grotiusweg die Tür aufhielt, war Springer "Monsieur". Nachts der böse Junge. Ungeniert habe er auf den Sex-Partys, die seine Freunde an Swimming-pools gaben, nach den angebotenen Schnitten gegriffen. So jedenfalls berichtet es der Historiker Schwarz aus den Archiven. Das Leben war schön und Axel war der "GröVaz". Der größte Verleger aller Zeiten. Bis heute verneigen sich diejenigen, die mit ihm aufstiegen, vor seinem Charisma. "Er war Frau und Mann in einer Person mit allen Vor- und Nachteilen. Er war großzügig und cholerisch, er konnte ungerecht sein und unbeherrscht", erinnert sich Peter Tamm, 79.

Tamm fing 1948 als Schifffahrt-Redakteur bei Springers "Hamburger Abendblatt" an und ging als Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG 1991 in Rente. So liefen Karrieren damals. Nach 30 Jahren bot Springer an, er dürfe ihn nun "Axel" nennen. Axel und Sie. "Er war ein eitler Schauspieler, ein komplizierter Charakter", sagt Tamm, "ich habe ihn sehr, sehr bewundert." Kurz bevor Springer im Jahr 1985 starb, trat er zum letzten Mal vor seinen Jüngern auf. Im Wegdrehen zeigte der Menschenfischer auf Tamm und sagte: "Meine Herren, dem hier habe ich viel zu verdanken." Noch heute kommen dem Mann, den alle "Admiral" nennen, die Tränen, wenn er die Szene erzählt.

Mitmischen im Weltgeschenen

Natürlich hatte der große Charismatiker auch einen kleinen Knall. Wie alle, denen der Erfolg über den schütteren Scheitel wächst, dachte nun auch Sir Axel, er müsse große Politik machen und das Geschäft der Profis miterledigen. Doch anders als Rudolf Augstein vom "Spiegel" etwa, der einmal als Bundestagskandidat für die FDP in Rheda-Wiedenbrück antritt, reist Springer im Januar ‘58 mit zwei Getreuen, einem Butler und seiner schönen Frau nach Moskau. Er will Nikita Chruschtschow seine Idee für die Wiedervereinigung Deutschlands zeigen, eine Art Fünf-Punkte-Plan. Chruschtschow will aber höchstens ein Interview geben. 17 Tage lang schmort Springer mit seinen Assistenten im Zimmer des Hotels "National", bevor er überhaupt vorgelassen wird. Dann geht alles ganz schnell.

Rosemarie Springer berichtet später, ihr Mann sei nach zwei Stunden völlig gebrochen zurückgekehrt. In Bonn höhnen Kanzler Adenauer und sein Staatssekretär Globke bereits über die "bejossenen Pudel", da war die Russen-Truppe noch nicht einmal in Stockholm zwischengelandet. Axel Cäsar hatte auf seinem Feldzug nichts erreicht, er kehrte blamiert nach Hamburg zurück. Aber eines war von nun an selbst dem CDU-Kanzler klar: Die Axel Springer GmbH hatte sich positioniert. Nie wieder würde der Verleger von seiner Vision eines vereinten Deutschlands abrücken. Das Eintreten dafür ließ er seinen Redakteuren fortan sogar in die Verträge schreiben. Und so dauerte es dann auch nicht lange, bis Axel Springer in einen Spottnamen weg hatte: Der Brandenburger Tor. Heute zollen ihm selbst Kritiker und Spötter von damals Anerkennung: Was der sich getraut hat! Und wie tragisch, dass ausgerechnet er den Mauerfall nicht mehr erlebte.

Galan und GröVaz in Spendierhosen

Nur ein Jahr nach der russischen Schmach lässt Axel Springer ein Verlagsgebäude direkt an die Sektorgrenze bauen. Achtzehn Stockwerke hoch, freier Blick bis zum Alexander Platz, bis auf Walter Ulbrichts Schreibtisch sozusagen. Auf den Fotos, die den Bauherrn neben Berlins Regierendem Bürgermeister bei der Grundsteinlegung zeigen, sieht Willy Brandt jedoch alles andere als glücklich aus. Das Haus wird damals von Liberalen wie auch von Linken als Provokation empfunden. Als das Haus direkt an der Mauer eingeweiht wird, bekommt jeder Taxifahrer als Begrüßungsgeschenk eine goldene Uhr von ihm. Es gibt im Jahr 1966 immerhin 4000 Taxifahrer in Berlin! Für die ist Springer natürlich nun alles andere als ein "Ewig Gestriger".

Vielleicht gibt es ja in jedem Menschen-Leben eine Hochphase, ein Jahr der Jahre, einen Gipfel des Glücks. Bei Springer ist es das Jahr 1966. Es ist prall wie ein Granatapfel. Zum ersten Mal reist er nach Israel und ist sofort vom Heiligen-Land-Virus befallen. Und soeben hat er sich zugunsten des Kindermädchens von seiner vierten Frau getrennt, von Helga, die er "Mausi" nannte. Sie war wie ihre Vorgängerin die Frau des Nachbarn gewesen. Schon deshalb wurde es höchste Zeit, Hamburg zu verlassen, und nach Berlin zu ziehen. Springers Nachbar Horst-Herbert Alsen gab an, nicht noch einmal nach einer Frau für Herrn Springer suchen zu wollen. Aber da bestand ohnehin keine Not. Monsieur war mit 53 im besten Sugar-Daddy-Alter, und der 23jährigen Gärtnerstochter komplett verfallen.

Alte Scheunen brennen gut

Die junge Frau stammte von der Insel Föhr und war so blond und schön wie seine Lieblingsschauspielerin Julie Christie, die Lara aus "Doktor Schiwago". Nicht jeder im Verlag hielt die Nachfahrin einer Walfängerdynastie jedoch für das schüchterne Mädchen, als das sie in großen Herrenrunden auftrat. "Vergessen Sie nicht, dass die Menschen da oben früher die gestrandeten Schiffe ausgeplündert, und die überlebenden Menschen erschlagen haben", gibt einer der Alten zu bedenken. Mehr will er nicht über Fräulein Friede sagen. Nur vielleicht noch, dass sie auch eiskalt und berechnend sein konnte, dass sie Haare auf den Zähnen gehabt habe, und Igel in der Tasche. Dass sie es mit Freunden, die sie auf Reisen begleiteten, selbst heute noch, als Multimillionärin, ganz nach dem Berliner Motto hielte: "Uffjefordert, nich innjeladen".

Damals jedenfalls - Berechnung hin oder her - hatte Fräulein Riewerts sich den König der Blattmacher an Land gezogen, und der legte ihr erst einmal die ganze Welt zu Füßen.

Friede ist nun Frischzelle und Ruhepol des Verlegers. Die anderen sind nur noch Posten auf den monatlichen Abrechnungen. Vier Ex-Frauen, drei Kinder. Springers jüngster Sohn Nicolaus, damals erst vier Jahre alt, ist nun bereits zum zweiten Mal ohne Kindermädchen. Er zieht mit der Mutter in die Schweiz. Und in München nimmt zur gleichen Zeit der ältere Sohn Axel, 25, unter dem Pseudonym Sven Simon als Sportfotograf seine eigene Karriere in Angriff. Seinen frisch geborenen Sohn nennt er überraschend - Axel. Opa nennt ihn Aggi.

Wie jeder Dynast hofft natürlich auch Springer, dass einer seiner Nachkommen einmal sein Werk fortführt. Aber: Über-Axel, Axelchen und Aggilein - kann sowas gut gehen? Wohl kaum. In fast jeder großen Familiengeschichte lauert eben auch die Tragödie. Eine giftige Schlange, die sich langsam anschleicht, und irgendwann zubeißt. Doch das konnte der liebestolle Patriarch damals, als er frisch verliebt war, noch nicht ahnen.

Er hatte eine junge Frau, er hatte Häuser, Villen, Residenzen und Landsitze. Er lebte auf Kampen im Klenderhof, auf Gut Schierensee in Holstein, in der Villa Tranquillitati auf Schwanenwerder, auf der Insel Patmos, im schweizerischen Klosters, in Jerusalem und London und auf seiner eigenen Yacht. Gelegentlich fuhr er, wenn Zeit war, nach Norwegen zum Ausspannen. Und Friede immer im Schlepp. Wollte er über die politische Lage im Lande sinnieren, lud sich der GröVaz Minister ins Haus, Politiker aus dem In- und Ausland, sogar den Kanzler. Wenn es im Verlag einmal brannte, düsten seine Flanellmännchen mit dem Firmenflieger zum Rapport. Ansonsten hatten die Satelliten um den mächtigen Hausjuristen Bernhard Servatius alles im Griff. Na ja, fast alles. Denn plötzlich brannte es wirklich. Gleich vor der Haustür.

Die Studentenbewegung hatte Berlin erreicht und Springer war ihr Lieblingsfeind. "Haut dem Springer auf die Finger", lauteten die Sprüche zu Beginn. Dann schießt der Polizist Karl-Heinz Kurras dem Studenten Benno Ohnesorg in den Kopf. Springers Blätter befinden, wer Terror verbreite, müsse Härte in Kauf nehmen. Das kontert Studentenführer Rudi Dutschke mit der Zuschlag-Zeile: "Bild hat mit geschossen!" Ab jetzt ist Krieg in Kreuzberg. Als Einziger von denen da oben traut sich nur der noch junge "Admiral" Tamm in die Konzernzentrale an der Kochstraße und verteidigt den Laden, so gut er kann. Springer selbst geht in Deckung und betet, bis der Spuk vorbei ist.

In Frieden, mit Friede

Es bleiben ihm jetzt noch zehn, zwölf schöne Jahre, um sein Verlagsimperium zu vergrößern, an die Börse zu gehen, Vorstände zu schassen, Chefredakteure zu entlassen, Fayencen zu sammeln, seinen zahlreichen Krankheiten und der religiösen Erweckung zu frönen. An seinem 70. Geburtstag weiht er eine neue Druckerei ein, an Hamburgs östlichem Rand: "Damit man nach der Wiedervereinigung schnell im Ostblock ist."

Hat immer noch seinen Spleen, denken die von der Konkurrenz. Der Himmel hat ihm das eingegeben, denken andere. Manchmal nennt er Friede inzwischen "Shalom".

Dann folgt der erste Schlag. Axel Springer junior erschießt sich mit 39 Jahren auf einer Parkbank, nicht weit entfernt vom Haus, in dem er als Kind spielte. Es heißt, aus Liebeskummer. Sein 14-jähriger Sohn ist nun der letzte Hoffnungsträger des Big-Daddy. Ein bisschen antriebsschwach wirkt der Junge zwar, aber das kann ja noch werden. Fast immer sieht man ihn in den Jahren nach Springers Tod an der Seite seiner großen Schwester Ariane. Im Verlag nennen manche die beiden Unzertrennlichen "Hänsel und Gretel". Einen künftigen Chef entdeckt kein Vorgesetzter in dem Heranwachsenden. Und so wird er nach dem Studium durch die Abteilungen gereicht, in der Hoffnung, es finde sich doch noch irgendwo ein halbwegs herausgehobener Posten. Aber "wo nichts ist, kann auch nichts werden", konstatiert eine Führungskraft die Bemühungen kurz und kühl. Also beginnt Axel Sven Springer als Polizeireporter in der "Bild"-Redaktion, und geht mit seinem verbeulten Golf beherzt auf Milieu-Recherche. Das finden die Kollegen sympathisch. Aber das Charisma des Alten, das finden sie nicht in ihm.

"Ums Erbe betrogen"

Es ist ihm vielleicht Jahre zuvor abhanden gekommen. Als Aggi im Todesjahr Springers aus dem schweizerischen Internat entführt wird, und für kurze Zeit der Eindruck entsteht - oder von den Unterhändlern in die Welt gesetzt wird - er könne die Entführung selbst eingefädelt haben, da muss die Wärme des Großvaters für seinen Lieblingsenkel zumindest so abgekühlt sein, dass er auf einmal nicht mehr weiß, ob er Aggi überhaupt einen so großen Anteil des Verlages hinterlassen kann, wie er es ursprünglich wohl einmal vorgehabt hatte. Zumindest ändert der Alte sein Testament, soviel ist gewiss, er setzt den Anteil seines Enkels herab, unterschreibt das neue Vermächtnis aber nicht. Bei der Testamentseröffnung erklärt Justitiar Servatius, den er "Onkel Bernhard" nennt, dem 18-Jährigen dann, warum es das Beste für die Firma, für alle sei, wenn er nur fünf statt wie ursprünglich vorgesehen 25 Prozent erbe. Ist doch schönes Geld, über 70 Millionen Mark auf Jahre verteilt. Wenn Jesuiten erst einmal drauflos priestern, dann ist es, als würde man mit Schokolade begossen. Der Junge unterschreibt die notarielle Vereinbarung sofort.

Erst 20 Jahre später wird sich Axel Sven Springer um sein Erbe betrogen fühlen, wird klagen, kämpfen - und verlieren. Zum Abschluss will er jetzt eine Beschwerde beim Bundesgerichtshof einreichen. Das Hamburger Gericht habe ihm zu Unrecht im Januar sogar die Möglichkeit der Revision verwehrt, meint der 42-Jährige.

Axel Sven Springer muss heute damit leben, dass der Verlag, der seinen Namen trägt, von einer Riege smarter Aufsteiger geführt wird, die ihm nicht einmal unsympathisch sind, und alle gerade mal so alt wie er. Er muss hinnehmen, wenn Vorstandschef Mathias Döpfner, ein "bekennender Zweckpessimist", 600 Millionen Euro in den Sand setzt, weil sein Plan, ins Postgeschäft einzusteigen, schief geht. Er muss tolerieren, dass die Witwe seines Großvaters Döpfner zwei Prozent ihrer Anteile schenkt. Sie ist Patin seines zweiten Kindes. Mit ihm hat sie die Schlachten der vergangenen Jahre gegen den Anteilseigner Leo Kirch und gegen die Banken gekämpft - und gewonnen. Dem 20 Jahre jüngeren Doktor der Musiktheorie fühlt sich das einstige Kindermädchen von der Insel Föhr seelenverwandt und vertraut, wie zuvor wohl nur ihrem singenden Mann. 600 Millionen hin oder her - nie würde sie ihre schützende Hand über ihm wegziehen.

Jede große Familie hat ihre kleinen Tragödien

Der Enkel muss damit leben, dass Friede Springer für sich und das Werk des Mammutverlegers und Großvisionärs, des Bibelbeters, Mädchensammlers und Götterlieblings aus Altona eine neue Familie gefunden hat. Nicht mehr und nicht weniger.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(