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Cecilia Ahern: Die Kitschprinzessin

Sie schreibt Bestseller und verdient Millionen - doch Cecelia Ahern bringt das nicht aus der Ruhe.

Sie könnte gut Werbung für Joghurt machen. Oder für Seife. Cecelia Ahern, Bestsellerautorin und Millionärin, sieht so rundum gesund aus, dass man fast dankbar ist für die zwei Abdeck-stiftflecken auf ihrer Stirn.

Man sieht Cecelia Ahern so aufmerksam an, weil es so schwierig ist, ihr aufmerksam zuzuhören: Jeder ihrer Sätze endet mit einem unverbindlichen "Ist doch alles ganz normal." Ihr Leben, ihre Arbeit, ihr Erfolg. Dass Kritiker ihre Bücher beschimpfen, findet sie auch ganz normal. "Ich bin keine Literatin. Eher eine Freundin", sagt sie. "Meine Geschichten sind für Herzen, nicht für Köpfe."

Cecelia Ahern hat es nicht nötig, ihre Bücher zu verteidigen. Ihr erster Roman "P. S. Ich liebe dich" machte sie mit 21 Jahren zur Millionärin. Warner Brothers kaufte die Filmrechte, ein amerikanischer Verlag zahlte eine Million Dollar für die Lizenz, die Briten 300 000 Euro, die Holländer angeblich noch mehr - unglaubliche Summen für ein Romandebüt. Dann kam "Für immer vielleicht" - ebenfalls ein Bestseller in Europa und Amerika; allein in Deutschland liegt ihre Gesamtauflage inzwischen bei 1,5 Millionen. Ihr neuer Roman "Zwischen Himmel und Liebe", der hier am 27. Januar erscheint, wird schon von Disney verfilmt: als Musical mit dem Australier Hugh Jackman in der Hauptrolle.

"Reich zu werden war nie mein Ziel", beteuert die heute 24-Jährige. Überhaupt habe sie nie Ziele gehabt und sich nicht unter Druck gesetzt. "I just go with the flow" - "Ich lasse mich einfach treiben" -, sagt sie und lächelt sittsam. Vielleicht die nahe liegende Reaktion eines Mädchens, das seinen Dad jeden Abend in den Nachrichten sehen konnte: Cecelias Vater Bertie Ahern ist Irlands konservativer Premierminister. Sich volksnah und bescheiden zu geben gehört da zum guten Ton. Dass ihr Erfolg mit dem berühmten Vater zusammenhänge, glaubt sie allerdings nicht: "Wer kennt in Amerika schon Bertie Ahern?" Und damit hat sie wohl recht.

Berühmt sein in Irland

- so aufregend sei das alles nicht, sagt Cecelia. Fast jeder kennt sie, aber das bedeute nicht, dass die Medien sie verfolgen. "Wir haben kaum Klatschmagazine. Das erledigen die Engländer für uns." Britische Boulevardmagazine interessieren sich allerdings eher für ihre ältere Schwester Georgina, die mit dem irischen Popstar Nicky Byrne von der Band Westlife verheiratet ist.

Als Cecelia elf war, trennten sich ihre Eltern: ein Skandal im katholischen Irland. Dass Bertie Aherns Karriere daran nicht scheiterte, ist für viele immer noch ein Wunder. "The Teflon Taoiseach" nennen ihn die Iren - der Premierminister, an dem alles abperlt. Auch Cecelia hat sich eine Teflonschicht zugelegt. Politik? Interessant, aber zu komplex. Trennung der Eltern? Schwierig, aber nicht belastend - schließlich blieb der Vater in der Nähe. Erfolg? Schön, aber nicht lebensbestimmend.

Nie wäre sie auf die Idee gekommen, einen Teil ihres Geldes in eine Weltreise oder eine Villa zu stecken. Cecelia mag keine Veränderungen. Sie lebt immer noch in Malahide, einem malerischen Vorort von Dublin. Hier ist sie aufgewachsen, hier wohnen ihre Eltern. Die Leute fahren dunkelgrüne Geländewagen und gehen mit beigefarbenen Hunden am Strand spazieren, der Blick ist immer weit und die Luft immer klar. Wozu die Koffer packen? Ist doch schön hier, in Malahide.

Es ist diese merkwürdige Mischung aus Biederkeit und Frohsinn, die man auch in ihren Büchern findet. Es gibt keinen Sex und keine ausufernden Partys. Dafür Männer mit sanften blauen Augen und schnell schlagenden Herzen. Natürlich gibt es auch böse Schicksalsschläge. Liebe und Verlust. Dann haben die Menschen "Traurigkeit in den Augen". Doch am Ende wird alles gut.

Dabei mag Cecelia

gar keine "happy endings". Und findet auch nicht, dass sie welche schreibt. "Viele Leute sagen, sie hätten beim Lesen meiner Bücher einen Kloß im Hals", sagt sie und scheint nicht eine Sekunde darüber nachzudenken, dass es sich ja auch um jene Art von Kloß handeln könnte, die man nach dem Genuss von zu viel Marzipan verspürt. Nein, für Cecelia geht es in ihren Büchern schon ganz schön tragisch zu. Im ersten Roman stirbt der Ehemann und hinterlässt seiner Frau Briefe, um sie für eine neue Liebe zu wappnen.

In Roman zwei findet ein Sandkasten-Liebespaar erst nach diversen Ehen zueinander. Und in ihrem aktuellen Buch muss die Protagonistin eine Art Engel küssen, bevor sie sich der Liebe öffnen kann.

Zeitgenössische Erbauungsliteratur jenseits von "Sex And The City", frei von Zynismus und Gucci-Handtaschen - vielleicht sind die Bücher deshalb so erfolgreich: Sie befriedigen die Sehnsucht nach einer Welt, in der sich nicht Geld und Intrigen durchsetzen, sondern Wärme und Herzlichkeit.

Ihre Ideen kommen Cecilia "einfach so", wenn sie aus dem Fenster blickt oder im Internet surft. Dafür braucht sie Ruhe - und eben auch ein Leben, in dem alles "ganz normal" ist. "Egal, was passiert: Die Iren bleiben immer mit beiden Füßen auf dem Boden", sagt sie. Und wenn das stimmt, ist sie vielleicht gar nicht so bieder und bodenständig - sondern einfach nur irisch.

Andrea Ritter

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