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"Spiegel"-Kritik: Enissa Amani - Chronik eines Eklats

In einer TV-Kritik hat "Spiegel"-Autorin Anja Rützel die Comedienne Enissa Amani kritisiert - und wird seither heftig angefeindet. Worum geht es genau?

Enissa Amani

Seit Tagen schlägt dieses Thema hohe Wellen in den sozialen Netzwerken: Die "Spiegel"-Journalistin Anja Rützel wird auf ihrem Instagram-Account übel beschimpft. Der Anlass ist ein Artikel, den Rützel verfasst hat. Das ist geschehen:

Enissa Amani vs. Anja Rützel - die Chronik

Am Donnerstagabend wurden die "About You Awards" verliehen. Ein Influencer-Preis, mit dem Social Media-Persönlichkeiten aus dem deutschsprachigen Raum ausgezeichnet werden. Die Stand-up-Comedienne Enissa Amani war Jurorin und durfte auch einen Preis verleihen - in der Kategorie Comedy. In ihrer Moderation sprach die 33-Jährige über ihren Beruf, mit dem sie "übertrieben reich geworden" sei, und beklagte die in Medien öfters verwendete Bezeichnung "Komiker und Komikerinnen". Das klinge für sie altbacken und "unsexy". "Immer wenn ich den Begriff höre, dann denke ich, ich schmeiße alles hin und geh nach Nicaragua und züchte Papayas. Ich will nicht Komiker sein."

Die Veranstaltung wurde am Donnerstagabend von ProSieben übertragen, und TV-Kritikerin Anja Rützel hat dazu eine Kritik verfasst, die am Freitag auf "Spiegel-Online" veröffentlicht wurde. 

Darin gab sie den Inhalt von des Beitrags wieder und schrieb, man solle Amani "wirklich auf keinen Fall mehr 'Komikerin'" nennen, "denn spätestens nach dieser Rede kann einfach keiner wollen, dass wir diese Komikerin an die Fruchtproduktionsbranche verlieren. (Nur noch mal zur Sicherheit: Komikerin.)" Eine kleine, gemeine Spitze. Mehr aber auch nicht.

Amanis Follower melden sich zu Wort

Doch die hat offenbar gesessen. Jedenfalls beklagte sich Amani in einer Insta-Story über den "Spiegel"-Artikel. Dass Anja Rützels Autorenname über der Kritik stand - wie bei TV-Kritiken üblich -,  interpretierte sie als als Wunsch nach Aufmerksamkeit, dem sie gerne nachkomme. Sie unterstellte Rützel "die Arroganz des Kunstsuchenden", nannte ihren Text "undifferenziertes Geschreibsel" und befand, dass an einigen Stellen "die Verbitterung deutlich zu lesen" sei. 

Eine Künstlerin, die extrem dünnhäutig auf Kritik reagiert. Damit könnte man es bewenden lassen. Doch dann fluteten zahlreiche von Amanis 500.000 Followern Rützels Instagram-Profil und beleidigten die Autorin sowie ihren Hund, der dort häufig abgebildet ist.

Enissa Amani

Rützel stellte ihren Account daraufhin auf privat, was Enissa Amani auf Instagram höhnisch kommentierte: "Warum? Sie war doch sauber ordentlich in ihrem Spiegel Online Artikel extra in der Headline genannt?" Amani warf ihr nun vor, austeilen, aber nicht einstecken zu können.

Auftritt AfD-Mann

Dann schaltete sich der AfD-Politiker Andreas Winhart ein. Den hatte Amani vor einiger Zeit als "Idiot" und "Bastard“ bezeichnet und daraufhin eine Anzeige kassiert. Winhart postete nun Rützels Artikel und lobte die Autorin. 

Enissa Amani forderte daraufhin eine Distanzierung von Rützel - dem kam diese nach. "Natürlich finde ich diesen widerlichen Versuch der Vereinnahmung genauso ekelhaft wie Sie und distanziere mich davon." Gleichzeitig betonte sie aber, dass sie weiter zu ihrem Artikel stehe.

Obwohl die Distanzierung deutlich war, trug Rützels Antwort zu einer weiteren Eskalation bei. Denn nun warf Amani der Autorin indirekt Rassismus vor. "Nicht einmal eine Entschuldigung für ihre metaphorische Aufforderung, dass ich das Land verlasse? Keine Entschuldigung, wie Sie urbane Sprache genauso instrumentalisieren und stigmatisieren, wie es die AfD gerne tut?"

Auf Instagram legte Amani daraufhin nach und unterstellte Rützel, sie gebe Menschen wie Winhart "Rückenwind". Was weitere Anfeindungen zur Folge hatte. 

Die Medien berichten über den Fall

Nachdem das Thema über Tage durch die sozialen Netzwerke waberte, griffen verschiedene Medien das Thema auf. Darunter die "Rheinische Post", "Focus Online" oder stern-Stimme Micky Beisenherz.

Auch die "Bild"-Zeitung recherchierte zu dem Vorfall. Noch bevor der Artikel erschien, glaubte Amani schon den Inhalt zu kennen. "Die BILD Zeitung schreibt morgen einen hetzerischen Artikel über mich", schriebt sie am Montag auf Instagram. Auch die Überschrift stand für sie schon fest. "Die Iranerin oder die Islam-Verteidigerin hat zum Terror aufgerufen", sagte sie im Video. 

Der Artikel erschien tatsächlich: "Kölner Komikerin startet Shitstorm gegen Journalistin", lautete die nüchterne Überschrift.

Enissa Amani greift AfD-Politiker an – mit ziemlich drastischen Worten
che