"Ein mutiger Weg" Im Strudel des Terrors


Das Politdrama "Ein mutiger Weg" erzählt die Geschichte des Journalisten Daniel Pearl, der 2002 in Pakistan verschleppt und ermordet wurde. Eine ebenso sperrige wie beunruhigende Geschichte - und eine Geduldsprobe für den Zuschauer.

Pakistan ist ein heißes Pflaster für westliche Journalisten. Und besonders gefährlich ist die Berichterstattung für einen Amerikaner jüdischen Glaubens, der den Hintermännern eines islamistischen Anschlags auf der Spur ist. 2002 hat der Südostasien-Korrespondent des "Wall Street Journal", Daniel Pearl, seine Recherchen mit dem Leben bezahlen müssen. Pearl wurde in eine Falle gelockt, entführt und ermordet.

Der britische Regisseur Michael Winterbottom zeigt in seinem neuen Film "Ein mutiger Weg", der ab dem 13. September in den Kinos zu sehen ist, welche verzweifelten Anstrengungen Pearls im sechsten Monat schwangere Frau Mariane, selbst Journalistin, unternahm, um das Leben ihres Mannes zu retten. Hollywood-Schönheit Angelina Jolie spielt diese Rolle mit sichtlichem Bekenntnis zu einer Frau, die sich mutig einer fast aussichtslosen Situation stellt, statt zu resignieren oder in nur zu verständlichen Hass auf die Entführer ihres Mannes zu verfallen.

Geduldsprobe für den Zuschauer

Im Dauerstreit mit den pakistanischen Behörden versucht Mariane, fünf Wochen lang System und Ordnung in die reichlich wirre Suche nach dem entführten Mann zu bringen. Dabei werden die Frau und ihr Mobiltelefon fast unzertrennlich. In kurzen Rückblenden zeigt der Film Szenen aus dem früheren Glück des Ehepaares. Doch für die Dauer von 103 Minuten wird die schmalspurige Handlung arg zur Geduldsprobe für den Zuschauer, zumal das tragische Ende bekannt ist. Und bei allem Bemühen von Angelina Jolie: Sie ist trotz betont blasser Schminke und ungewohnter Löckchenfrisur einfach zu attraktiv für diese Rolle einer ebenso leidenden wie dynamischen Frau und Journalistin.

Eine Art Wiedergutmachung

Winterbottom hatte im Vorjahr mit seinem ebenfalls teilweise in Pakistan spielenden Film "Road to Guantanamo" scharfe Kritik an der westlichen Vorgehensweise gegen vermutete und reale Islamisten geübt. Man könnte sein neues Werk als eine Art "Wiedergutmachung" für den US-Kinomarkt werten, denn wohl nur dort dürfte dem sperrigen Film größere Beachtung sicher sein. Sehenswert ist jedoch auch hierzulande der Konflikt zwischen der trotz aller Sorgen dynamischen Amerikanerin und den pakistanischen Polizisten, die vor Folter bei ihren Ermittlungen nicht zurückschrecken. Beunruhigend sind die Bilder aus der für westliche Augen chaotischen Stadt Karachi. Winterbottom macht deutlich, wie anders die Welt ist, der Pearl zum Opfer fiel. Wer nach dem Kinobesuch noch in diese asiatische Riesenstadt reisen möchte, muss schon von ganz besonderem Mut beseelt sein.

"Ein mutiger Weg" ist ein Film über den Zusammenprall der Kulturen, dessen letztes Opfer der jüdische Amerikaner bekanntlich nicht war. Und es ist ein Hohelied auf eine tapfere Frau. Deren Darstellung durch eine andere Schauspielerin wäre der Glaubwürdigkeit der Handlung allerdings dienlicher gewesen. Die privat humanitär sehr engagierte Angelina Jolie sollte sich beruflich besser vor falschem Ehrgeiz hüten.

Wolfgang Hübner/AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker