ENTFÜHRUNG US-Reporter offenbar tot


Der in Pakistan entführte US-Journalist Daniel Pearl ist nach Darstellung seines mutmaßlichen Kidnappers tot. Der 27-jährige Scheich Ahmad Omar Saeed erklärte am Donnerstag vor einem Gericht in Karachi, er sei für die Entführung verantwortlich. Einzelheiten über die Umstände des Todes von Pearl nannte er jedoch nicht. Saeed hatte sich am Dienstag in Lahore den pakistanischen Behörden gestellt.

»So weit ich weiß, ist er tot«, sagte Saeed bei der Anhörung. Er habe seine Gründe für die Entführung gehabt und denke, dass sein Land nicht den Interessen der Vereinigten Staaten dienen sollte. Saeed betonte, er sei nicht festgenommen worden, sondern habe sich gestellt, um seine Familie zu schützen. Das Gericht ordnete eine zweiwöchige Untersuchungshaft für Saeed an. In Zusammenhang mit der Tat wurden bereits drei andere Personen festgenommen.

Spur des Schuh-Bombers verfolgt

Der 38-jährige Pearl, Journalist der Zeitung »Wall Street Journal«, war am 23. Januar auf dem Weg zu einem Treffen mit einem islamischen Extremisten verschwunden. Es wird vermutet, er habe Verbindungen des so genannten Schuh-Bombers Richard Reid zu pakistanischen Fundamentalisten untersucht. Reid hatte im Dezember versucht, auf einem Flug von Paris nach Miami in seinem Schuh versteckten Sprengstoff zu zünden. Vier Tage nach Pearls Verschwinden waren bei internationalen Medien E-Mails eingegangen, in denen die mutmaßlichen Entführer die Freilassung von Pakistanern forderten, die in Afghanistan festgenommen und nach Guantanamo auf Kuba gebracht wurden.

Kollegen bleiben zuversichtlich

Ein Sprecher des Unternehmens Dow Jones, der Muttergesellschaft des »Wall Street Journals«, Steven Goldstein, erklärte, er wisse nichts von Saaeds Ausagen. Alle Kollegen blieben jedoch zuversichtlich, dass Pearl noch am Leben sei. Ein Sprecher der US-Botschaft in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sagte, die Diplomaten arbeiteten weiter mit den Behörden zusammen, um Pearl lebend zu finden.

Saeed wurde 1994 in Indien festgenommen, weil er westliche Rucksacktouristen in Kaschmir entführt hatte. Er verbrachte fünf Jahre im Gefängnis, wurde aber niemals vor Gericht gestellt. Die Entführer eines indischen Passagierflugzeugs pressten ihn im Dezember 1999 frei.

Die Entführung Pearls war am Mittwoch auch Thema eines Treffen zwischen US-Präsident George W. Bush und dem pakistanischen Militärmachthaber Pervez Musharraf im Weißen Haus. Musharraf hatte erklärt, er sei »halbwegs sicher«, dass Pearl noch am Leben sei. Die Entführung sei möglicherweise eine Reaktion auf seinen Schlag gegen die islamischen Extremisten im Land.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker