HOME

Enthaupteter US-Journalist: Wer war James Foley?

Er wurde vor zwei Jahren in Syrien entführt, nun taucht James Foley, genannt Jim, in einem Video des "Islamischen Staats" wieder auf - und wird von den Terroristen enthauptet. Wer war der Mann?

Von Niels Kruse

James Foley ist tot. Enthauptet in irgendeiner trostlosen Wüste, mit einem Messer, das sonst Teenager mit ins Zeltlager nehmen, von einem in schwarzgewandeten, maskierten Mann, der mit britischem Englisch grausame "Botschaften an Amerika" sendet. Die letzten Worte des Reporters sind an die US-Regierung gerichtet, die der "wahre Mörder" sei. Und an seinen Bruder John, der bitte die Auswirkungen seines Jobs als Bomberpilot der US-Air-Force überdenken solle. Danach stirbt er einen qualvollen Tod, dokumentiert auf einem furchtbaren Video.

Ältestes von fünf Kindern

Die Dschihadisten des IS (Islamischer Staat) hatten bereits gedroht, Amerikaner "in Blut ertränken zu wollen", wenn Washington, wie angekündigt, Luftangriffe fliegen sollte. Nun haben die Terroristen ihre Drohung umgesetzt. Und brüsten sich damit wie einst al-Kaida-Kämpfer, die vor zwölf Jahren begannen, Geiseln vor laufenden Kameras die Kehle durchzuschneiden. Daniel Pearl war das erste Opfer, ebenfalls US-Journalist. Damals wie heute war nicht immer sofort klar, ob die grausamen Abschlachtvideos echt sind oder nicht, doch Zweifel daran, dass James Foley, 40 Jahre alt, ältestes von fünf Kindern und freier Journalist in den Fängen der IS hingerichtet wurde, gibt es keine; inzwischen hat das Weiße Haus auch offiziell die Echtheit des Videos bestätigt. Bereits kurz nach Veröffentlichung des Films hat seine Familie über soziale Netzwerke bewegende Worte für "ihren Jim" gefunden, wie sie ihn nannten.

Auf Facebook schreibt seine Mutter, Diane Foley: "Wir sind niemals stolzer auf unseren Sohn Jim gewesen. Er hat sein Leben dafür gegeben, der Welt das Leid der Menschen in Syrien zu zeigen. Wir danken Jim für all die Freude, die er uns bereitet hat. Er war ein außergewöhnlicher Sohn, Bruder, Journalist und Mensch. Bitte respektieren Sie in den kommenden Tagen unsere Privatsphäre, in denen wir Jim betrauern und sein Andenken ehren."

Foley hatte unter anderem für die französische Nachrichtenagentur AFP und die US-Nachrichtenseite Globalpost gearbeitet. Und obwohl sein Tod offiziell noch nicht bestätigt war, lasen sich erste Reaktionen bereits wie Kondolenzmitteilungen: AFP-Präsident Emmanuel Hoog würdigte Foley als "mutigen, unabhängigen und objektiven" Journalisten. Die Gouverneurin von Foleys Heimatbundesstaat New Hampshire, Maggie Hassan, sagte: "Er war ein furchtloser Journalist. Er hat uns mit den Geschehnissen rund um den Globus verbunden, und uns eine besseres Verständnis von der Welt gegeben, die wir alle teilen." Charles Sennott, Mitbegründer der "Globalpost", schrieb: "Wir beten für die Möglichkeit, dass er entgegen aller Wahrscheinlichkeiten immer noch am Leben ist und wir versuchen alles, um herauszufinden, was mit ihm geschehen ist."

Foley beobachtete nicht nur

Dieser letzte Rest von Optimismus mag ehrenhaft sein, doch wohl vergebens, denn James Foley war bereits vor zwei Jahren in Syrien verschwunden, vermutlich von Profis entführt, nachdem er ein Internetcafé im Nordwesten des Landes verlassen hatte. Ein Jahr nach seinem Verschwinden, richteten sich seine Eltern mit einem bewegenden Video an die Öffentlichkeit, über Facebook und einer Internetseite versuchten sie ihren Sohn zu befreien. Vergeblich. Bereits 2011 war Foley Kidnappingopfer geworden, damals in Libyen während des Aufstands gegen Muammar al Gaddafi. Er wurde von den Anhängern des damaligen Machthabers verwundet und entführt. In diesem achtminütigen Video berichtet er von den dramatischen vier Wochen.

Foley war mittendrin, im wahrsten Sinne. Nicht nur als Beobachter und Opfer, sondern auch als Handelnder: Daniel Etter von "Zeit Online" kannte den Mann und erinnert sich daran, wie Foley in einem syrischen Krankenhaus die Arbeit von Ärzten gefilmt hatte, die versuchten, unter schwierigen Bedingungen, Menschenleben zu retten. "Irgendwann löste Foley sich aus seiner Rolle als objektiver, distanzierter Beobachter. Er organisierte eine Spendensammlung, um dem Krankenhaus einen neuen Rettungswagen zu kaufen", schreibt Etter. Nach seiner Entführung in Libyen, bei der ein Kollege erschossen wurde, organisierte Foley eine Auktion, deren Erlöse der Familie des Getöteten zu Gute kam. Das, so Etter, "sollte in Erinnerung bleiben".