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Folter, Terror und Pornographie im Internet: Schaut weg!

Das Internet ist voll mit unschönen Bildern. Die Autorin Juli Zeh erklärt, warum sie ihren Blick von geköpften Journalisten und nackten Hollywoodstars abwendet.

Von Juli Zeh

Es fühlt sich eher an, als würde in meinem Kopf im nächsten Augenblick eine Sicherung durchbrennen. Die Augen zu schließen – das ist eine Form von visueller Notwehr. Typisch Mädchen, könnte man sagen. Schwache Nerven eben. Wobei ich nicht sicher bin, ob Männer diesen Reflex tatsächlich nicht kennen. Oder ob sie ihn sich abgewöhnt haben, weil es als unmännlich gilt, keine Gewalt sehen zu können.

Meine Unfähigkeit zum Hinschauen bezieht sich nicht nur auf Kinofilme. Auch drastische Reportagen aus Kriegs- oder Katastrophengebieten halte ich nicht aus. Seit die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) im Irak und in Syrien ihr Unwesen treibt, vermeide ich an manchen Tagen sogar Zeitungsartikel zu dem Thema. Die unfassbaren Brutalitäten kann ich nicht nur nicht sehen - ich will noch nicht einmal von ihnen lesen.

Terroristen wollen, dass wir gucken

Unter dem Titel "War Porn" hat der Kriegsreporter Christoph Bangert kürzlich einen Fotoband mit Schreckensbildern aus aller Welt veröffentlicht. Er begründet diese Publikation mit einer ethischen Pflicht zur Kenntnisnahme. Er sagt: Die Rechte der Opfer werden nicht verletzt, indem wir sie ansehen, sondern wenn wir ihr Leid ignorieren. Mit dieser These trifft Bangert den Kern einer Frage, die ich mir oft gestellt habe. Ist es legitim, den Blick abzuwenden, wenn die Magennerven rebellieren? Müsste ich mich nicht zwingen, dem Elend der Welt ins Gesicht zu sehen? Nach dem Motto: Wer schon nichts ändern kann, soll wenigstens hingucken.

Spätestens seit IS-Mitglieder Videos ins Internet gestellt haben, welche die Enthauptungen von James Foley, Steven Sotloff und David Haines zeigen, hat die Frage einen neuen Klang bekommen. Hier wird nicht nur die Ausübung, sondern gerade auch die Inszenierung von Gewalt zum Terrorakt. Indem wir hingucken, unterstützen wir die Terroristen. Denn sie wollen, dass wir das sehen.

Es ist kein neuer Einfall des Kommunikationszeitalters, den öffentlichen Blick für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Schon immer konnte ein Blick die Würde des Menschen tief verletzen, und schon immer wussten Staat und Staatsfeinde, wie man diesen Umstand für die jeweils eigenen Zwecke nutzt. Im Mittelalter gab es Pranger, an dem Verbrecher den Augen der Allgemeinheit und damit der Schande preisgegeben wurden. Grausame Hinrichtungen wurden öffentlich inszeniert, um abschreckend auf das Volk zu wirken. Quer durch die Jahrhunderte haben Terroristen aller Couleur ihre Opfer öffentlich ausgestellt, um Schrecken zu verbreiten.

Neu aber ist die Tatsache, dass der öffentliche Blick im 21. Jahrhundert von der Ausnahme zur Regel geworden ist. Theoretisch kann heutzutage jeder Bürger jederzeit zum Gegenstand einer öffentlichen Zurschaustellung werden. Nicht nur als Opfer von Terroristen. Auch als Zielscheibe eines Diebstahls von privaten Fotos, wie es kürzlich mehreren prominenten Frauen passiert ist. Oder auch nur als unfreiwilliger Protagonist eines peinlichen Videos, das bei Youtube Karriere macht.

"Das Internet ist ein global verfügbarer Pranger"

Die traurigen Fälle von Foley, Sotloff und Haines haben gezeigt, wie digitale Möglichkeiten die Wirkung einer altbekannten Schreckenstechnik potenzieren. Vor fast vierzig Jahren haben die Bilder des RAF-Entführungsopfers Hanns Martin Schleyer das kollektive Gedächtnis der alten Bundesrepublik geprägt. Heute prägen die Enthauptungsvideos des IS das Bewusstsein der ganzen Welt. Im digitalen Zeitalter können ein paar Männer ohne Mühe die globale Politik beeinflussen. Sie brauchen nicht mehr als ein Schwert und ein Smartphone. Bei allen wunderbaren Möglichkeiten, die uns das Internet bietet - es ist auch ein global verfügbarer Pranger im Dauerzustand.

In einer Welt totaler Transparenz ist Betrachten oder Nichtbetrachten keine Frage des persönlichen Geschmacks. Vielmehr handelt es sich um ein gesellschaftliches, ja politisches Problem, das auf einer höheren Ebene geklärt werden müsste. Was darf gezeigt werden und was nicht? In bestimmten Fällen müssten wir uns nicht als Einzelne, sondern als Kollektiv die Hände vors Gesicht schlagen.

Als die RAF damals versuchte, ein mit Schleyer gedrehtes Video zu veröffentlichen, verhängte die Regierung gemeinsam mit dem Presserat eine Nachrichtensperre. Was würde ein solches Vorgehen im digitalen Zeitalter bedeuten? Der Versuch einer Regulierung von medialer Bildverbreitung wäre nichts anderes als knallharte Zensur. Und die wirkt auf Demokratien wie ein tödliches Gift. Aus gutem Grund steht in Artikel 5, Absatz 1 des Grundgesetzes: "Eine Zensur findet nicht statt." Unmöglich der Gedanke, irgendeine Instanz hätte offiziell die Macht, darüber zu befinden, was im Internet erscheinen darf und was nicht. Das können wir nicht wollen - ganz abgesehen von den technischen Schwierigkeiten einer Regulierung.

Im Fall des Foley-Videos hat Twitter Konten gelöscht, über die der Clip verteilt wurde. Aber zu spät. Die Möglichkeit viraler Ausbreitung ist ja gerade ein typisches Charakteristikum der vernetzten Welt. Für terroristische Propaganda oder die Diskreditierung von Personen, beispielsweise durch das Aussenden von Nacktbildern, stellen diese Mechanismen eine Allzweckwaffe dar. Für uns alle heißt das: Die moralische Last bleibt auf den Schultern des Einzelnen. Jeder von uns wird immer wieder selbst entscheiden müssen, worauf er den Blick richtet. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass wir eine Ethik des Betrachtens entwickeln. Das Leben unter den Bedingungen allumfassender Sichtbarkeit verlangt diese Fähigkeit von uns. Wir müssen das Bewusstsein dafür schärfen, dass jeder Blick eine Handlung darstellt, mit empfindlichen Konsequenzen für andere.

Anschauen als aggressiver Akt

Außerhalb des Digitalen verfügen wir über natürliche Intuition für die Grenzen erlaubter Betrachtung. Wir sitzen uns in der U-Bahn gegenüber, ohne einander in die Gesichter zu starren. Wir spähen nicht beim Nachbarn ins erleuchtete Schlafzimmerfenster. Wir bohren keine Löcher in die Wände von öffentlichen Toiletten, und wenn wir es doch tun, gelten wir als gestört. Passiert jemandem ein peinliches Missgeschick, wenden wir höflich den Blick ab.

Ganz grundsätzlich wird gezieltes Anschauen nicht nur von Tieren, sondern auch von Menschen als aggressiver Akt empfunden. "Ey, was guckst du?" taugt im Zweifelsfall als Auftakt zu einer Schlägerei. Das Internet ist ein neuer sozialer Raum, in dem viele Regeln des menschlichen Miteinanders noch nicht greifen. In Zeiten technologischer Umwälzungen ist es nicht ungewöhnlich, dass auch das Sozialverhalten neu geordnet und erlernt werden muss. Derzeit liegt im Wettrüsten zwischen der Technik und der Moral noch die Technik meilenweit vorn. Mit anderen Worten: Wir stehen unter dem Eindruck, dass alles, was technisch möglich ist, auch gemacht werden darf oder sogar muss. Deshalb posten wir im Forum Dinge, die wir außerhalb des Netzes niemals sagen würden, und schauen durch die digitale Brille Bilder an, vor denen wir im sogenannten realen Leben die Augen verschlössen.

Aber das Internet ist nicht weniger real als die restliche Welt, und vermittelte Darstellung wirkt nicht weniger schlimm als ein direkter Blick. In gewisser Weise ist sie sogar schlimmer, weil sie ohne Kosten und Mühe millionenfach multipliziert werden kann.

Vernunft gegen Voyeurismus

Ethische Aufrüstung ist dringend geboten. Wir dürfen uns beim Flanieren durch die große Verfügbarkeit nicht wie Kleinkinder von spontanen Reizen leiten lassen. Dem Skandal, der Faszination des Grauens, der natürlichen Neigung zum Voyeurismus müssen wir einen Akt souveräner Vernunft entgegensetzen. Jedem Klick und jedem Blick sollte eine bewusste Entscheidung vorangehen: Schaue ich mir das wirklich an? Teile ich, leite ich weiter? Aus welchen Gründen? Das mag viel verlangt sein, aber es ist unausweichlich. Freiheit setzt verantwortungsvollen Umgang mit den entstandenen Möglichkeiten voraus. Denn Freiheit ohne Verantwortung ist Terror.

Während ich diese Zeilen schreibe und gelegentlich etwas im Internet recherchiere, springen mich von allen Seiten die Bilder orangefarben gekleideter Männer an, die neben ihren schwarz verhüllten Henkern knien. Ich spüre es in jeder Faser: Nein, es gibt keine Verpflichtung, sich das anzusehen. Im Gegenteil. Mag sein, dass ich ein Weichei bin. Aber indem ich mir die Hände vors Gesicht schlage, schütze ich nicht nur mich selbst. Seit mich das Internet zum Gast einer digitalen Dauerausstellung macht, ist Wegschauen in manchen Fällen eine Tugend.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(