PAKISTAN Todesurteil für Mörder von US-Reporter Pearl


Nach der Urteilsverkündung des Sondergerichts sind die pakistanischen Sicherheitskräfte in höchster Alarmbereitschaft. Es gab E-Mail-Drohungen gegen Ausländer.

Ein pakistanisches Gericht hat am Montag den Hauptangeklagten Ahmed Omar Saeed Sheikh im Prozess um die Ermordung des US-Journalisten Daniel Pearl zum Tode verurteilt. Drei weitere Angeklagte wurden zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt; alle vier sollen der Witwe Pearls zwei Millionen Rupien (32.000 Euro) zahlen. Die Verteidigung kündigte Berufung an.

Sicherheitsmaßnahmen verschärft

In Hyderabad, wo der Richter in einem hermetisch abgeriegelten Hochsicherheitsgefängnis das Strafmaß bekannt gab, in der größten Stadt Karachi sowie an allen wichtigen Einrichtungen und Orten landesweit wurden die Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt, wie das Innenministerium mitteilte. Am Samstag hatten pakistanische Zeitungen eine in Urdu verfasste E-Mail erhalten, in der weitere Angriffe auf Ausländer angedroht wurden. Sie soll von Asif Ramzi, einem von sieben noch gesuchten Verdächtigen im Pearl-Fall, verfasst worden sein.

Verurteilter widerrief Geständnis

Zum Tode verurteilt wurde Ahmed Omar Saeed Sheikh, der Verbindungen zu den gewalttätigsten Extremistenorganisationen in Pakistan haben soll. Nach seiner Festnahme sagte er in einer Gerichtsanhörung am 14. Februar, er habe bei der Entführung des US-Journalisten eine Rolle gespielt. Er widerrief diese Aussage später wieder und erklärte wie die Mitangeklagten Salma Saqib, Fahad Naseem und Sheikh Adil, nichts mit dem Fall zu tun zu haben.

Pearl tappte in Falle

Pearl, Südostasienkorrespondent des »Wall Street Journals«, war am 23. Januar bei Recherchen über Verbindungen pakistanischer Extremisten zum so genannten Schuhbomber Richard Reid entführt worden. Reid war im Dezember auf einem Flug nach Miami mit Sprengstoff in seinen Schuhen verhaftet worden. Im Mai wurde in der Nähe einer Hütte in Karachi eine Leiche gefunden, bei der es sich nach Vermutung der Polizei um die Pearls handelt. Die endgültige Bestätigung durch DNS-Tests steht noch aus. Im Prozess wurde gegen den Protest der Verteidigung eine Videoaufzeichnung gezeigt, die nach Angaben von US-Diplomaten den Tod Pearls bestätigte.

Ausländerfeindlichkeit verstärkt

Der Pearl-Prozess verstärkte ausländerfeindliche Ressentiments in muslimisch-extremistischen Kreisen Pakistans, die der Regierung wegen des Fallenlassens der afghanischen Taliban nach dem 11. September Verrat vorwerfen. Ein Bruder von Sheikh Adil, Sheikh Aslam, sagte zu der Strafmaß-Entscheidung: »Die Regierung wird die Entscheidung auf Geheiß der Vereinigten Staaten verhängen. Alle Regierungsentscheidungen werden auf Anordnung der Vereinigten Staaten verhängt.«

Verteidigung spricht von »Einfluss«

Vor dem Urteil hatte Verteidiger Rai Bashir erklärt, die Staatsanwaltschaft habe keine substanziellen Beweise für die Schuld der Angeklagten vorgelegt. Er erwarte einen Freispruch, »es sei denn, die pakistanische und die amerikanische Regierung nehmen Einfluss auf das Urteil.«


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