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"Matrix Reloaded": Effekte, Mythen, Paranoia

Neustart für Science-Fiction-Fans: Die heiß ersehnte Fortsetzung des Cyber-Abenteuers kommt in die Kinos. "Matrix Reloaded" ist technisch brillant, ziemlich abgehoben - und der Erfolg voll programmiert

Von Hannes Ross

Manchmal ist es verdammt schwer, der Weltenretter zu sein. Wenn es regnet und man mitten im Guss steht, sich aber nicht vor oder zurück bewegen darf. Wenn man ein knöchellanges Priestergewand trägt, das tonnenschwer an den Schultern zerrt, weil es sich mit Regenwasser voll gesogen hat. Doch das Schlimmste ist dieser dämliche Satz, der keinen Sinn mehr ergibt, weil man ihn schon ein paar hundert Mal hintereinander aufsagen musste.

Keanu Reeves schließt für ein paar Sekunden die Augen, öffnet sie wieder, hebt langsam den Kopf und sagt mit grabestiefer Stimme: "Weil ich der Auserwählte bin." Das klingt überzeugend, verwegen und irgendwie auch ein wenig ironisch, aber nicht für die Regisseure, zwei Männer mit umgedrehten Baseballkappen, die vor dem Regen aus der Sprinkleranlage in einem Zelt Schutz gefunden haben. "Und noch einmal, bitte!", ruft der Dicke im Schlabber-T-Shirt.

Australien, im Mai 2002. Es ist Mittagszeit auf dem Gelände der Fox-Studios in Sydney. Im Schatten der Lagerhallen rauchen ein paar finster blickende Aufseher ihre Zigaretten. Sie tragen Armeehosen mit unzähligen Taschen, in denen Funkgeräte piepen und verrauschte Stimmen Kommandos erteilen, auf die niemand reagiert. Seit ein paar Monaten besetzt die amerikanische Produktion das gesamte Studiogelände, auf dem sonst drei Filme gleichzeitig gedreht werden können. Und als ob es hier ein Staatsgeheimnis zu verteidigen gäbe, haben die Macher einen zusätzlichen Sicherheitszaun um das Gelände ziehen lassen.

Europapremiere in Cannes

"The Burly Man" steht auf den Schildern, die an den Stahltüren kleben. Es ist der Tarnname jenes Films, der in diesen Tagen wie kein anderer in den Kinos erwartet wird: "Matrix Reloaded", der zweite Teil der Science-Fiction-Trilogie. In einem 18-monatigen Mammutakt wurden hier in Australien beide Fortsetzungen produziert. Bei den Filmfestspielen in Cannes feiert gerade der mittlere Teil Europa-Premiere, deutscher Kinostart ist am 22. Mai. Und noch im November folgt dann "Matrix Revolutions", das Finale.

Vier Jahre ist es her, dass "Matrix" aus dem Nichts auftauchte - und die Kinowelt erschütterte. Ohne Marketing-Kampagne und weitgehend ignoriert von der Kritik entwickelte sich die Geschichte des Hackers Neo (Keanu Reeves), der erfährt, dass sein Leben nur eine computergenerierte Scheinwelt ist, und der sich als "Auserwählter" dem Kampf gegen die herrschenden Maschinen stellt, zum globalen Phänomen. In dieser apokalyptischen Zukunftsvision, in der Menschen als Batterien für Maschinen "gezüchtet" werden und die gespickt ist mit Zitaten aus Religion, Mystik und Philosophie, entdeckten die Zuschauer immer neue Wendungen und Geheimnisse.

Tiefsitzendes Bedürfnis nach Sinnsuche

Eingeschworene Fans schauten sich den Film nicht zwei-, sondern gleich zwölfmal an. In einer Zeit, in der sich das Internet wie ein Ölteppich ausbreitete und jeden Tag neue Verschwörungstheorien um die Welt schickte, einer Zeit, da sich in den westlichen Großstädten eine gleichgeschaltete Monokultur aus McDonald's, Starbucks und Microsoft etabliert hatte, befriedigte das paranoide Cyber-Drama ein tiefsitzendes Bedürfnis nach Sinnsuche und Antworten - selbst wenn diese nur auf einer Kinoleinwand gegeben werden.

Natürlich lag die Faszination auch an spektakulären Effekten wie der "Bullet-Time"-Technik, die den Flug einer Pistolenkugel in einer 360-Grad-Aufnahme in Zeitlupe zeigt. So was hatte man noch nicht gesehen; dagegen wirkte George Lucas' "Star Wars"-Abenteuer "The Phantom Menace", das im selben Jahr wie "Matrix" in die Kinos kam, wie am Heimcomputer zusammengeschustert. Am Ende befanden auch die Kritiker, dass "Matrix" ein Meisterwerk sei. "Cineastisches Crack" nannte die "Sunday Times" den Film: "Einmal geschaut, und man ist süchtig." Er spielte - gedreht für ein vergleichsweise geringes Budget von 66 Millionen Dollar - 460 Millionen ein.

Vorschusslorbeeren

Und jetzt also "Matrix Reloaded". Schon im Vorfeld war die Medienhysterie gewaltig. Filmmagazine wie das britische "Empire" druckten Sonderausgaben mit vier verschiedenen Cover-Motiven der "Matrix"-Helden, und das US-Nachrichtenblatt "Newsweek" lobte den Film vorauseilend als "Revolution in der Geschichte des Kinos", ohne ihn in voller Länge gesehen zu haben. Produzent Joel Silver trieb die Erwartungen auf die Spitze, indem er verkündete: "Diesmal liefern wir Computereffekte, die so aufwendig sind, dass sie überhaupt niemand mehr kopieren kann."

Der Film erfüllt - um es gleich vorwegzunehmen - nicht alle Erwartungen. Keine Frage, es gibt Spezialeffekte, für die George Lucas töten würde, und furios choreografierte Kampfszenen, die Bruce Lee wie den Entdecker der Langsamkeit aussehen lassen. Eine 14-minütige Highway-Verfolgungsjagd zwischen den Rebellen Morpheus (Laurence Fishburne), Trinity (Carrie-Anne Moss) und einigen hinterhältigen Matrix-Agenten setzt neue Maßstäbe fürs Action-Kino; übrigens wurde für die Dreharbeiten nicht eine Straße gesperrt, sondern eigens eine gebaut, zweieinhalb Kilometer auf einer alten Marine-Basis.

Zuweilen arg schwurbelig

Der Film ist ein perfekt inszenierter Hochgeschwindigkeitsrausch, der die Grenzen zwischen Kino und Computerspiel einreißt - und am liebsten auch gleich die zwischen Massenunterhaltung und Philosophieseminar aufheben würde. So kommt Großdenker Morpheus, der im ersten Teil in Neo den messianischen Retter erkannte, zuweilen arg ins Schwurbeln: "Die Konsequenzen einer Entscheidung, die wir nicht verstehen, können wir nicht absehen", tönt er, und nach jeder fulminanten Action-Einlage wird über Sein und Schein debattiert, über Wahrheit, Sinn und Transzendenz. Zen? Gähn.

In "Matrix Reloaded" geht der Kampf zwischen Mensch und Maschine in die zweite Runde, wobei die künstliche Intelligenz einen entscheidenden Vorstoß gemacht hat. 250.000 krakenartige Zerstörer bohren sich zum Erdkern vor, um dort das letzte menschliche Reservat auszulöschen: die unterirdische Stadt Zion, eine Art Tropfsteinhöhle mit Internetanschluss.

Allein gegen die Klone

Es liegt nun am einst schüchternen Computer-Nerd Neo, aus dem inzwischen ein Superheld geworden ist, den "Schlüsselmacher" aufzuspüren. Denn nur der kennt den Weg in die Schaltzentrale der Matrix, jenes Programms, das den Menschen die uns bekannte Realität vorgaukelt, während sie in Wahrheit als biologische Legebatterien zur Energieversorgung missbraucht werden. Dieser Schlüsselmacher, ein flinker und dickbebrillter Asiate, muss erst befreit werden. Über ihn wacht ein gespenstisches Zwillingspaar (Neil und Adrian Rayment) mit Dreadlocks und Kung-Fu-Künsten. Und außerdem ist da noch Agent Smith (Hugo Weaving), ein Hüter der Matrix und bekannt aus Teil eins, der was Neues gelernt hat: Er kann sich klonen, und so sieht man in einer der beeindruckendsten Szenen mehr als hundert Smiths, die gleichzeitig gegen Neo kämpfen - die Technik macht's möglich.

Liebe in Zeiten des Krieges

Wer jetzt glaubt, dieser Film sei nur etwas für spätpubertierende Jungs, die sich nach dem Kino im Schattenboxen üben, irrt gewaltig. Denn es gibt jede Menge Frauen, die um und um sich hauen. Neben der bekannten Lack-und-Leder-Streiterin Trinity treffen wir auf die lässige Raumschiff-Kommandeurin Niobe (Jada Pinkett Smith) und das Cyber-Luder Persephone (Monica Bellucci), das den braven Neo verführen will. Und, ganz klar, auch die wahre Liebe kommt nicht zu kurz: Was zwischen Neo und Trinity im ersten Teil als zarte Romanze begann, entfaltet sich nun zur großen unerschütterlichen Liebe in Zeiten des Krieges.

Rund 300 Millionen Dollar haben "Reloaded" und "Revolutions" gekostet; 100 Millionen allein die Spezialeffekte. "Wir wissen, was wir für ein Juwel in Händen halten", tönt Produzent Silver, "und werden es entsprechend würdigen." Soll heißen, dass aus der Marke "Matrix" nun ein gewinnbringendes Multimedia-Kaufhaus wird: Neben dem Film gibt es das Computerspiel "Enter The Matrix", das als das teuerste Spiel aller Zeiten beworben wird, dazu kommt eine "Animatrix-DVD" mit neun computer-animierten Kurzfilmen, welche die Vorgeschichte der "Matrix" illustrieren. Eine derartig enge Vernetzung von Computerspiel-Industrie und Filmbranche ist einmalig: Mehr als 150 Millionen Dollar, so hofft Joel Silver, soll die Verwertungskette den Warner Brother Studios einbringen.

Unternehmungen dieser Größenordnung werden in Hollywood in der Regel Profis wie Steven Spielberg oder James Cameron anvertraut. Doch hier setzten die Studiobosse auf zwei Brüder aus einem Vorort von Chicago, die ihr Geld zuvor als Dachdecker und Comic-Zeichner verdient hatten: Larry, 37, und Andy Wachowski, 35, die das Drehbuch der "Matrix"-Serie schrieben und Regie führten.

Mysteriöse Schweiger

Die beiden Männer, von denen es heißt, sie würden bei Tag und Nacht Sonnenbrillen tragen, gelten als mysteriöse Schweiger, die so gut wie nie Interviews geben. "Sie wollen ihre Filme nicht erklären, sie wollen, dass der Zuschauer sich selbst darin seine Botschaft sucht", sagt Laurence Fishburne. Und Keanu Reeves, der den Wachowskis eine 30-Millionen-Dollar-Gage zu verdanken hat, schwärmt: "Larry und Andy sind Genies. Ich hätte auch für sie gearbeitet, ohne vorher das Drehbuch zu lesen."

Nur ein einziges Mal wagten sich die Wachowskis bisher auf eine Pressekonferenz, die dann aber nach nicht ganz einer Minute vorbei war. Reporter: "Ihre Ideen werden die Art und Weise verändern, wie die Menschen in Zukunft Filme schauen." Larry Wachowski: "Ach, wirklich?" Reporter: "Sind Sie schon bereit dafür, Legenden zu werden?" Andy Wachowski: "Legenden? Was für Legenden?" Eine dritte Frage gab es nicht. Die Wachowski verließen den Raum.

Es war im Herbst 1992,

als die Brüder begannen, erste Ideen für "Matrix" mit Filzstift auf DIN-A4-Blöcke zu kritzeln. "Wir wollten ein Comic-Buch entwerfen", erinnert sich Andy, "doch bald wurde uns klar, dass wir alles Mögliche hineinsteckten." So entstand eine Geschichte aus japanischen Manga-Comics und den Wirklichkeits-Theorien des französischen Philosophen Jean Baudrillard, aus Kung-Fu-Kämpfen und christlicher Erlösungsmythologie, aus bahnbrechenden Effekten und Technologie-Paranoia. "Sie nehmen Bruce Lee ebenso ernst wie das Höhlengleichnis von Plato", sagt Carrie-Anne Moss, die für ihre Rolle wie die Kollegen Reeves und Fishburne ein viermonatiges Kung-Fu-Training absolvieren musste.

Doch wie es so ist im Hollywood der Kaufleute und Anwälte - verschrobene Künstler werden dort erst geduldet, wenn sie auch ein paar Millionen Dollar eingespielt haben. Also lieferten die Wachowskis als Regiedebüt den Lesben-Thriller "Bound" ab, der in kürzester Zeit zum Publikumserfolg wurde. "Danach", so Larry, "stellte niemand mehr Fragen."

Eine Verkettung von Unglücken

Die Dreharbeiten in Australien gerieten allerdings schnell zum Albtraum: Erst brach sich Fishburne ein paar Rippen, dann Carrie-Anne Moss das Bein. Dann starb Gloria Foster, 64, die als freundliches "Orakel" hilft im Kampf gegen die Computer, und kurz darauf verunglückte die Popsängerin Aaliyah, 22, die bereits für ein paar Aufnahmen als Rebellin vor der Kamera gestanden hatte, tödlich. Doch die Baseballkappen-Philosophen ließen sich nicht bremsen. "Sie sind wirklich besessen", sagt Produzent Silver, "jede Kameraeinstellung haben diese Burschen im Kopf, dabei waren sie bis vor ein paar Jahren noch nie auf einem Filmset."

Getrieben wurden die Regisseure auch vom Ehrgeiz, diesmal einen Film zu machen, den niemand mehr so schnell kopieren könnte. Denn auch vier Jahre nach dem ersten Teil ist die stilprägende Wirkung in der Werbung, in Musikvideos, der Mode und einem halben Dutzend anderer Hollywood-Filme spürbar. So wirbt der Autohersteller Audi gerade mit einer Anzeige, die sich hemmungslos der "Matrix"-Ästhetik bedient. Modedesigner schicken ihre Models mit schwarzen Ledermänteln und randlosen Sonnenbrillen, wie Laurence Fishburne sie trägt, auf den Laufsteg. Und Action-Filme wie "Charlies Engel" kopieren dreist komplette Kampf-Choreografien.

Trotz des Ruhms bescheiden geblieben

Natürlich wissen die Wachowskis, dass sie niemanden daran hindern können, sich aus ihrem "Matrix"-Universum zu bedienen wie aus einer Grabbelkiste. Doch vielleicht stört sie das auch gar nicht so sehr, weil sie wissen, dass Erfolg und Ruhm in Hollywood schnell zur Falle werden. Trotz ein paar Millionen Dollar auf dem Konto wohnen die beiden mit ihren Ehefrauen in Zwei-Zimmer-Apartments in Los Angeles und fahren in Gebrauchtwagen durch die Gegend.

Was die Brüder im November nach der Premiere der letzten "Matrix"-Folge machen werden, weiß niemand so genau. Nicht einmal Joel Silver, der sonst auf alles eine Antwort hat. "Sie könnten in Hollywood alles bekommen, aber sie sind Freaks, vielleicht gehen sie zurück nach Chicago, um wieder Comics zu zeichnen."

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(