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Kino-Tipp

"Aus dem Nichts": Im NSU-Film von Fatih Akin: Diane Kruger schreit den Schmerz hinaus

Es ist ihre erste deutsche Rolle und sie brachte ihr prompt den Preis als beste Darstellerin in Cannes: Diane Kruger spielt in "Aus dem Nichts" eine Frau und Mutter, der alles genommen wird. Regisseur Fatih Akin behandelt in dem Thriller ein hochaktuelles Thema.

Alles fing an mit einer Strandparty am Rande der Filmfestspiele von Cannes. legte als DJ Hardrock und Punk auf, dazu headbangte auf der Tanzfläche plötzlich Hollywoodstar Diane Kruger. Die beiden Deutschen kamen ins Gespräch, Kruger schlug vor, mal zusammen zu arbeiten. Das war 2012. Heute ist aus dem Party-Gespräch in Frankreich eine Win-Win-Situation für beide entstanden.

Am Donnerstag startet der gemeinsame Film "Aus dem Nichts" im Kino, und schon jetzt scheint sich die Zusammenarbeit gelohnt zu haben. Regisseur Akin bekommt durch Weltstar international noch mehr Aufmerksamkeit, sie erspielte sich mit der starken Hauptrolle den Preis als beste Darstellerin in Cannes. Jetzt hoffen beide, dass "Aus dem Nichts" eine Nominierung für den Auslands-Oscar schafft. "Sie ist meine beste Freundin geworden", schwärmte Akin auf der Premiere in seiner Heimatstadt Hamburg über Kruger. Sie hole das Beste aus ihm heraus - "wie verstopfte Popel". Kruger dazu: "Ey, du bist der Shit!"

"Aus dem Nichts" ist an die NSU-Morde angelehnt

"Aus dem Nichts" ist vor allem wegen Kruger ein starker Film. Sie ist Dreh- und Angelpunkt von Akins Werk, das zwischen Thriller und Gerichts-Drama wechselt. Kruger spielt die Hamburgerin Katja Sekerci, die durch einen Bombenanschlag Mann und Sohn verliert. Weil ihr Partner Kurde und vorbestraft war, ermittelt die Polizei in Richtung ihrer Familie - doch dann wird klar: Es war die Tat von Neo-Nazis. Der Film nimmt deutlichen Bezug zu den NSU-Morden, eine Texttafel erinnert zum Schluss an die grausamen rassistischen Taten. Trotzdem konzentriert sich Akin nicht auf das Politische, sondern stellt das persönliche Schicksal seiner Hauptfigur in den Vordergrund. Und die sinnt auf Rache.

Kruger gelingt es, die Trauer, die Wut und die Verzweiflung der hinterbliebenen Mutter und Ehefrau für den Zuschauer real zu machen. Mal schreit sie ihren Schmerz hinaus, mal erträgt sie ihn stumpf mit Drogen, mal ignoriert sie ihn stoisch. Akin zeigt sie immer wieder in Nahaufnahme, den Blick leer, die Haut fahl, die Haare wirr. Es ist ihr zu verdanken, dass der Film, der in drei Teile gegliedert ist, zur Mitte hin nicht noch mehr an Fahrt verliert. Denn "Aus dem Nichts" hat seine Längen. Vor allem wie das zähe Verhandeln im Gerichtssaal ausgehen wird, ist längst klar. In diesen Szenen sind es Krugers fast greifbare Emotionen, die den Zuschauer trotzdem dranbleiben lassen.

Es folgt ein kontroverses Ende, das sicherlich für Gesprächsstoff sorgen wird. Für Diane Kruger war es der erste deutsche Film. Auf Instagram schreibt die 41-Jährige, dass Hamburg jetzt ihre neue Hood sei - vermutlich nicht ganz ernst gemeint. Doch Familie hat sie jetzt auch dort: "Sie ist wie eine Schwester", sagte Fatih Akin am Premierenabend.

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