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Dieter Kosslick: "Wir möchten auch unterhaltsame Filme zeigen"

Vor dem Start der Filmfestspiele hat Berlinale-Chef Dieter Kosslick das Kommen vieler Stars angekündigt. Im Interview zeigt er sich zufrieden mit dem Programm.

Die Berlinale verspricht auch in diesem Jahr zu einer Starparade zu werden. So werden zu den 55. Internationalen Filmfestspielen in Berlin unter anderem Will Smith, Joseph Fiennes, Kristin Scott Thomas, Hugh Bonneville und Iain Glenn erwartet. Mit Berlinale-Direktor Dieter Kosslick sprach AP-Korrespondent Holger Mehlig.

AP: Gibt es in diesem Jahr einen Schwerpunkt?

Kosslick: Grundsätzlich ist die Filmauswahl nicht thematisch angelegt. Aber in jedem Jahr stellt man fest, dass es doch bestimmte inhaltliche oder geographische Schwerpunkte gibt. 2005 zeigt sich, dass der afrikanische Kontinent auf der Filmlandkarte stark vertreten ist. Auch Europa und Asien sind in diesem Jahr im Wettbewerb präsenter denn je. Korea, dessen Filmschaffen wir in verschiedenen Bereichen des Festivals vorstellen möchten, gilt unser Interesse. 2005 wird das 125-jährige Jubiläum der deutsch-koreanischen Freundschaft gefeiert. Ein anderes Thema, das sich nicht nur durchs Wettbewerbsprogramm, sondern auch durch die anderen Sektionen zieht, ist die Sexualität.

AP: Gibt es viele Filme aus Afrika im Wettbewerb zu sehen?

Kosslick: Insgesamt werden vier Filme aus Afrika zu sehen sein. Wir haben mit "U-Carmen eKhayelitsha" einen südafrikanischen Film im Wettbewerb, der die Carmen-Oper in einem heutigen Township ansiedelt. Auch beim Eröffnungsfilm "Man to Man", der im Afrika des 19. Jahrhunderts spielt, ist Südafrika als koproduzierendes Land beteiligt. Der grausame Genozid in Ruanda ist Thema von "Hotel Rwanda", der die wahre Geschichte eines Managers erzählt, der in seinem Hotel 1.200 Tutsi Schutz vor den blutigen Übergriffen der Hutu-Milizen gewährte. Vielen von uns waren die Hintergründe dieses Völkermordes nie klar geworden, obwohl das erst zehn Jahre her ist. Nach dem Film werden wir besser Bescheid wissen.

AP: Und in welchen Filmen geht es um Sex?

Kosslick: Im Abschlussfilm "Kinsey" beispielsweise geht es um das Leben des Sexualforschers Kinsey. Gezeigt wird die repressive Sexualmoral in den 50er Jahren in den USA. Kinsey ist überzeugt, dass es unterschiedliche Sexualverhalten geben muss. Der Wettbewerbsfilm "Asylum" schildert eine erotische Obsession. In der Sektion Panorama zeigen wir einen Dokumentarfilm über "Deep Throat", den erfolgreichsten Pornofilm, der jemals gedreht wurde.

Gibt es auch "leichtere Kost"?

Kosslick: Natürlich, zum Beispiel Wes Andersons "Tiefseetaucher", ein witziges Unterwasserabenteuer mit Bill Murray und Anjelica Huston. Eine klassische amerikanische Komödie ist gegen Ende des Festivals "Hitch" mit Will Smith, der auch zur Berlinale kommen wird. Wir möchten im Wettbewerbsprogramm selbstverständlich auch unterhaltsame Filme zeigen, aber entscheidend ist, dass sie auch die entsprechende künstlerische Qualität haben.

AP: Wie viele deutsche Filme sind dieses Mal dabei?

Kosslick: Im Wettbewerb sind drei deutsche Filme und damit einer mehr als im letzten Jahr. Hannes Stöhr, der vor zwei Jahren den Publikumspreis im Panorama für "Berlin is in Germany" bekam, ist nun mit "One day in Europe" im Wettbewerb dabei. In seiner Komödie geht es um Europa, über Leute, die in vier Städte reisen und sich mit den verschiedenen Mentalitäten auseinander setzen müssen. Christian Petzolds neuer Film "Gespenster" spielt in Berlin. "Sophie Scholl - Die letzten Tage" von Marc Rothemund porträtiert die Widerstandskämpferin der Weißen Rose. Insgesamt werden in den verschiedenen Reihen der Berlinale wieder über 50 deutsche Filme gezeigt.

AP: Welche Stars erwarten Sie?

Kosslick: Die internationalen Stars kommen gerne nach Berlin und zur Berlinale. Zum Eröffnungsfilm erwarten wir Joseph Fiennes, Kristin Scott Thomas, Hugh Bonneville und Iain Glenn. Ich habe keinen Zweifel daran, dass der rote Teppich wieder voller Stars sein wird.

AP: Hilft die Berlinale den von der Flutkatastrophe betroffenen Ländern in Asien?

Kosslick: Selbstverständlich möchten wir, dass das Festival sich engagiert. Wir prüfen im Moment, mit welcher Aktion wir das umsetzen können, ob wir zum Beispiel irgendwo eine Patenschaft übernehmen können. Die Berlinale möchte sich nicht nur durch Filme mit der sozialen Realität auseinander setzen.