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US-Wahl 2016: Juncker: "Zwei verlorene Jahre bis Trump durch die Welt gereist ist, die er nicht kennt"

Berlusconi sieht Parallelen zwischen sich und Trump +++ Schüsse bei Anti-Trump-Demo in Portland +++ Juncker rechnet nach Trumps Amtsantritt mit "zwei verlorenen Jahren" +++ Alle News rund um die US-Wahl.

Jean-Claude Juncker

Auch Jean-Claude Juncker scheint über den Ausgang der US-Wahl nicht sonderlich erfreut zu sein

Die News des Tages rund um den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl zum Nachlesen:

+++ 20.53 Uhr: Großer Protestmarsch in New York zum Trump Tower +++

Bei einer der größten Demonstrationen seit der Wahl Trumps zum nächsten US-Präsidenten haben nach Schätzung des Nachrichtensenders CNN Tausende Menschen in New York gegen den umstrittenen Populisten protestiert. Ein Sprecher der Polizei sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass der Protestmarsch zu Trumps Wohn- und Geschäftshaus, dem Trump Tower an der Fifth Avenue in Manhattan, am Samstag gegen 13 Uhr Ortszeit (1900 MEZ) am Union Square begann. "Bisher gibt es keine Festnahmen", sagte der Sprecher, der namentlich nicht genannt werden wollte. Zur Zahl der Demonstranten äußerte er sich nicht. Nach seinen Informationen war zunächst nur eine Straße, die 56th Street, am Trump Tower gesperrt.

+++ 18.30 Uhr: Juncker rechnet nach Trumps Amtsantritt mit "zwei verlorenen Jahren" +++

Belgien sei eine "wunderschöne Stadt", hat Donald Trump während eines Wahlkampf-Auftrittes einmal gesagt. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker rechnet nun angesichts der außenpolitischen Unerfahrenheit des künftigen US-Präsidenten Donald Trump mit "zwei verlorenen Jahren" nach dessen Amtsantritt. "Ich denke, wir werden zwei verlorene Jahre haben, bis Herr Trump durch die Welt gereist ist, die er nicht kennt", sagte er am Freitag bei einer Diskussionsveranstaltung mit jungen Leuten in Luxemburg. Auf die Frage, ob Trumps Wahl die Beziehungen zwischen den USA und Europa beeinflussen werde, sagte Juncker, die US-Bürger interessierten sich generell nicht für Europa. "Das betrifft die politische Klasse ebenso wie das einfache Amerika, sie kennen Europa nicht", fügte der Kommissionschef hinzu.

+++ 15.18 Uhr: Clinton spricht von "sehr, sehr harten Tagen" +++

Die unterlegene Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat eingeräumt, dass die vergangenen Tage "sehr, sehr hart"
waren". In einer Telefonkonferenz mit Wahlkampfhelfern rief die Demokratin zugleich dazu auf, "wieder rauszugehen" und weiter "für die Anliegen zu kämpfen, die wir unterstützen". Clintons Kontrahent im Vorwahlrennen, Bernie Sanders, erklärte, er sei traurig, aber nicht überrascht vom Wahlausgang. "Es schockiert mich nicht, dass Millionen Menschen, die für Herrn Trump gestimmt haben, das taten, weil sie den wirtschaftlichen, politischen und den Status quo bei den Medien leid waren", schrieb Sanders in einem Gastbeitrag für die "New York Times".

Der Senator aus Vermont, der nach seiner Vorwahlniederlage Clinton unterstützt hatte, kündigte eine Reihe von Reformvorschlägen zur Neubelebung der Demokratischen Partei an. "Sie muss sich von ihren Verbindungen mit dem Unternehmensestablishment lösen und wieder eine Graswurzel-Partei der arbeitenden Bevölkerung, der Älteren und Armen werden."

+++ 15.12 Uhr: Anti-Trump-Demo in Berlin +++

Rund 120 Menschen haben in Berlin nach Polizeiangaben gegen Donald Trump protestiert. Auf Pappschildern hieß es unter anderem "No More Walls" (Keine Mauern mehr) und "Berlin against Trump" (Berlin gegen Trump). Eine weitere Protestaktion gegen Trump war für den Nachmittag vor dem Brandenburger Tor neben der US-Botschaft angekündigt. Nach dem Wahlerfolg Trumps hatte die Initiative "Trump Protest Berlin" über das Internet zu einer Kundgebung aufgerufen. Auf Facebook sagten über 3000 Menschen zu. Offiziell seien bislang 400 Teilnehmer angemeldet, sagte ein Sprecher der Polizei.

+++ 14.26 Uhr: SPD-Chef Gabriel sieht Trump als "Warnung und Weckruf" +++

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sieht durch den Wahlsieg von Donald Trump das westliche Wertesystem infrage gestellt. "Trumps Wahlkampf ist Warnung und Weckruf zugleich", schreibt der Vizekanzler in einem Gastbeitrag für den "Spiegel". "Der eigentliche "Clash of Civilizations" (Kampf der Kulturen) ist nicht Christentum gegen Islam, sondern die Selbstbehauptung der liberalen und sozialen Demokratien gegen die Neuvermessung unserer Gesellschaften durch autoritäre, nationalistische und chauvinistische Bewegungen."

Das Schüren von Ressentiments gegen Ausländer sei für diese Autoritären nur ein Lockmittel, schreibt Gabriel. "In Wahrheit geht es ihnen um die Abschaffung der Moderne. Dass Frauen arbeiten gehen, ohne sich dafür entschuldigen zu müssen; dass Chefs ihre Unternehmen nicht mehr nach Gutsherrenart führen; dass schwule Paare ohne Angst vor Repression durch unsere Straßen gehen - all das soll nicht mehr selbstverständlich sein." Trump werde im Amt zwar seine Sprache zivilisieren. "Aber seine Anhänger werden von ihm die Einlösung seines Versprechens einfordern: Amerika zurück in die Zeit vor John F. Kennedy zu führen."

+++ 13.51 Uhr: Berlusconi sieht Parallelen zwischen sich und Trump +++

Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi sieht "einige offensichtliche Ähnlichkeiten" zwischen sich und Donald Trump, der - ebenfalls ohne politische Erfahrung - zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Allerdings unterscheide sich seine "Geschichte als Unternehmer" stark von derjenigen Trumps, sagte der 80-Jährige der Zeitung "Corriere della Sera".

Trump sei von denjenigen gewählt worden, die der "alten Politik" und ihrer "Unfähigkeit zu hören und zu verstehen" überdrüssig gewesen seien. Diese alte Politik habe den "für alle Linken weltweit typischen Fehler" begangen zu glauben, "politisch korrekt" bedeute, nahe bei den Leuten zu sein. Dabei seien die "wirklich Schwachen" die "vom Staat, von den Steuern, der Bürokratie, der unkontrollierten Einwanderung, der Arbeitslosigkeit, der Terrorgefahr Niedergedrückten". Das gelte für die USA ebenso wie für Italien und Europa.

Berlusconi sagte, Trump sei der gewählte Präsident, "jetzt sollten wir ihn arbeiten lassen". Der Medienmilliardär fügte hinzu: "Präsidenten werden nach dem beurteilt, was sie tun."

+++ 12.30 Uhr: Schüsse bei Anti-Trump-Demo in Portland +++

Bei den erneuten Protesten gegen Donald Trump in Portland ist ein Mann angeschossen und schwer verletzt worden. Der Mann sei mit einem Autofahrer auf einer Brücke in Streit geraten, wie die Polizei mitteilt. Dann sei der Autofahrer ausgestiegen und habe mehrfach auf sein Opfer gefeuert. Der Täter floh in seinem Wagen, der Angeschossene kam mit nicht lebensbedrohlichen Verletzungen in ein Krankenhaus. Die Polizei forderte die Öffentlichkeit auf, den Tatort sofort zu verlassen. Zuvor waren Beamte bei den Protesten mit teils brennenden Gegenständen beworfen worden. 

+++ 11.41 Uhr: Deutsche Austauschschüler stellen USA in Frage +++

Die Wahl von Donald Trump verunsichert deutsche Jugendliche, die einen Auslandsaufenthalt in den USA planen. Bei der Organisation Youth For Understanding etwa hätten sich bereits wenige Stunden nach Bekanntgabe des Wahlsiegs Jugendliche und Eltern gemeldet, die wissen wollten, wie sich dies auf ihren Austausch auswirke, sagte eine Vertreterin dem "Spiegel". Manche erwägen demnach, ein anderes Gastland zu wählen. Auch den American Field Service (AFS) erreichten Bitten von Schülern und Eltern, das Reiseziel ändern zu dürfen. Dabei sei es in diesen Zeiten besonders wichtig, den Austausch zu befördern, sagte AFS-Marketingleiter Kai Böttner: "Das hilft zu verstehen, wie solche Wahlentscheidungen zustandekommen."

Die USA sind seit Jahren das beliebteste Zielland deutscher Austauschschüler. Im Schuljahr 2015/2016 verbrachten laut dem Bericht rund 6250 Jugendliche mindestens drei Monate in US-Gastfamilien und gingen dort zur Schule.

+++ 8.01 Uhr: Mutmaßliches Trump-Opfer will vorerst nicht klagen +++

Eine der Frauen, die Donald Trump sexuelle Belästigung vorwerfen, will vorerst auf eine Klage verzichten, aber weiter "die Wahrheit" ans Licht bringen und sich nicht einschüchtern lassen. "Auch wenn es schwer und schmerzhaft ist, gegen den mächtigsten Mann der Welt anzugehen, so werde ich weiterhin die Wahrheit sagen und mich nicht zum Schweigen bringen lassen", erklärte Summer Zervos, eine frühere Teilnehmerin an Trumps TV-Show "The Apprentice", auf einer Pressekonferenz in Los Angeles. Wenn Trump aber selbst seine Drohung wahr mache, sie und andere Frauen zu verklagen, werde sie ebenfalls juristisch gegen ihn vorgehen.

Zervos hatte Trump vor seiner Wahl vorgeworfen, sie 2007 bei einem Treffen in einem Hotel in Beverly Hills sexuell bedrängt zu haben. Bei dem Gespräch, bei dem es eigentlich um einen Job für sie gehen sollte, habe Trump sich gegen ihren Willen an sie gedrückt und ihre Brust angefasst. Trump hatte die Vorwürfe und ähnliche Schilderungen anderer Frauen als "Lügen" zurückgewiesen.

+++ 7.22 Uhr: Berlinale-Direktor: "Das Weiße Haus wird zum Broadway" +++

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hält die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten für "makaberes Entertainment." Offensichtlich könne man mithilfe des Showgeschäfts immer wieder Präsident werden, sagte Kosslick der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist ja nicht das erste Mal", so der 68-Jährige unter Anspielung auf den früheren Schauspieler und US-Präsidenten Ronald Reagan. "Für die Filmindustrie sehe ich zunächst am wenigsten Änderungen auf uns zukommen, wenn der Präsident Donald Trump heißt", so Kosslick. "Aber ansonsten ist es schon so: Das Weiße Haus wird zum Broadway"

+++ 7.06 Uhr: CDU fordert Zusammenrücken Europas +++

CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten für Zusammenrücken Europas angemahnt. "Wir müssen uns neu um das deutsch-amerikanische Verhältnis und zugleich um die Stärkung Europas bemühen", forderte Tauber in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es sei "ein Fehler der Europäer", sich darauf zu verlassen, dass die Amerikaner im Zweifel immer bereitstünden. Die Europäer müssten selber mehr Verantwortung übernehmen und "mehr tun in der gemeinsamen Verteidigungs-, Außen- und Sicherheitspolitik". Tauber zeigte sich überzeugt, dass es im deutsch-amerikanischen Verhältnis auch nach Trumps Wahl "sehr viel Kontinuität" geben werde. Die Republikaner insgesamt seien traditionell transatlantisch, so Tauber: "Die Partei streitet für dieselben Werte wie wir - für Freiheit und für Demokratie."

+++ 3.20 Uhr: Japaner reißen sich um Trump-Gummimaske +++

Eine Gummimaske in Gestalt von Donald Trump findet in Japan reißenden Absatz. Die kleine Herstellerfirma Ogawa Studios Inc. kann sich vor Aufträgen kaum retten. Seit dessen Wahl zum neuen Präsidenten seien bis Freitag rund 3000 Bestellungen eingegangen, teilte das Unternehmen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo mit. Man arbeite bis zum Anschlag. Ob Trumps Maske, die ihn mit weit aufgerissenem Mund zeigt, auch weiterhin ein Renner bleibe oder zum Ladenhüter werde, hänge davon ab, wie sich dessen Reputation entwickele, hieß es. Die Gummimaske kostet umgerechnet rund 22 Euro.

+++ 1:37 Uhr: Mehr als tausend Teilnehmer bei Anti-Trump-Protest in New York +++

In New York, Miami und anderen US-Städten sind erneut Gegner des designierten Präsidenten Donald Trump auf die Straße gegangen. Rund 1200 Menschen versammelten sich in Manhattan, um gegen den Populisten zu demonstrieren. Einige Teilnehmer trugen große rote Ballons mit Herzen und der Aufschrift "Peace and Love" (Frieden und Liebe). Andere Demonstranten trugen Plakate, auf denen stand: "Deine Mauer kann uns nicht im Weg stehen" - eine Anspielung auf Trumps Wahlkampfversprechen, zur Eindämmung der illegalen Einwanderung eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten. Teilnehmer sagten, sie wollten ihre Solidarität mit den Bevölkerungsgruppen bekunden, gegen die sich Trumps Politik richte, etwa Mexikaner und Muslime. Die Organisatoren planen für Samstag eine große Demonstration am selben Ort, dem Washington Square.

Seit Trumps überraschendem Wahlsieg am Dienstag hat es in zahlreichen US-Städten Demonstrationen unter dem Motto "Nicht mein Präsident" gegeben.

+++ 0.31 Uhr: Juncker rechnet nach Trumps Amtsantritt mit "zwei verlorenen Jahren" +++

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker rechnet angesichts der außenpolitischen Unerfahrenheit des künftigen US-Präsidenten Donald Trump mit einem zähen Amtsbeginn. "Ich denke, wir werden zwei verlorene Jahre haben, bis Herr Trump durch die Welt gereist ist, die er nicht kennt", sagte Juncker bei einer Diskussionsveranstaltung mit jungen Leuten in Luxemburg.

Auf die Frage, ob Trumps Wahl die Beziehungen zwischen den USA und Europa beeinflussen werde, sagte Juncker, die US-Bürger interessierten sich generell nicht für Europa. "Das betrifft die politische Klasse ebenso wie das einfache Amerika, sie kennen Europa nicht." Juncker erinnerte in dem Zusammenhang an die Aussage Trumps während eines Wahlkampfauftritts, Belgien sei eine "wunderschöne Stadt". "Wir müssen dem designierten Präsidenten beibringen, worauf Europa beruht und nach welchen Prinzipien Europa funktioniert", sagte Juncker. Trump stelle Fragen mit "gefährlichen Konsequenzen, weil er die Nato in Frage stellt und damit das Modell, auf dem die Verteidigung in Europa basiert".

+++ 0.01 Uhr: Trump will Teile von "Obamacare" erhalten +++

Donald Trump will anscheinend zumindest Teile der von US-Präsident Barack Obama durchgesetzten Gesundheitsreform aufrechterhalten, die unter dem Namen "Obamacare" bekanntgeworden ist. Die Regelung, dass Versicherer Patienten nicht wegen Vorerkrankungen ablehnen können, halte er für richtig, sagte Trump dem "Wall Street Journal" in seinem ersten Interview seit der Präsidentschaftswahl. Die Zeitung stellte Teile des Interviews online.

Außerdem will Trump die Regelung aufrechterhalten, dass Kinder für bestimmte Zeit bei ihren Eltern mitversichert bleiben können. "Diese beiden gefallen mir sehr gut", sagte Trump mit Blick auf die erwähnten Regelungen. Aus Respekt für Obama wolle er darüber nachdenken, die Reform nicht vollends rückgängig zu machen. Der Meinungsumschwung des Republikaners kam nach Einschätzung der Zeitung wohl durch den Einfluss Obamas bei einem Gespräch mit Trump am Donnerstag zustande.


mad / DPA / AFP