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DVD-Filme: Heimkino unterm Weihnachtsbaum

Spannende Filme, interessante Dokumentationen, süchtig-machende Serien: die DVD-Tipps der stern-Redaktion.

Von Bernd Teichmann und Matthias Schmidt

Unternehmen Petticoat/Ein Single kommt selten allein

Büstenhalter im Torpedorohr, ein Schwein, das Matrose Hornsby heißt und das rosarote U-Boot: Drei Bilder aus Blake Edwards dauerfrischer 1959er Hochsee-Klamotte "Unternehmen Petticoat" (Kinowelt), die sich unauslöschlich ins Gehirn eingebrannt haben. Ein ganz großer Spaß und eine der besten Cary Grant-Komödien.

Wie man als frisch Verlassener über die Runden kommt, demonstriert Steve Martin in seinem Frühwerk "Ein Single kommt selten allein" (1983, Universal). Wir lernen: Mit Farnen sprechen tröstet kaum und Schweißspray aus der Dose ist ein probates Mittel, um eine Frau kennen zu lernen.

Familienfest und andere Schwierigkeiten/The Mighty/Station Agent

Sie huschen immer nur ganz kurz durchs Kino: diese leisen, wunderbar herzerwärmenden Filme, die im Kleinen die ganz großen Geschichten erzählen.

"The Mighty": Kinderbuch-Verfilmung von Peter Chelsom ("Darf ich bitten?") über die Freundschaft zweier Außenseiter-Kids - der eine dick, tumb und sanft, der andere klein, verkrüppelt und überbegabt. Sharon Stone und Gena Rowlands glänzen in Nebenrollen (Alive).

"Familienfest und andere Schwierigkeiten": Der richtige Beitrag für alle, die zu Weihnachten zwangsweise in Sippenhaft geraten. Jodie Fosters zweite Regiearbeit mit Holly Hunter und Robert Downey Jr. spielt zwar an Thanksgiving, aber Déjà-vu-Erlebnisse sind trotzdem garantiert (Concorde).

"Station Agent": Rührendes Kleinod um einen Zwergwüchsigen, der ein Bahnwärterhäuschen in New Jersey erbt und die Bekanntschaft mit allerlei schrulligen Gestalten macht (Paramount).

Kurosawa-Filme/Dollar-Holzbox

Ein schönes Vorher/nachher: Erst Akira Kurosawas "Yojimbo - Der Leibwächter" schauen und anschließend Sergio Leones Remake "Für eine Handvoll Dollar", das von Europa aus den Western umkrempelte und Clint Eastwood zum Star machte. Sehenswert sind natürlich auch die acht anderen Klassiker des japanischen Meisters (KSM/Caroland). Und "Für ein paar Dollar mehr" ist zusammen mit Teil 1 in einer schmucken Luxus-Holzbox erhältlich (Paramount).

End of the Century

Onetwothreefour! Noch heute zucken einem Kopf und Beine, wenn sie zu einem ihrer rasanten Zweiminüter ansetzen. Wie The Ramones von New York aus den Punk erfanden und zu einer der einflussreichsten Band der Popgeschichte wurden, zeichnet die exzellente Dokumentation "End of the Century" (Warner/Rhino) nach.

Bob Roberts

So glaubwürdig wie ein Wahlversprechen von George W. Bush: Tim Robbins als erzkonservativer Folksänger auf Stimmenfang. Seine pseudo-dokumentarisch angelegte Polit-Satire (Universal) ist zwar schon 13 jahre alt, aber seit damals hat sich ja nicht viel geändert...

1900

Damals verkannt, mittlerweile zu einem der größten Meisterwerke des europäischen Kinos geadelt: "1900", (MGM) Bernardo Bertoluccis wagnereskes, fünfstündiges Historien-Epos über zwei Freunde, der eine aus reichem Hause, der andere ein Bauern-Spross (Gérard Depardieu und Robert De Niro), deren Freundschaft in Italiens politischen Wirren zerbricht.

Deadwood/Die Zwei

Im Western nichts Neues? Oh, doch! Es wird derart ausgiebig geflucht, geprügelt, intrigiert und gevögelt, dass John Wayne rote Ohren bekäme. Wo? In "Deadwood", der grantigen TV-Serie (1. Staffel, Paramount) über den schnöden Alltag im gleichnamigen, verkommenen Goldgräber-Kaff.

Nichts Neues, aber immer wieder hübsch: Tony Curtis als vorlauter Selfmade-Millionär und Roger Moore als gespreizter Lord auf Ganovenjagd in "Die Zwei" (Koch Media), jener englischen 70er-Serie, die ihren Charme vor allem durch Rainer Brandts pfiffge Eindeutschung ihren Charme entfaltete: "Ich höre Hufschlag, der König kömmt".

Dolle Dokus

Heute schon über die Globalisierung geschimpft? Für noch mehr Streitkraft empfehlen wir drei ganz verschiedene, aber gleich brillante Dokumentarfilme. "Mondovino" (EuroVideo) taucht tief in die Welt des Weines ein, die unter einem US-Geschmacksdiktat leidet.
"Darwins Alptraum" (Sunfilm) schildert drastisch, warum man nie mehr Viktoriabarsch essen sollte.
Und "The Corporation" (Zweitausendeins) seziert klug die Machenschaften von großen Konzernen. Auf in den Kampf!

Fremde Welten

Die weite Ferne, auf DVD so nah. "Nobody Knows" (Sunfilm) erzählt einfühlsam, wie vier japanische Kinder in einer kleiner Wohnung auch ohne Eltern überleben.

Dass Heiraten im israelisch besetzen Ramallah seine Tücken hat, erfährt man charmant in "Rana's Wedding" (Absolut Medien).

Der fast dreistündige "Atanarjuat - Die Legende vom schnellen Läufer" (Sunfilm, ab 7. 12.) entführt uns in die eisigen Weiten der kanadischen Arktis. Und plötzlich lässt einen die vertraute Massenware aus Hollywood ziemlich kalt.

Schön erwachsen

Wer immer noch glaubt, für Kinderfilme kann man sich nur bis zur Pubertät begeistern, sollte sich als Gegenbeweis zwei Klassiker aus den 80ern anschauen: "Flussfahrt mit Huhn" (EuroVideo, ab 6) und "Nausicaä aus dem Tal der Winde" (Universum, ab 12). Der eine schickt echte Steppkes auf eine abenteuerliche Reise die Weser hinunter. Der andere eine gezeichnete Prinzessin in den Kampf gegen Naturzerstörer. Geniales Kino fängt nicht erst mit 66 Jahren an.

Zum Kugeln

Über die Schießwut der Amerikaner könnte man meterdicke Sachbücher schreiben. Oder man besorgt sich zwei der besten Filme zu dem Thema. In "Bewegliche Ziele" (Cine Plus) beobachtet Regisseur Peter Bogdanovich wie ein Durchschnittstyp zum Amok-Schützen wird. In "Collateral" (Paramount) begleitet Michael Mann den Berufsalltag eines Auftragsskillers. Bei so viel Thrill geht man besser in Deckung.

Sprechstunden

In Filmen, in denen viel geredet wird und wenig passiert, schaltet man oft schnell auf Durchzug. Außer sie heißen "Sie haben Knut" (Alamode) oder "Before Sunset" (Warner). Der eine spielt 1983 in einer Skihütte, wo sich ein Pärchen wortreich versöhnen will. Der andere im Paris von heute, wo ein ehemaliges Paar (Ethan Hawke, Julie Delpy) plaudernd die Vergangenheit aufarbeitet. Da muss man einfach zuhören.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo