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Elia Kazan: Er machte Brando und Dean zu Stars

Der amerikanische Meisterregisseur Elia Kazan ist tot. Der dreifache Oscar-Preisträger hatte Marlon Brando und James Dean zu Stars gemacht.

Der amerikanische Meisterregisseur Elia Kazan ist tot. Der dreifache Oscar-Preisträger, der Marlon Brando und James Dean zu Stars gemacht hatte, starb mit 94 Jahren in seiner Wohnung in New York. Kazan war in den 40er und 50er Jahren einer der einflussreichsten Regisseure Amerikas.

Der Schriftsteller Arthur Schlesinger Jr. würdigte Kazan als "brillant, leidenschaftlich, großzügig, unruhig und nie zufrieden, ärgerlich und rachsüchtig, übersprudelnd mit Kreativität und Opposition...".

Er schrieb am Broadway mit Stücken von Tennessee Williams und Arthur Miller Theatergeschichte und drückte Hollywood seinen Stempel auf. Als Gründer und Co-Direktor des berühmten Actors Studio in New York sorgte er maßgeblich für die Herausbildung eines neuen Schauspielstils und förderte neben anderen Warren Beatty, Rod Steiger und Lee Remick. Dustin Hoffman äußerte einmal Zweifel, dass Robert De Niro und Al Pacino ohne Kazans Einfluss zu Schauspielern ihres Ranges gereift wären.

Ein Gigant der 40er und 50er Jahre

Zu seinen legendären Hollywood-Werken gehört "Tabu der Gerechten" mit Gregory Peck in der Hauptrolle. Für diese filmisch Auseinandersetzung mit dem Anti-Semitismus erhielt Kazan 1947 seinen ersten Regie-Oscar. Seine zweite Auszeichnung als bester Regisseur verlieh ihm die Amerikanische Filmakademie 1954 für "Die Faust im Nacken".

Für dieses an Originalschauplätzen in den Hafendocks von New Jersey unweit von New York gedrehte Gewerkschaftsdrama erhielt Marlon Brando einen Oscar als bester Schauspieler. Zuvor war Brando 1952 mit dem Kazan-Film "Viva Zapata" als proletarischer Held, der sich nicht korrumpieren lässt, bereits für einen Oscar nominiert worden.

Auch am Theater eine Legende

Vielen US-Kritikern galt Kazan als bester Regisseur in der Geschichte des amerikanischen Theaters und Films. Zu seinen legendären Broadway-Inszenierungen gehörten "Tod eines Handlungsreisenden" und "Die Katze auf dem heißen Blechdach". Die Filmfassung seiner Bühneninszenierung von "Endstation Sehnsucht" machte Brando 1951 in der Rolle des aufbegehrenden Jugendlichen Stanley Kowalski berühmt und das T-Shirt, das er trug, wurde zum Modeschlager.

Doch bei allen Erfolgen sah sich Elia Kazanjoglous, der 1909 in Konstantinopel geborene Sohne eines griechischen Teppichhändlers , der sich sein Theaterstudium in New York unter anderem als Küchenjunge finanziert hatte, immer wieder in der Rolle des Außenseiters. Das prägte viele seiner Filme. Als die Kosten für provokative Produktionen am Broadway zu hoch wurden, drehte Kazan der Bühne den Rücken und verlegte sich ganz aufs Schreiben.

Als Schriftsteller weniger gefeiert

Schon sein erster Roman "America, America" (1962) über die Odyssee eines Onkels aus der Türkei in die USA war zum Bestseller geworden. Der zweite Roman "Das Arrangement" (1967) handelt von der Midlife-Crisis eines untreuen Geschäftsmannes und wurde trotz mangelnden Kritikerlobs ebenfalls zum Bestseller. Auch zwei weitere Bücher, "The Assassins" (1972) und "The Anatolian" (1982), fanden wenig literarische Anerkennung.

Eklat bei Oscar-Nominierung in 1999

Zu einem Eklat kam es, als Kazan 1999 seinen dritten Oscar erhielt, der ihm für sein Lebenswerk verliehen wurde. Viele Prominente im Saal blieben sitzen und verweigerten dem alten Mann den Beifall, weil er 1952 vor dem Mc-Carthy-Ausschuss für unamerikanische Umtriebe die Namen einstiger Genossen der Kommunistischen Partei preisgegeben hatte, der Kazan 1934 beigetreten war. Kazan weigerte sich auch Jahrzehnte später noch, das zu bedauern.

DPA