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Meinung

Kündigung nach #MeToo-Vorwürfen: Emma Thompson schmeißt Job hin - warum sie damit uns allen hilft

Emma Thompson hat ihre Entscheidung erklärt, nicht mehr am Animationsfilm "Luck" mitzuarbeiten. Grund sei John Lasseter, der neue Leiter des Studios. Ihm wurde mehrfach sexuelle Belästigung vorgeworfen, was Lasseter zugab. Chef ist er nun trotzdem wieder.

Emma Thompson

Emma Thompson lässt auf Worte Taten folgen

Picture Alliance

Emma Thompson hat in einem öffentlichen Brief erklärt, wieso sie ihre Mitarbeit am Animationsfilm "Luck" gekündigt hat. Der Grund hinter ihrer Entscheidung heißt John Lasseter, der neue Leiter des Animationsstudios Skydance, das den Streifen produziert.

Emma Thompson beendet Zusammenarbeit mit Animationsstudio

Lasseter, ehemals Pixar-Chef, wurde im Zuge der #MeToo-Debatte mehrfach sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vorgeworfen. Der "Hollywood Reporter" zitierte 2017 einen ehemaligen Anstellten Lasseters, der sagte, sein Chef sei mit seinem "Grapschen, Küssen und seinen Kommentare über Körpermerkmale" aufgefallen. Die Zeitschrift "Variety" ergänzte den Report und befragte Frauen, die ähnliche Geschichten über Lasseter zu erzählen hatten. Er sei bekannt dafür, Frauen unangemessen nah zu kommen, sie zu berühren und sie sogar auf den Mund zu küssen. Lasseter räumte im Frühjahr vergangenen Jahres ein, dass er sich falsch verhalten habe. "Ungewollte Umarmungen" täten ihm leid und auch die Mitarbeiter, "die sich nicht respektiert und unwohl" fühlten. Anschließend legte der Pixar-Gründer sein Amt bei Walt Disney nieder. Nun ist er Leiter von Skydance. Für Thompson unverständlich.

"Es ist für mich sehr seltsam, dass Sie und Ihre Firma in Betracht ziehen, jemandem mit Herrn Lasseters Muster an Fehlverhalten zu engagieren", schreibt die Schauspielerin. "Wenn ein Mann seit Jahrzehnten unangemessen Frauen berührt, warum sollte eine Frau dann für ihn arbeiten wollen?"

"Um die Generation meiner Tochter zu schützen"

Lasseters Geständnis sei für sie schlicht nicht genug. "Ich bin mir bewusst, dass sich der jahrhundertelange Anspruch auf weibliche Körper - ob die Frauen es wollen oder nicht - nicht über Nacht ändern wird. Oder in einem Jahr", sagt sie in ihrem Brief. "Aber mir ist auch bewusst, dass wenn Menschen wie ich diese Haltung nicht einnehmen werden, es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich die Dinge in dem Tempo ändern werden, das erforderlich ist, um die Generation meiner Tochter zu schützen."

Der letzte Satz ist in Thompsons Statement entscheidend. Denn was Emma Thompson macht, ist enorm wichtig. Sie lässt auf Worte Taten folgen. Seit mittlerweile fast zwei Jahren wird im Zuge der #MeToo-Debatte über Belästigung am Arbeitsplatz und Machtmissbrauch gesprochen. Beides trifft offenbar auf Lasseter zu. Jetzt ist er erneut zum Chef befördert worden. Und es werden erneut Frauen für ihn arbeiten. Denn im Gegensatz zu Emma Thompson haben sie das Geld, was sie in diesem Job verdienen, nötig. Sie müssen womöglich Mieten aufbringen, Familien ernähren oder Kredite abzahlen. Den Luxus, einen Job nicht anzutreten, weil der Chef einen schlimmen Ruf hat, haben die meisten Frauen nicht. Umso wichtiger ist es, dass die Frauen (und Männer übrigens genauso), die es sich leisten können, den Mund aufmachen und ihre Entscheidung begründen.

Nur so erhält die Debatte erneut Zunder. Nur so werden die Verantwortlichen, die entscheiden, wer Chefpositionen bekleidet, zur Rechenschaft gezogen. Nur so ist es möglich, dass ähnlich fragliche Entscheidungen in Zukunft vielleicht nochmal überdacht werden.

Zum Wohle derer, die diese Macht nicht haben. Und zum Wohle einer Generation, die gerade erst heranwächst. 

Quelle: "Hollywood Reporter" / "Variety" / "LA Times"

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