HOME

Filmstart "Fair Game": Der "Plamegate"-Skandal auf Zelluloid

Der solide, patriotische Agentenfilm "Fair Game" schildert einen hochpolitischen Skandal aus Bush-Ära. Für Glanz sorgen dabei vor allem die beiden Hauptdarsteller Naomi Watts und Sean Penn.

Kinotrailer: "Fair Game"

Die Story ist wirklich passiert. Als "Plamegate" erschütterte der Skandal 2003 die amerikanische Öffentlichkeit: Kurz vor dem Bombardement von Bagdad hatten CIA-Agentin Valerie Plame und ihr Mann, Ex-Botschafter Joseph C. Wilson, die Begründung des US-Präsidenten für den Irakkrieg als Lüge entlarvt: Dass nämlich Iraks Diktator Saddam Hussein keinesfalls, wie Bush behauptete, über Atomwaffen verfügte. Wilson verbreitete seine Erkenntnisse in einem Zeitungsartikel. Daraufhin ließ die Regierung Plames Identität auffliegen - Ehre, Ehe und Leben des Ehepaars gerieten unter Beschuss.

Aus dem Material hat Regisseur Doug Liman seinen soliden, sehr präzisen und dabei hoch patriotischen Mainstream-Thriller "Fair Game" geformt. Spektakulär wirkt das Werk nur durch die Echtheit der Geschichte - und dank der eindrucksvollen Stars Naomi Watts und Oscar-Preisträger Sean Penn. Im Frühjahr lief "Fair Game" (was sowohl "Faires Spiel" als auch "Freiwild" bedeutet) als einziger US-Beitrag bei den 63. Filmfestspielen in Cannes.

Seit langem hat sich der 45-jährige Liman, Sohn eines Anklägers in der Iran-Contra-Affäre unter Ronald Reagan, als Spezialist für Agentenfilme profiliert: So sind ihm schon "Die Bourne Identität" (2002) und "Mr. & Mrs. Smith" (2005) zu erfolgreichen Genre-Varianten geraten.

Versiert und zu Anfang absichtsvoll verwirrend gestaltet der Regisseur nun die Welt, in der wir leben: Zwischen Kuala Lumpur, Nahem Osten, Niger und Washington D.C. hetzen die kompetente, schöne Undercover-Lady (Watts, die Plame erstaunlich ähnlich sieht) und ihr cool zerknautschter Gatte (Penn, auch im wahren Leben Polit-Aktivist) hin und her. Ungemütlich geht es überall zu: graue, sterile Räume mit viel Kunstlicht, austauschbar wirkende Menschen in farblosen Business-Outfits. Bei schnellen Schnitten und von Liman selbst geführten unruhigen Kameras sehen wir Orte, an denen der Mensch sich nicht wirklich zuhause fühlen darf.

Zum Krieg ist es nur ein kurzer Schritt. So kommt "yellowcake" ins Spiel - kein Kuchen, sondern ein Stoff zum Herstellen von Massenvernichtungsmitteln.

Die Gegenwelt zur großen Politik bildet das gediegene Heim der Plame/ Wilsons im Nobelviertel von Washington. Hier spielen sie mit ihren Kindern, hier küssen sie sich vorm Küchenherd. Doch bald ist auch dieser Spaß vorbei. Sehr präsent und schlicht überzeugend verkörpern die Hauptakteure Ernsthaftigkeit und Gewissenskonflikte des Ehepaars, das - jeder auf seine Weise - seinem Land dienen will. Und sei es am Ende durch Geheimnisverrat. Dabei erlebt der Thriller in seinen letzten Minuten einen pathetischen Aufschwung.

Als beide wie "Freiwild" gehetzt werden, ihr Lebensgebäude gänzlich einzustürzen droht, reift der frühere Diplomat zu heroischer Einsicht. Er reißt das Ruder herum, appelliert an Valerie - und letztlich an den Kinobesucher: "Die Verantwortung liegt nicht in den Händen einiger weniger Privilegierter." Den Kampf für Ehre und Familie habe vielmehr jeder einzelne Bürger tapfer und offensiv auszufechten. So klingt die wahre Stimme Amerikas.

Ulrike Cordes, DPA / DPA