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Kongress-Kandidatur: Ex-CIA-Agentin Valerie Plame sagt Trump filmreif den Kampf an

Man kann sich mit höchstem Einsatz für die Interessen der USA einsetzen und trotzdem vom Präsidenten angefeindet werden. Niemand weiß das besser als die einst vom Weißen Haus enttarnte CIA-Agentin Valerie Plame. Die sagt jetzt Donald Trump den Kampf an.

Valerie Plame: Ehemalige CIA-Agentin sorgt mit furiosem "Undercover"-Bewerbungsvideo für Aufsehen

Valerie Plame kann mit Fug und Recht behaupten, dass ihre Lebensgeschichte filmreif ist. "Fair Game. Nichts ist gefährlicher als die Wahrheit" heißt der Hollywood-Streifen von 2010, in dem sie selbst von Naomi Watts und ihr Ehemann Joseph Wilson von Sean Penn dargestellt wird. Darin geht es um den politischen Skandal, der ebenfalls den Namen der 56-Jährigen trägt: die "Plame-Affäre", die im Umfeld des Irak-Kriegs 2003 die Regierung von Präsident George W. Bush erschütterte. Jetzt kandidiert die frühere Top-Agentin für den US-Kongress, und sie tut dies mit einem hollywoodreifen Auftritt in einem Video, das seit einigen Tagen in den USA für Aufsehen sorgt.

"Mr. President, ich habe da noch ein paar Dinge zu begleichen", richtet sich Plame am Ende des Kurzstreifens direkt an Donald Trump. Zuvor ist sie einem Sportwagen entstiegen und hat effektvoll ihre Sonnenbrille abgenommen. Im Laufe des Videos war die Blondine, die für die Demokraten einen vakanten Repräsentantenhaus-Sitz für New Mexico ergattern will, mit einem Sportwagen durch die Wüste geheizt, hatte dabei klargestellt, dass "die CIA uns wirklich beibringt, so zu fahren", und begründet, warum sie nun in die Politik gehen will: Bei der nationalen Sicherheit, bei Frauenrechten und im Gesundheitswesen sei das Land unter Trump auf dem Holzweg.

Valerie Plame, ehemalige CIA-Agentin

Die frühere CIA-Agentin Valerie Plame, die einst vom Weißen Haus enttarnt wurde, kandidiert nun für den US-Kongress.

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Valerie Plame: Rechnung mit Donald Trump offen

Die offene Kampfansage an den amtierenden Präsidenten hat auch einen persönlichen Grund. Im April 2018 begnadigte Donald Trump einen Mann namens Lewis "Scooter" Libby und sprach ihn damit von allen gegen ihn erhobenen Vorwürfen frei. Libby war von 2000 bis 2005 Stabschef von Dick Cheney, damals Vize des US-Präsidenten George W. Bush. Der Jurist gilt als zentrale Figur in der "Plame-Affäre", in deren Verlauf Valerie Plame durch Presseveröffentlichungen enttarnt wurde, was für eine Undercover-Agentin das Karriere-Aus sowie eine akute Gefahr für Leib und Leben bedeutet; auch für das Wohl ihrer Familie.

Die Enttarnung wird heute allgemein als Racheakt des Weißen Hauses gesehen, nachdem Plames Ehemann Joseph Wilson, ein früherer US-Botschafter im Irak und erklärter Gegner des Irak-Kriegs, in einem kritischen Bericht in der "New York Times" die Rechtfertigung der US-Regierung für den präventiven Irak-Krieg 2003 teilweise entkräftete - ein Nuklearwaffenprogramm, das nach heutiger Erkenntnis nie existierte. Wilson war seinerzeit in diplomatischer Mission im Niger, um dort angebliche Ankäufe von Uranoxid, das zur Anreicherung waffenfähigen Urans benötigt wird, durch den irakischen Diktator Saddam Hussein zu bestätigen. Wilson fand nichts, seine Erkenntnisse wurden jedoch ignoriert und er entschloss sich zu seinem Artikel. Titel: "What I Didn't Find in Africa" ("Was ich in Afrika nicht gefunden habe").

"Noch nicht damit fertig, meinem Land zu dienen"

Es soll "Scooter" Libby gewesen sein, der in privaten Pressegesprächen erzählte, dass Valerie Plame ihren Ehemann für die Niger-Mission empfohlen hatte. Dass Plame eine Undervocer-Agentin war, habe Libby zwar nicht explizit gesagt, sein Hinweis führte die Journalisten jedoch auf die Fährte. Da sich angesichts dessen nicht beweisen ließ, dass Libby Plame verraten hatte, konnte der Cheney-Berater nicht für die Enttarnung eines CIA-Agenten belangt werden. Laut Staatsanwaltschaft hatte er sich aber wegen Strafvereitelung sowie eidlicher und uneidlicher Falschaussage strafbar gemacht. 2007 wurde er deshalb schuldig gesprochen und zu 30 Monaten Haft verurteilt. Nur einen Monat später begnadigte Präsident George W. Bush den langjährigen Stabschef seines Vizes teilweise, so dass ihm die Haft erlassen wurde. Trump machte die Begnadigung schließlich umfassend.

All' das könnte Grund genug für Valerie Plame sein, sich nicht wieder in dieses System zu begeben. Doch sie sieht das anders. "Meine Karriere in der CIA wurde durch Parteipolitik abgeschnitten, aber ich bin noch nicht damit fertig, meinem Land zu dienen", begründete sie ihre Kandidatur, die sie bereits im Mai bekannt gegeben hatte und mit dem spektakulären Video nun zusätzlich untermauert. Auf ihrer Homepage beteuert sie zudem, dass sie sich für New Mexico, wo sie seit zehn Jahren lebt, besonders gerne einsetzt: "Ich habe auf der ganzen Welt gelebt und fühlte mich nie mehr mit einem Ort und seinen besonderen Menschen verbunden als mit dem 'Land der Verzauberung'." Es sind diese "besonderen Menschen", die Plame nun noch ihre Stimme geben müssen, damit sie wieder "Im Geschäft" ist.

Quellen: Nachrichtenagentur Reuters, Nachrichtenagentur DPA, "New York Times", "Washington Post", Homepage Valerie Plame