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Preisverleihung in Hollywood TV-Absage, Promi-Boykott: Der Absturz der Golden Globes

Lady Gaga
Viel Glamour: Lady Gaga bei den Golden Globes 2019
© Imago
Die Golden Globes galten als kleine Schwester der Oscar-Verleihung, doch nach heftigen Skandalen kommt nun der große Absturz: Zum ersten Mal seit 25 Jahren wird die Verleihung nicht im TV übertragen - und auch die Promis machen sich rar. 

Am Wochenende werden in Los Angeles die Golden Globes verliehen - normalerweise ein absoluter Pflichttermin für die Elite der Filmschaffenden. Die Preisvergabe der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) galt als guter Indikator für die anstehenden Oscars, als Klassentreffen der Stars. Doch dieses Jahr ist vom Glamour nicht mehr viel übrig.

Wie die HFPA mitteilte, wird die Verleihung 2022 ohne Publikum und ohne den üblichen Empfang am roten Teppich stattfinden. Auch im TV wird nichts zu sehen sein: Der Haussender NBC, der die Trophäen-Gala seit 1996 ausstrahlte, sagte die üblicherweise starbesetzte TV-Show für 2022 ab. Der Grund dafür ist jedoch nicht nur die Corona-Pandemie, sondern auch der Skandal, der die HFPA erschütterte. 2021 war der Verband wegen mangelnder Vielfalt und Intransparenz unter heftige Kritik und Reformdruck geraten.

So war herausgekommen, dass sich unter den etwa 100 abstimmungsberechtigten Mitgliedern keine einzige schwarze Person befand. Dann machten Korruptionsvorwürfe die Runde, nachdem bekannt wurde, dass einige Mitglieder sich etwa zu luxuriösen Reisen ans Set der Netflix-Serie "Emily in Paris" hatten einladen lassen. (Lesen Sie hier die Vorwürfe im Detail nach). So entstand ein Eindruck von Unprofessionalität, der das Event zum Absturz brachte.

Die Golden Globes hatten einst legendäre Momente

Dabei war die Globes-Party einst die entspannte, coole kleine Schwester der seriösen Oscar-Verleihung. Mit Gratis-Drinks von Minute eins, mit runden Tischen statt langen Reihen und meist mit wirklich witzigen und bissigen Moderatorinnen und Moderatoren (Danke, Amy Poehler und Tina Fey!). In Erinnerung bleiben legendäre Hollywood-Momente, wie das Coming-Out von Jodie Foster 2013, als sie den Preis für ihr Lebenswerk erhielt. Oder als die leicht angesäuselte Liz Taylor 2001 beinahe vergaß, die Nominierten zu erwähnen, bevor sie den Sieger-Film bekannt gab.

Nun versucht der Verband zu retten, was noch zu retten ist. Als Programmpunkt wurde angekündigt, die philanthropische Arbeit und Spendenempfänger:innen vorzustellen. Zudem soll auch über die Reformen mit Blick auf mehr Diversität und Gleichstellung gesprochen werden. Nach den Skandalen hatte die HFPA einen neuen Vorstand gewählt und nahm mehr Mitglieder auf. Noch immer haben sie ihr selbst ernanntes Ziel von 13 Prozent schwarzen Mitgliedern jedoch nicht erreicht.

Mitte Dezember wurden die Nominierungen verkündet, zahlreiche Hollywood-Promis ignorierten die einstige Ehre dieses Jahr schlicht. Die Dramen "Belfast" und "The Power of the Dog" zählen mit jeweils sieben Nominierungen zu den Favoriten. Auch das Spielberg-Musical "West Side Story", die Tragikomödie "Licorice Pizza", die Satire "Don't Look Up" und das Sportdrama "King Richard" haben mehrere Gewinnchancen.

sst / mit dpa

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