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Interview Natalia Avelon: "Brust raus und los gehts"

Mit einem offenherzigen Auftritt sorgte Natalia Avelon für eine sprachlose Crew beim Casting und überzeugte. Im stern.de-Interview erzählt sie über ihr Körpergefühl, Dreharbeiten in der Salzwüste und wie ihre katholischen Großeltern auf die Nacktszenen reagiert haben.

Frau Avelon, warum musste Achim Bornhak so lange auf sie warten?

Alle Aufrufe bei Viva und in der Bildzeitung gingen komplett an mir vorbei. Ich habe in dieser Zeit gedreht. Eine Kollegin erzählte mir vom Uschi Obermaier Casting und meinte, ich würde ihr unglaublich ähnlich sehen - und das obwohl ich damals blond war.

Aber ihre Naturfarbe ist dunkel.

Ja. Dann rief auch noch meine Mutter an und meinte, das sei die Rolle für mich. Zeitgleich hatte meine Agentin mein Band und meine Fotos an die Castingfirma geschickt. Ich wurde eingeladen. Mir war klar, worauf ich mich einlasse. Es ist eine Rolle, die sehr freizügig ist, weil diese Zeit eben so revolutionär war. So unpolitisch Uschi war, mit ihrer Nacktheit setzte sie ein politisches Statement. Ich hatte beim Casting eine Szene mit Florian Lucas, der als Langhans gecastet wurde, in der Rainer und Uschi eine "spirituelle Kamasutra-Stellung" ausprobieren. Eine sehr witzige Szene. Also habe ich mein T-Shirt ausgezogen, Brust raus, und mich vors Team gestellt und sagte: "Los geht's!" Alle haben mich mit großen Augen angesehen, von den anderen Bewerberinnen waren sie das wohl nicht gewohnt. Fanden meine Spontanität aber gut.

Trotzdem hat es noch ein Jahr gedauert, bis sie endlich die Zusage hatten.

Das war wohl ein Risiko, dass ich ein No-Name bin. Bis dahin hatte ich ja nur kleine Rollen gespielt. Schließlich geht es in diesem Business um viel Geld, die Produzenten mussten erst überzeugt werden. Aber der Regisseur hat sich durchgesetzt.

Wie haben Sie ihn überzeugt?

Der natürliche Umgang mit meinem Körper. Und die Liebe zum Leben. Die Art, wie ich mit großen neugierigen Augen vor ihm stand, sagte er, war wohl ausschlaggebend für seine Entscheidung. Eine Konkurrentin von mir meinte, dass sie es überhaupt nicht verstehen kann, dass die Obermaier den Zehn-Jahres-Vertrag mit dem Filmproduzenten Carlo Ponti ausgeschlagen hat, der auch Sophia Loren berühmt gemacht hat. Ich konnte das gut verstehen. Ich hätte auch keine Lust, fünf Jahre in einer Soap gebunden zu sein. Spätestens da hat Achim festgestellt, dass Uschi und ich uns nicht nur optisch ähneln, sondern unsere Lebenseinstellung teilen.

Ihre Mutter hat sie auf die Rolle gebracht...

...für sie war Uschi ein Star, sie ist 1956 geboren und hatte Poster von ihr an der Wand hängen, neben denen von Jimi Hendrix und Brigitte Bardot. Ich bin in den 80er Jahren aufgewachsen, da waren Michael Jackson und Madonna angesagt. Erst durch das Casting und meine Eltern habe ich erfahren, wer Uschi ist, und was sie gemacht hat.

Wenn man Ihre Biografie liest, in Polen geboren, assoziiert man sofort katholisches Elternhaus und folgert, da muss es doch sicher Probleme gegeben haben, wenn die Tochter so oft nackt zu sehen ist.

Meine Eltern freuen sich und sind sehr stolz auf mich und verständnisvoll. Sie nehmen meinen Beruf ernst und waren sich der Rolle und der Konsequenzen bewusst. Meine Großeltern sind sehr katholisch, da hatte ich Bedenken. Aber meine Oma reagierte cool: "Wenn du dich für Rollen ausziehen musst, machst du es", sagte sie. Ich habe ja keinen Porno gedreht. Es geht um eine natürliche Hippie-Nacktheit, die weder voyeuristisch noch pervers ist.

Was haben Sie ihrer Mutter über das erste Treffen mit Uschi erzählt?

Meine Mutter und ihre Freundinnen haben mich ausgequetscht. Sieht Uschi wirklich noch so toll aus, hat sie sich viel helfen lassen, wie lebt sie, was zieht sie an, ist sie zickig oder arrogant? Nichts von alledem. Das war mir wichtig, weil ich ein absolut unkomplizierter Kumpeltyp bin und Stutenbissigkeit verabscheue. Sie hat mich am ersten Tag beobachtet, mich dann aber gleich abgesegnet, "I can see it", sagte sie.

In ihrem typisch bayerisch-englisch. Wie haben Sie sich das antrainiert?

Das war nicht einfach. Uschi sprach damals nicht urbayerisch, sondern münchnerisch in einem typischen Uschi- Duktus. Sie kam aus Sendling nach Berlin und wollte hochdeutsch sprechen. Ich habe keinen Coach gehabt und mir alles selbst erarbeitet, indem ich mir ganz oft den Bullen von Tölz angeguckt habe. So blöd es klingen mag. Davon habe ich die Melodie abgekupfert und mir einfach gesagt, Augen zu und durch.

Wo lagen die Schwierigkeiten bei den Dreharbeiten?

Ich wurde mal zitiert, dass ich das größte Problem mit den Drogen habe. Aber man muss nicht alles selbst erlebt haben, um es zu spielen. Ich würde mich für eine Rolle als Nutte auch nicht prostituieren. Ich habe einen Zustand gefunden, der ähnlich ist, Schläfrigkeit oder über den Wolken schweben. Die Szene, in der Bockhorn stirbt, ist mir schwer gefallen. Durch lange Gespräche mit Uschi habe ich einen Weg gefunden, das zu spielen. Schlimm war die Szene, als mich die muslimischen Frauen mit Steinen aus Plastik bewarfen. Ich habe mich wie der letzte Dreck gefühlt. Und so etwas gibt es wirklich noch in arabischen Ländern! Doch die Frauen haben mich danach in den Arm genommen und mir einen goldenen Nasenring geschenkt. Das war sehr emotional. Bei der indischen Hochzeit in Jaipur habe ich wie eine Prinzessin gefühlt. Zwischen mir und David Scheller, der den Bockhorn spielt, hat es richtig geknistert...

...auch hinter der Kamera?

Nein, keine Affäre oder Verliebtheit. Nur in dieser Szene. Indien ist so wunderschön, die buntbemalten Elefanten, die Yogis, überall liegen Kühe.

Konnten Sie viel sehen während der Dreharbeiten?

Es war keine Zeit. In Goa habe ich mich einen Nachmittag mit dem Cocktail in der Hand am Strand entspannt. In Rajasthan haben wir mit Uschi und ihrer Cousine Paläste besucht. Als wir einen Tag in der Salzwüste gedreht haben, konnten wir in Beduinenzelten übernachten. Fantastisch, bis zum Horizont geht die Wüste, die Sterne hängen wie unter einer Käseglocke. Ich habe zehn Sternschnuppen am Abend gesehen und war einfach nur glücklich.

Wie war das Zusammenspiel mit David Scheller?

Super. Wir haben uns beim Casting kennengelernt. Als ich nach Berlin gezogen bin, haben mich David und seine Freunde ins Nachtleben eingeführt und mir geholfen, mich einzuleben. Seine Meinung ist zwar manchmal hart, aber ehrlich. Wir haben uns manchmal unglaublich gezofft. Achim, der Regisseur, hat uns „das Terrorpärchen“ genannt. Es war ungewollt wie bei Uschi und Bockhorn. Er hat mich oft angekotzt, aber ich weiß, ich kann mich auf ihn verlassen, er ist immer für mich da. Mein großer Bruder und guter Freund.

Was haben Sie sich von Uschi abgeguckt?

Dieser Dreh war die glücklichste Zeit meines Lebens. Ich bin durch die Rolle viel selbstbewusster geworden und Uschi sehr dankbar, weil sie mich sehr positiv kritisiert hat. Ich hatte immer gedacht, dass ich ein Kopfmensch bin, weil mir das andere eingeredet haben. Dabei gibt es nichts Besseres als Intuition und Bauchgefühl, das habe ich von ihr gelernt. Auch mein Körpergefühl ist besser geworden. Ich fühlte mich ja immer zu dünn, ich war ständig am Zunehmen im Leben, habe das nie geschafft.

Beneidenswert...

...sagen viele. Aber ich musste mir immer anhören, du hast ja gar nichts in der Hose, so dünne Beinchen, das nervt. Dann fing mit Leichtathletik an um muskulöse Beine zu bekommen. Nur mein Hintern ist nie so knackig geworden, wie ich ihn gerne hätte.

Wo geht Ihre Karriere jetzt hin?

Eventuell geht meine Karriere jetzt erst los. Mich kannte keiner, ich wurde nicht in eine Schauspielerfamilie hineingeboren, sondern komme von unten und musste hart kämpfen. Der Film ist meine erste große Hauptrolle und ich hoffe, dass ich lange in diesem Beruf arbeiten kann. Als ich kürzlich in einer Talkshow saß, kam mir schon mal in den Sinn, was ist das eigentlich für ein Zirkus und was mache ich hier. Es gibt so viele Menschen, die großes geleistet haben, politisch, menschlich.

Was hat Sie diesen Beruf ergreifen lassen?

Ich wollte immer der Realität entfliehen. Das klingt so melodramatisch, aber ich finde die Welt furchtbar, ich bin so sentimental. Es gäbe nicht so viel Armut, wenn sich alle ein bisschen engagieren würden. Im Kino bin ich fern der Realität, deswegen hat es mich dahin gezogen. Was ich Mädchen in meinem Alter und jünger gerne vermitteln würde, ist, dass so viel retouchiert ist. Wir haben nicht alle lange Beine und so schöne Haut, Niemand ist perfekt.

Filme können ja auch etwas bewirken. Da können Sie nur hoffen, solche Rollen angeboten zu bekommen.

Ich hatte drei Rollen in der Auswahl. Das Projekt steckt noch in der Finanzierung. Es geht eher in die neurotisch-depressive Richtung. Ich bin froh, dass ich nicht mehr alles nehmen muss, so wie früher, als ich keine Kohle hatte.

Wenn Sie in die Zukunft blicken, wie würden Sie mit 60 leben, so wie Uschi Obermaier?

Ich wünsche mir eine Großfamilie, sehne mich nach Liebe und Zuneigung von meiner Familie. Allein leben will ich nicht, das macht keinen Spaß, ich will meine Freude und auch meine Trauer teilen. Ich werde bestimmt nicht konservativ sein und hoffentlich noch lebenslustig. Und ich bin gespannt, wie ich aussehe, wenn ich 60 bin. Meine Mutter sagt, ich sehe Uschi ähnlicher als ihr. Prinzipiell habe ich nichts gegen OPs, oder wie Uschi sagt, "sich helfen lassen". Ich bin auch sehr gespannt... vor allem was nach dem Leben kommt...

Interview: Kathrin Buchner

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(