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Neue Filmstadt in Frankreich eröffnet: Französische Konkurrenz für Hollywood und Babelsberg

Die legendären Filmstudios in Hollywood und Babelsberg bekommen in Europa neue Konkurrenz - im Pariser Vorort Saint-Denis wurde heute offiziell die "Cité du cinéma" eröffnet.

Vor den Toren von Paris ist am Freitag eine neue Filmstadt eröffnet worden, die den legendären Studios in Hollywood oder Babelsberg künftig Konkurrenz machen will. "Damit ist eine Skurrilität beendet", sagte der Direktor der Produktionsfirma EuropaCorp, Christophe Lambert, der Nachrichtenagentur AFP. "Frankreich hat die wichtigste Filmbranche Europas, aber es war bisher auch das einzige europäische Land, in dem es nicht die Infrastruktur für Filmproduktionen gab."

Nach jahrelangen Vorarbeiten und dreijährigen Bauarbeiten wurde die Filmstadt mit insgesamt neun Studios im Vorort Saint-Denis nördlich von Paris fertiggestellt. Initiator ist der französische Starregisseur Luc Besson, der die Idee dazu vor 15 Jahren hatte. Der 53-Jährige hat in der Anlage bereits mit den Dreharbeiten für seinen neuen Film "Malavita" mit den US-Stars Robert de Niro und Michelle Pfeiffer begonnen.

Großproduktionen im eigenen Land werden möglich

Neben den neun Studios beherbergt die über 50.000 Quadratmeter große Filmstadt Büros von Bessons Produktionsfirma EuropaCorp, die staatliche französische Filmhochschule Louis Lumière und eine zweite Schule für künftige Regisseure und Produzenten, die Besson gegründet hat. Für die "Cité du cinéma" wurde ein altes Heizkraftwerk umgebaut. Die Gesamtkosten beziffert Christophe Lambert, der Direktor von EuropaCorp, auf 180 Millionen Euro.

Endlich könne Frankreich, der größte Filmproduzent in Europa, im eigenen Land Großproduktionen "von A bis Z" realisieren, sagte Lambert der Nachrichtenagentur AFP. Besson habe an dieses Vorhaben erstmals 1997 gedacht, als er für seinen Film "Das fünfte Element" nach London umziehen musste, weil es in Frankreich dafür keine Studios gab. Die Investoren, unter ihnen der tunesische Geschäftsmann Tarak Ben Ammar, hoffen, dass die "Cité du cinéma" auch ausländische Produktionen anlocken wird.

Mehrere US-Produzenten hätten die Anlage in dem Arbeitervorort nördlich von Paris bereits besichtigt und Kostenvoranschläge eingeholt, versichert Lambert. Der Franzose ist zuversichtlich, dass in einem Jahr alle neun Studios ausgebucht sein werden. Offiziell eröffnet wird die Filmstadt am Freitagabend mit einem Gala-Dinner für handverlesene Gäste. Für die Öffentlichkeit wird es am Samstag einen Tag der offenen Tür geben.

jat/AFP / AFP