HOME

Oliver Stone: Hollywoods enfant terrible wird 60

Er ist Amerikas umstrittenster Filmemacher. Vielen seiner Landsleute gilt Oliver Stone als Vaterlandsverräter. Doch mit seinen Filmen sorgte er immer wieder für Gesprächsstoff.

Oliver Stone ist der Experte für Amerikas Albträume schlechthin. Fünf Jahre nach dem 11. September bringt er die Terroranschläge auf das World Trade Center in die Kinos - so echt, dass Zuschauer den Einsturz der Zwillingstürme mitzuerleben meinen. Aber damit nicht genug. Diese Woche, am Jahrestag jener folgenschweren Tragödie, sprach Stone in Moskau bereits über einen nächsten "9/11"-Film. In ihm will er "die Verschwörung von Mitgliedern der amerikanischen Regierung aufzeigen, die den 11. September für ihre Ziele ausgeschlachtet haben".

Wegen seiner politischen Haltung wird der Hollywood-Regisseur, der am 15. September 60 Jahre alt wird, in den USA ebenso gefeiert wie kritisiert. Bevor er Filme drehte, diente Stone freiwillig in Vietnam. Die dort erlebten Kriegsgräuel brachte er in "Platoon" auf die Leinwand. Das Drama bekam vier Oscars. Dann verfilmte er die Ermordung von John F. Kennedy: "JFK - Tatort Dallas". Schließlich porträtierte er den amerikanischen Präsidenten Richard Nixon und seine Verwicklung in den Watergate-Skandal: "Nixon".

Vaterlandsverräter Stone?

Viele Amerikaner halten den Polit-Berserker Stone für einen Vaterlandsverräter. Und das nicht nur, weil er in "Platoon" das brutale Vorgehen der GIs in Vietnam darstellt. Er hatte im Jahr 2001 in ersten emotionalen Kommentaren auch Verständnis für die Terroristen geäußert. Hinterbliebene von Opfern des 11. September kreiden dem Regisseur an, dass er sich weigerte, einen Aufruf an das Publikum in den Abspann seines Films aufzunehmen. Die Opferfamilien hatten an Menschen in aller Welt appellieren wollen, Brücken zu schlagen und durch persönliches Engagement künftige Terroranschläge zu verhindern.

Nach "Platoon" brachte Stone seinen Zorn auf die amerikanische Gesellschaft mit Filmen wie "Wall Street" mit Michael Douglas und "Born on the Fourth of July" mit Tom Cruise zum Ausdruck. Mit "Natural Born Killers", einer Hymne auf das Killerpärchen Mickey und Mallory Knox, handelte er sich den Vorwurf der Gewaltverherrlichung ein. In "JFK" skizzierte er ominöse Intrigen um den Kennedy-Mord. Sein Film "Commandante" wurde von Kritikern als spontan-unkritisches Bild von seinem Freund Fidel Castro verrissen.

"Alexander" floppte

Darüber hinaus produzierte er Milos Formans "Larry Flint - Die nackte Wahrheit" und führte Regie bei "U-Turn - Kein Weg zurück". Das darin geschilderte Martyrium eines von Mafiakillern verfolgten Kleingangsters, nach John Ridleys Roman "Stray Dogs", ist ihm zufolge der "nihilistischste Film", den er je gedreht hat. Eines seiner aufwendigsten und kostspieligsten Leinwanddramen, das Epos "Alexander", fiel 2005 bei Kritikern und Publikum durch und wurde zum Kassenflop.

Außer mit seinen Filmen findet sich Oliver Stone auch hin und wieder wegen Drogendelikten oder Kommentaren zu seinem ehemaligen Studienkommilitonen an der Yale Universität, George W. Bush, in den Schlagzeilen. Aus seiner Meinung über den US-Präsidenten macht er keinen Hehl: "Ein Ex-Alkoholiker, der an Jesus glaubt - kann es etwas Gefährlicheres geben?"

Gisela Ostwald/DPA