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Quo vadis?: Tote Sprache? Warum Radiostationen Nachrichten auf Latein senden

Wir befinden uns im Jahr 2018. Latein ist ein notwendiges Übel in Schule oder Studium. Für alle? Nein! Einige unbeugsame Radiosender hören nicht auf, die angeblich tote Sprache in die Welt zu senden. Doch es werden immer weniger – auch wenn die Nachfrage durchaus vorhanden ist.

Statue von Cicero

Was Cicero wohl über die Weltpolitik von heute gedacht hätte?

"Trump reclamationes vehementissimas excitavit." Der Satz klingt wie ein jahrtausendealtes Cicero-Zitat oder der Ausspruch eines römischen Centurios in einem " und Obelix"-Band, wäre da nicht der Name des US-Präsidenten. Tatsächlich handelt es sich um hochaktuelle Weltpolitik. "Heftige Proteste nach Trump-Entscheidung" ließe sich die Schlagzeile übersetzen – es geht um die Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels.

Für die lateinischen Nachrichten von Radio Bremen war diese Meldung die wichtigste Nachricht im Dezember 2017 – und gleichzeitig die letzte in ihrer Geschichte. Monat für Monat fassten die "Nuntii Latini" ("Lateinische Nachrichten") das Weltgeschehen schriftlich und in einem Podcast zusammen. Dort konnte man sich anhören, wie die alten Römer wohl über die heutige Zeit gesprochen hätten – wenn sie nicht gesagt hätten: Difficile est saturam non scribere. (Es ist schwierig, (darüber) keine Satire zu schreiben.)

Doch zum Jahresende wurde die Rubrik nach 16 Jahren eingestellt.

Radio Bremen stellt lateinische Nachrichten ein

"Es fehlt einfach die Zeit", begründete Redaktionsmitglied Hannelore Zöllner auf der Website des Senders den Schritt. Mit einem kleinen Team aus Altphilologen und Lehrern hatte sie das Liebhaberprojekt betreut: "Es ist etwas, das man mit dem Herzen und mit Freude tun muss. Es ist nicht nur Hobby – es ist schon ein klein bisschen Besessenheit!" Oder wie Seneca wusste: "Vita brevis, ars longa." (Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang.)

Damit verschwindet die lateinische Sprache (vorerst) endgültig aus den deutschen Mainstream-Medien. Ihren Platz als Weltsprache hat längst Englisch eingenommen, Latein wird nur noch an Gymnasien, in einigen Studiengängen an der Universität und im Vatikan gebraucht. Ist die tote Sprache also endgültig tot – oder lebt auch hier der Totgesagte länger?

Das Team von hat zumindest alles getan, um das Latein ins 21. Jahrhundert hinüberzuretten. Im Internet treffen sich die Liebhaber der alten Sprachen, und für moderne Phänomene wurden sogar regelmäßig neue Worte erfunden.

Radiosender in Finnland sendet auf Latein

So machen es auch die Kollegen beim finnischen Radiosender YLE. "Schnelle Eingreiftruppen" heißen dann "cohortes reactionis rapidae". "Genforschung" hat die Redaktion mit "investigatio genorum" übersetzt. Das Internet durfte übrigens weiter Internet heißen. 

Nach dem Aus der deutschen Sendung ist die finnische Station das wohl einzige Medium, das noch auf Latein sendet – neben Radio Vatikan natürlich, das sich allerdings nur mit Themen rund um die Katholische Kirche beschäftigt. Auch ihre Sendung heißt "Nuntii Latini", seit 1989 geht sie schon über den Äther. Das Nachrichtenmagazin wird wöchentlich freitags um 18.15 Uhr ausgestrahlt – zur besten Radiozeit also.

Tausende Hörer protestieren gegen Absetzung

"Ich nehme an, dass 'Nuntii Latini' in Finnland sehr bekannt ist, weil es genau vor den Hauptnachrichten ausgestrahlt wird", sagte Redakteur Antti Ijas 2013, als ihn die "Deutsche Welle" für eine Reportage besuchte. Aber nicht nur das: Online hat die Sendung eine große Zuhörerschaft in aller Welt. Wie viele Fans es exakt sind, das wusste niemand so genau – bis der Sendung kürzlich ebenfalls der Saft abgedreht werden sollte.

Rund 10.000 Hörer protestierten gegen die Entscheidung des Senders, die Nachrichten auf Latein zum Jahresende 2017 abzusetzen. Die Zuschriften kamen aus ganz Europa, aber auch aus den USA und aus Asien. Und wieder einmal behielt Vergil recht: "Labor omnia vincit." (Harte Arbeit besiegt alles.) Mindestens bis 2019 – dem 30-jährigen Jubiläum der Sendung – darf "Nuntii Latini" in weitersenden. 


Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo