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Kulturfestung Mark: Diese Magdeburger gehen Spargel stechen, um die Kultur vor der Corona-Krise zu retten

Die Kulturfestung Mark ist eine Institution in Magdeburg. Wegen des Coronavirus mussten alle Veranstaltungen abgesagt werden. Doch statt sich im Selbstmitleid zu suhlen, fahren die Mitarbeiter nun aufs Spargelfeld - und spenden das Geld. Eine Geschichte, die Mut macht.

Ein Foto aus Zeiten vor der Corona-Krise

Ein Foto aus Zeiten vor der Corona-Krise

Durch das Coronavirus ist die Reisefreiheit in ganz Europa eingeschränkt. Einfach mal schnell von Polen nach Deutschland fahren - unmöglich. Das bekommen seit Wochen auch die hiesigen Bauern zu spüren. Aktuell fehlen bundesweit 300.000 Erntehelfer, besonders stark betroffen ist die Spargelernte.

Und auf der anderen Seite gibt es jede Menge Menschen, die in Kurzarbeit tätig sind oder gezwungenermaßen zuhause sitzen. Es sind Menschen, die gerne arbeiten würden, es aber unter den aktuellen Umständen nicht können.

Menschen wie Christian Szibor. Er ist Geschäftsführer der Kulturfestung Mark, einem Veranstaltungszentrum im Norden Magdeburgs. Es ist eine Instanz der Freien Kulturszene der Landeshauptstadt, nur wenige Meter entfernt von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Um die Ausbreitung des Coronavirus in Sachsen-Anhalt einzudämmen, mussten jedoch auch hier alle Konzerte und Events bis zum 19. April abgesagt werden. Seitdem sind die 19 Mitarbeiter der Kulturfestung Mark in Kurzarbeit.

Das Team der Festung Mark in Magdeburg

Das Team der Festung Mark in Magdeburg

Geld sammeln für die Kulturszene

Die einen brauchen dringend Hilfe, und die anderen haben plötzlich Zeit - warum also nicht beides verbinden, und das noch zu einem guten Zweck? Deshalb nahm Szibor Kontakt mit dem Spargelhof Bamme auf, einem kleinen Familienunternehmen in der altmärkischen Angern, rund eine halbe Autostunde entfernt von der Kulturfestung Mark. Szibor erklärte sich bereit, ehrenamtlich auf dem Spargelhof auszuhelfen. Den  Lohn möchte er in einen Hilfsfonds investieren, welcher der freien Kulturszene Magdeburgs zugutekommen soll. "Wir wollen ein Beispiel sein und die freien Künstler motivieren, bei unserer Sache mitzumachen. Ich hoffe, diese Aktion ist der Startschuss einer hoffentlich sehr großen solidarischen Bewegung." 

Untätig herumsitzen sei nicht sein Stil, wie er im Gespräch mit dem stern erzählt. "Jammern hat noch nie geholfen und wir müssen aktiv nach vorne schauen - mit kreativen Ansätzen", sagt Szibor. "Wir sind in einer Notsituation für die niemand etwas kann und müssen solidarisch zusammenstehen." Er hofft, dass weitere Künstler und Kultureinrichtungen seine Idee aufgreifen und ähnliche Aktionen in ihren Städten initiieren. Und vielleicht sogar dass das eine oder andere Großunternehmen vom Tatendrang der Magdeburger begeistert ist und den Hilfsfonds unterstützt.

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Bis dahin ist Spargelernten angesagt. Losgehen sollte es eigentlich schon am Mittwoch. Doch die Temperaturen lagen um den Gefrierpunkt, zu kalt zum Stechen. Deshalb wagt das Team an diesem Freitag um sechs Uhr morgens einen weiteren Anlauf. "Mit so einer Aktion gewinnt man auch ganz großen Respekt und Wertschätzung für die Landwirtschaft. Bei Wind und Wetter auf dem Feld zu stehen, damit wir gesund versorgt werden, sehen viele als selbstverständlich."

Weitere Hintergründe zur Aktion gibt es auf der Webseite der Festung Mark

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