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Ausstellung zum Ulrich Seidl-Film: Sex-Safari zu hautnah

Nach Kenia für ein Abenteuer, ein wenig Liebe und etwas Sex: Der Filmemacher Ulrich Seidl zeigt die Abgründe unseres Lebens, per Film und Ausstellung in Berlin - in kaum auszuhaltenden Bildern.

Von Anja Lösel

Teresa fährt auf Sex-Safari nach Kenia. Endlich mal was Schönes erleben, einen netten schwarzen Lover Boy finden, sich ein bisschen verlieben und glücklich sein - wenigstens für ein paar Wochen. Dass Teresa schon 50 ist und ein wenig übergewichtig, schmälert ihre Chancen zu Hause in Österreich. Aber die Afrikaner, so hofft sie, gucken gnädig hinweg über die paar Pfunde.

Auf das "echte Leben" hat der Wiener Regisseur Ulrich Seidl sich spezialisiert. In seiner Filmtrilogie "Paradies: Liebe. Glaube. Hoffnung" zeigt er es so dicht und hautnah, dass man immer mal wieder weggucken möchte. So genau wollte man es gar nicht wissen: Da wabbelt der Bauch, hängt die schwere Brust bis zum Bauchnabel. Erbarmungslos blickt Seidl nicht nur auf Teresa und ihre Freundinnen, die sich in Kenia allesamt ein Abenteuer erhoffen, sondern auch auf ihre Sex-Spielzeuge. Die sind nämlich weder besonderes hübsch, noch charmant oder erotisch, sondern einfach nur arme Kerle, die aus purer Not ihre Körper zu Geld machen. Sex-Tourismus mal umgekehrt, aber nicht weniger grässlich als in Thailand, wo fette Kerle sich minderjährige Mädchen kaufen.

Die Katholikin, die Jesus etwas zu sehr liebt

"Ich sag dir, die Haut musst du einmal riechen von denen. Das vergisst du nicht mehr", schwärmt eine der abenteuerlustigen Damen. "Von wem?" - "Na, von den Negern. Das riecht wie Kokos, und ich könnte sie dauernd abschlecken und hineinbeißen." Da ist man noch ganz am Anfang des Films und kichert verschämt, aber schon bald bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Hier sind alle verzweifelt. Die westlichen Frauen, weil sie schnell erkennen, dass es nur um Geld geht und sie für jede Berührung zahlen müssen. Die kenianischen Boys, weil sie sich verkaufen müssen, um ihre Familien zu ernähren. Und das ist Schwerstarbeit, wie eine gruselig unerotische Stripszene zeigt.

In Berlin zeigt Ulrich Seidl nun auch noch Fotos aus den drei "Paradies"-Filmen "Liebe", "Glaube" und "Hoffnung". Grobkörnig und sehr plakativ hängen die Bilder im Berliner Postfuhramt. Die nackte Teresa aus "Liebe". Anna Maria aus "Glaube", wie sie in fleischfarbener Unterhose vor dem Kruzifix kniet - eine fanatische Katholikin, die Jesus so sehr liebt, dass sie ihn auch sexuell begehrt. Und Melanie aus "Hoffnung", die im Diätcamp endlich abnehmen soll und sich stattdessen in einen Betreuer verliebt.

Bitter, traurig und hart sind Seidls Filme

Aber warum eigentlich soll man sich diese Fotos ansehen? Wer die Filme kennt, für den sind die Bilder langweilig und allzu starr. Wer sie nicht kennt, dem erzählen sie zu viel, so dass er nicht mehr ins Kino gehen wird. Eigentlich sind sie überflüssig.

Ulrich Seidl ist natürlich anderer Meinung. Er steht mitten in der Ausstellung, ein kleiner, blonder Mann im dunklen Anzug, und erzählt, erklärt, erläutert in weichem Wiener Tonfall. "Ich liebe es, hautnahe Bilder zu machen, Menschen ungeschminkt in ihrer Physis zu zeigen", sagt er. "Im Ungeschönten liegt für mich so etwas wie Schönheit." Die Fotos seien "geplant wie ein gemaltes Bild" und "sorgfältig komponiert". Für ihn sind sie "Bilder, die die ganze Welt beschreiben" - in einem einzigen Tableau. Er wagt sich sogar noch weiter nach vorn: "Ich bin mit der katholischen Kirche groß geworden. Deshalb sind meine Bilder wie Altarbilder."

Bitter, traurig und hart sind Seidls Filme. Trotzdem behauptet er: "Ich will die Leute zum Lachen bringen." Wer das nicht kann, der hat zu wenig Abstand oder ist peinlich berührt davon, dass hier eigentlich alle Opfer sind: die unattraktiven Frauen, die dicken Kinder, die fanatischen Christen. Und natürlich die von Seidl gecasteten Kenianer, die alle auch im wirklichen Leben Sex Boys sind, benutzt und bezahlt - sogar vom Regisseur. "Ich will nicht missionieren oder erlösen, ich bin kein Sozialarbeiter", sagt Seidl dazu.

"Ich habe die ganze Zeit vor Lachen geschrien"

Mit schalem Gefühl geht man nach Hause, im Kopf ein Zitat des US-Regisseurs John Waters am Ausgang der Ausstellung. "Ich habe während 'Paradies: Glaube' die ganze Zeit vor Lachen geschrien", steht da in großen Lettern, "und wenn ihr nicht völlig verkehrt tickt, tut ihr das auch." Hm. Schwer nachvollziehbar. Da ist uns doch Werner Herzog näher. Der sagt über Seidls Filme: "Noch nie habe ich im Kino so geradewegs in die Hölle geschaut." C/O Berlin, Postfuhramt, bis 17. März

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(