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Jagd auf vermeintliche Fehler Britischer Grammatik-Pingel killt nachts Apostrophe

Ein fehlerhaftes Schild, darunter der Brite in Aktion
Der Plural englischer Motoren braucht einfach kein Apostroph. Gut, dass das wenigstens einer weiß!
© Screenshot BBC Radio Bristol
Susi's Schnitzelbude, Bruno's Käseladen und wie sie alle heißen: Das falsch gesetzte Apostroph verfolgt uns auf Schritt und Tritt. In Großbritannien hat ein Einzelkämpfer die Nase voll davon: Seit 13 Jahren korrigiert er fehlerhafte Schilder. Heimlich.

Sie nennen ihn den Banksy der Interpunktion, denn seine wahre Identität gibt auch dieser Brite nicht preis. Im Gegensatz zu seinem berühmten Namensgeber drückt er sich aber nicht durch Graffito-Kunst an Hauswänden aus, sondern ganz im Gegenteil: Er entfernt Dinge. Meistens handelt es sich dabei um falsch verwendete Apostrophe, die ihr unberechtigtes Dasein auf Schildern oder an Ladenfronten fristen – und die sind ihm ein Graus.

Seit 13 Jahren zieht der Grammatik-Nerd durch die Straßen, schwer bewaffnet mit einem selbst erfundenen "Apostrophiser", seinem verlängerten Arm, der ihm hilft, auch an die besonders hoch angebrachten Schilder zu gelangen. Eigentlich handelt es sich bei dem Gerät um eine Art Besenstil mit einem rechtwinklig angebrachten Aufsatz, dessen Enden pinseln können. So bewehrt, oft noch mit einer zusätzlichen Leiter, geht der falsche Banksy auf die Jagd. Sorgfältig vermummt und geschützt von der Dunkelheit der Nacht. BBC Bristol Radio durfte ihn begleiten und hat ihn bei der Arbeit gefilmt.

"Das ist eine Sache, die den Einsatz wert ist", erklärt der fleißige Korrektor in dem Beitrag der BBC. Auch wenn er bei seinen Streifzügen nervös ist und sein Herz rast, bestreitet der Mann, dass er etwas Unrechtmäßiges tut. Seiner Ansicht nach "ist falsche Apostrophe zu setzen das größere Verbrechen". Viel lieber noch als Pinsel und Farbe setzt der Brite Sticker ein, mit denen er die mangelhafte Interpunktion überklebt. Und man muss kein Freak sein, um zu erkennen, dass seine Arbeit die reinsten Augenschmeichler hinterlässt: korrekte Genitive, Plurale und besitzanzeigende Fürwörter.

Hätten wir einen Wunsch frei, würden wir den Mann nach Deutschland holen. Obwohl in der deutschen Sprache nur sehr selten der Einsatz von Apostrophen notwendig ist, schmeißen Ladenbesitzer allzu gern mit dem kleinen Zeichen um sich. Ein Pingel mit Apostrophiser wäre jemand, den auch deutsche Ladenfronten bräuchten.


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