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Trauer um Mode-Fotografen Vor Oliver Rath ließen die Promis die Hüllen fallen


Oliver Rath provozierte gern. Frech, erotisch und urban – so prägte er das Bild des Berliner Nachtlebens. Der Instagram-Account zeigt die wilde Schaffenskraft des Berliner Star-Fotografen, der in der Nacht zu Freitag im Alter von 38 Jahren starb.

Erinnert man sich an die bekanntesten Fotos von Oliver Rath, glaubt man sein Leben wäre eine wüste Orgie gewesen. Scooter-Frontmann H. P. Baxxter (52) posierte mit nackten Models an der Leine,  Raths Muse Sophia Thomalla ließ sich in Fetisch-Kleidung ablichten. In einem seiner letzten Shootings setzte er fast nackte Models  auf Hitlers "Reichsparteitagsgelände" in Nürnberg in Szene. Erotik dort, wo Leni Riefenstahl den "Triumph des Willens" inszenierte. Muss das das sein? Für Rath musste es sein.

Aber der Eindruck des reinen Foto-Rabauken täuscht. Auf seinem Facebook-Profil heißt es über seinem Kondolenzbuch: "Abschied einer Seele von Mensch". Viele seiner Modelle haben sich dort eingetragen und gedenken des Ausnahme-Fotografens. Anders als die provokanten Motive nahelegen, war Oliver Rath am Set ein sanfter, gefühlvoller Mensch. Er trieb seine Models nicht zu den exaltierten Posen, er gab ihnen die Ruhe und Sicherheit, aus sich selbst herauszukommen.

Raths Manager Alain Midzic sagte der "B.Z".: "Seine Freunde sind geschockt, genauso wie seine Familie. Er war nicht nur ein begnadeter Fotograf, sondern auch ein guter Freund, Everybody’s Darling."

Aber er selbst lebte immer auf der Überholspur. In einer Nacht der Feiern und der Exzesse. Wie auf seinen Bildern gab es auch für ihn keinen tristen Alltag, keine Routine  keine Wiederholung. Der Journalist Markus Hoffmann beschreibt eine Fotosession in Freiburg: Mitten im Supermarkt steht eine halbnackte Frau. Rath will sie beim Trinken einer Tüte Vollmilch schießen. Abgesprochen mit dem  Supermarkt ist nichts. Rath weiß: "Wir werden hier in hohem Bogen rausfliegen." Und so kommt es auch, nach wenigen Sekunden werfen die Sicherheitsleute die ganze Crew aus dem Laden. Also auf zum nächsten Laden. Da passt neimand auf, sie haben mehr Glück und Rath dann doch sein Foto.

"Runterschalten" gab es für ihn nicht. Immer wieder eckte er an. Etwa als er in New York seine Aufkleber auf Wände und Laternen anbrachte. Im schmuddeligen Berlin ist das "Stickern" total normal aber nicht im heutigen New York von Zero Tolerance. "Ich hatte gerade zwei Sticker an eine Laterne am Broadway geklebt. Plötzlich kamen Zivilpolizisten. Sie prügelten sofort auf mich ein! Dann haben sie mich für 13 Stunden in eine Einzelzelle voller Kakerlaken und 20 Stunden in eine verdreckte Massenzelle gesteckt," klagte er in der Bildzeitung seinen Kulturschock.

Sophia Thomalla erinnert mit einem gebrochenen Herzen an Oliver Rath 

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Ein von Sophia Thomalla (@sophiathomalla) gepostetes Foto am

Abschied einer Seele von Mensch- Das Kondolenzbuch von Oliver Rath.


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