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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Der Echo ist tot. Es lebe "der goldene Widerhall 2019"

Die Marke Echo ist tot. Doch anstatt sich zu fragen, wieso Bullybarden wie Farid Bang und Kollegah so viele Einheiten verkaufen, um in die Nähe von Preiswürdigkeit zu kommen, cancelt man lieber die gesamte Veranstaltung.

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Echo-Verleihung

Für Kollegah und Farid Bang war es die letzte Echo-Verleihung - und für alle anderen Künstler auch.

AFP

Neuanfang. Ein Wort, das für sich bereits so abgegriffen ist, dass man für eben diesen eigentlich ein neues Wort, ja, einen Neuanfang bräuchte.  hat dies schon zu spüren bekommen. Die Verantwortlichen des Echo kommen da erst noch hin.

Seit dem musikalischen Aschermittwoch ist klar: Die Marke Echo ist tot. Verbrannt. Belastet. Kontaminiert. Mit dem linguistischen bereits auf dem Wege in den Sprachsalzstock, wo bereits der Negerkuss, das Zigeunerschnitzel oder der Spasti lagern.

Tschüß. Wenn man dem glauben darf, wie die Vorgänge um die Verleihung der beiden Tourette-Rapper gelaufen sein sollen, tut einem das Ganze noch weniger leid, als ohnehin schon.

Da tagt also eine Kommission und stellt überrascht fest, dass die Texte der beiden Flachbanklyriker selbst für den Echo zu schlimm sind und beschließt: Die können wir nicht auszeichnen. Davon bekommt die Plattenfirma Wind und erinnert sanft daran, dass es in Deutschland etwa drei große Plattenfirmen gibt - und sämtliche ihrer Künstler künftig nicht mehr beim Echo erscheinen werden.

Das geht natürlich nicht. Die beiden bekommen ihren Preis. Der Skandal ist da. Und hat eine größere Halbwertszeit als kalkuliert. Ein Schwall von Echo-Retouren geht über Sangesdeutschland hernieder, als gäbe es Abwrackprämie dafür.

Die Folge: Die Verleihung wird abgeschafft. Der Plattenfirma geht eine wichtige Plattform zur Präsentation ihrer Künstler verloren. Und den anderen gleich mit. Hoden schlägt Hirn. Oh, verdammte Hybris. Ikarussendisko. Und jetzt?

Wie sagte Oliver Polak so richtig: "Die bessere Eilmeldung wäre: Antisemitismus wird abgeschafft." Das wäre allerdings sehr unwirtschaftlich.

Wir verschrotten den Bus, weil die Passagiere uns nicht gefallen

Anstatt sich mit den Gründen zu befassen, wie es dazu kommen kann, dass so Bullybarden wie Bang & Blume oder irgendwelche Schunkelfaschos überhaupt so viele Einheiten verkaufen können, um in die Nähe von Preiswürdigkeit zu kommen, cancelt man lieber die gesamte Veranstaltung. Wir verschrotten den Bus, weil die Passagiere uns nicht gefallen.

Logo. Hier geht es um die Marke. Eine Preisverleihung kannst du nicht in die Suchtklinik oder zur Verhaltenstherapie schicken, um dann irgendwann geläutert zurückzukehren. Die etikettiert man um, macht daraus einen Jurypreis - und freut sich, dass diese ganze Borderlinerprosa sich weiter so schön verkauft. Man freut sich halt nur ein wenig weniger öffentlich.

Mit neuen Statuten müssen die schmuddeligen Leistungsträger ja nicht mehr unbedingt auf die Bühne. Das finden die Werbepartner gut. Und auf die Schulter klopfen kann man sich auch auf der After Show Party. Und die ist echt zu gut, um jetzt so gar keinen Preis mehr auszuloben, oder? Eben.

Der Echo ist tot. Es lebe "der goldene Widerhall 2019"!

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