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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier Deutschland sucht den Schwurbelstar – wer ist der Nächste?

Micky Beisenherz über Michael Wendler
Michael Wendler ist unter die Verschwörungstheoretiker gegangen
© Stefan Gregorowius / Picture Alliance
Attila Hildmann hat angekündigt, nach Michael Wendler demnächst einen weiteren Prominenten aus dem Aluhut zu zaubern. Und jetzt rätseln natürlich alle, wer es sein könnte. 
Von Micky Beisenherz

Deutschland hält gebannt den Atem an. Seitdem sich Schnappoleon Attila Hildmann aus seinem Schwurbel-Exil Telegram gemeldet und angekündigt hatte, demnächst einen weiteren Prominenten aus dem Aluhut zu zaubern, rätseln natürlich alle, wer es sein könnte.

Attila Hildmann kündigt nächsten Prominenten an

Schon werden einige Gesichter toxischer Männlichkeit als kommende Foliengläubige gehandelt. Wer hat zu genau hingehört, als Darth Vegan sprach: "Komm auf die dumme Seite"? Wer auch immer es sein wird, die Person dürfte Skrupel haben, sich zu (black)outen. Klar, als Verschwörungsesoteriker verlacht zu werden ist jetzt auch nicht so schön, aber schlimmer ist doch, überall über sich lesen zu müssen, "auf den Wendler zu folgen". Naidoo – okay, der hat zumindest mal die Nationalelf ins Halbfinale gesungen, aber der Wendler? Das möchte man wirklich nur ungern.

Zugegeben, der Wechsel verursacht mehr medialen Wirbel, als man das von einem Land erwarten durfte, das sich darauf verständigt hat, solchen Figuren keine Aufmerksamkeit zu schenken. Als sich der Baumarkt-Elvis Michael Wendler mittels Insta-Bekennerschreiben aus der gesellschaftlichen Mitte verabschiedet hatte, da wurde bei RTL und Co. darüber berichtet, als hätte Angela Merkel überraschend erklärt, Nawalny mit einer Capri-Sonne vergiftet zu haben.

Michael Wendlers Telegram-Account hat auch was Positives

Man muss den Sänger aber auch mal loben: Der Wendler ist der Houdini der Karriereplanung – kein beruflicher Erfolg, aus dem er sich noch nicht erfolgreich wieder heraus gewunden hätte. Außerdem, seit dem Wechsel zum neuen Label: Die Texte sind besser geworden. Der deutsche Robbie Williams wollte er sein, der deutsche Kanye ist er geworden. Aber das mit dem Telegram-Account, man muss es auch mal positiv sehen: Endlich zeigt man sich Wendler-Content auf dem Handy, ohne sich gleich dessen Schniedel ansehen zu müssen.

Zur Stunde sind Merkel und Drosten noch im Dienst – der "Rücktritt" aus der DSDS-Jury funktioniert als Druckmittel, um die Maskenpflicht und Reisewarnungen zurückzudrehen also nur so mittel. Bei seinem ehemaligen Kanal RTL derweil dürfte man unter Hochdruck schwitzen, den Querdümpler irgendwie aus dem bereits mit ihm gedrehten Material zu entfernen, da zwischen dem Eintritt in die Hildmannsche Parallelwelt und dem ersten antisemitischen Eintrag in der Regel nur wenige Tage vergehen, und das will sich nun wirklich kein Konzern ans Bein binden. Man ist ja schließlich ein Fernsehsender – und nicht die Polizei!

Wenn der Kerl sich partout nicht mehr aus den Castings schneiden lässt, benutzt man einfach noch einen stärkeren von den Filtern, mit dem man Bohlen von Mitte Siebzig auf Mitte Zwanzig runter pixelt. Wenn der Grafiker der feierlichen Weichzeichner-Corona um das blondierte Jurorenreptil einen etwas größeren Radius verpasst, verschwindet der Zeuge Attilas praktisch hinter einer Milchglasscheibe. Fall erledigt.

Menderes hat sich in Stellung gebracht

Xavier Naidoo, Michael Wendler … mehr Pech mit Männern als DSDS hatte zuletzt nur Cora Schumacher. Zuletzt hatte sich sogar Menderes in Stellung gebracht, um den gefallenen Barden mit dem Erdal-Bart zu ersetzen – und man ist fast geneigt zu sagen: Diese Neubesetzung wäre für das Format ein Schritt zurück in die Normalität. Was bleibt, ist die Frage, was die Menschen, vorzugsweise Männer überhaupt dazu treibt, sich so tief in diese Sinnsuchaggressionen hinein zu wuchten, bis sie als Telegramgelist enden. "Kunstschaffende", deren innere Leere so groß zu sein scheint, dass eine stattliche Zahl an Publikum nicht mehr ausreicht, um fehlende Umarmungen in der Kindheit zu ersetzen.

Naidoo, Wendler, Helena Fürst, Eva Herman, Hildmann – es sind mittlerweile so viele prominente Pandämliche zusammen gekommen. Es heißt nicht mehr Telegram, sondern Sommerhaus des SARS. Und wir, die sensationslüsternde Meute, warten gebannt darauf, wer der nächste ist, sich aus den gesellschaftlichen Fesseln zwischen Paprikaschnitzel und Gendersternchen zu befreien.

Wen wird uns das Schwurbel-Konklave präsentieren? Wird brauner Rauch aufsteigen? Wer wird es sein? Wann dürfen wir endlich sagen: Habemus Plemplem? Eine Art #AppleEvent, nur dass man hier auf ein Exemplar wartet, das bereits beschädigt auf die Bühne kommt. Es bleibt spannend.

Ich bin so aufgeregt.


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