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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Gluten Morgen!

Am Anfang war der Ingwer, nun wird Superfood heidnisch verehrt und manche Zutat panisch gemieden. Leberwurst ist E10 – Acerola macht schön!

Südamerika ist toll. Das fand schon Opa. Der ist nicht nur wegen des schönen Wetters da hingezogen. Nein, auch das Essen ist wundervoll. Die Açai-Beere, Lucuma oder Amaranth. Vertreter des zuletzt so gefeierten "", ohne das weder die Gastronomie noch der Lidl um die Ecke auskommt.

McDonald’s brät Burger mit Quinoa – gesünder kann es eigentlich nicht mehr werden. Hoffentlich gibt es den Kuemmerling bald auch mit MatchaExtrakt. Der Konsument lebt heutzutage bewusst. Leberwurst ist – Acerola ist super! Man fühlt sich einfach fitter und schöner.

"Die ohne schädliche Zusatzstoffe"

Spätestens als ein heiserer Geselle in der Tankstellenschlange vor mir beim Zigarettenkauf darauf bestand, "die ohne schädliche Zusatzstoffe" zu bekommen, war mir klar, dass in Sachen Ernährung ein anderer Wind weht. Wir leben in Zeiten, da Zutaten hymnisch verehrt oder panisch gemieden werden. So wird in den hippen Metropolen fröhlich ohne Kondom gevögelt, während dir beim Frühstück danach das Weizenbrötchen empört aus der Hand geschlagen wird. Morgen!

Wo wir gerade dabei sind: Früher musstest du im Wege der Kopulationsanbahnung noch Champagner und Sushi auffahren. Heute reicht eine reife Avocado, und das Objekt der Begierde rennt dir fast die Tür ein.

Manch einem Hyperfraß wird geradezu heidnische Verehrung zuteil. Enthält ein Müsli auch nur eine Spur von mexikanischen Chia-Samen, gibt es im Szenecafé einen Tumult, als würde der Ring von Frodo unter den Gästen ausgelost. Begonnen hat dieser Irrsinn, als der drollige Kochyoda Alfons Schuhbeck anfing, einer ganzen Nation seine Ingwerwurzel reinzudrücken – so eine Art Madonna von Lourdes zum Raspeln.

Ich träume ja davon, sollte ich beim stern nicht mehr meine monatlichen Millionen kassieren, mich mit der Einführung einer neuen Trendspeise finanziell gesundzustoßen. Dabei muss man nicht besonders kreativ sein. Vermutlich reicht es, das Zeugs zu nehmen, das die Nachbarn am Samstag aus den Fugen ihrer Einfahrt kratzen. Dem verpasse ich einen klangvollen Namen, am besten spanisch, und schmiere es zwischen zwei Vollkornbrotscheiben. Avocadocreme drauf, ein, zwei Walnüsse, und fertig ist die "Mala Hierba"Super knifte.

Aber sollen sie doch unseren Bärlauch essen!

Die Uraufführung des neuen Superfoods sollte in Berlin-Mitte stattfinden, dem Epizentrum kritikloser Trendadaption. Das ist dort, wo sich auch junge, gut aussehende Männer voller Wonne in flusige Wiedergänger des Typen verwandeln, der vor 30 Jahren im WDR"Telekolleg" zu sehen war.

Superfood ist ein toller Trend. Es entgiftet uns. Und sei es nur deshalb, weil der ganze Mist so teuer ist, dass das Geld für Bier und Zigaretten einfach nicht mehr reicht. Traurig nur, dass sich weite Teile der südamerikanischen Bevölkerung ihr eigenes Boom-Food nicht mehr leisten können. Aber sollen sie doch unseren Bärlauch essen! Wir wollen ihn eh nicht mehr!

Neuerdings aber warnen Ärzte vor der Avocado. Genauer: vor möglichen Schnittverletzungen beim Aufschneiden der diabolischen Frucht. In puncto Dangerfood hat die Avocado Kugelfisch und Nachmitternachtsdöner abgelöst. Ich weiß das deshalb, weil ich mich an dieser fetthaltigen Nahtoderfahrung eben selbst verletzt und schwere Wunden an der Hand davongetragen habe.

Ich denke, ich werde mir gleich erst mal einen Ingwertee raspeln. Man hört ja viel Gutes über die heilenden Kräfte dieser Wurzel.

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