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"Bundesvision Song Contest": Hauptsache Deutschland gewinnt

16 Künstler aus 16 Bundesländern im Wettstreit - alljährlich inszeniert sich Stefan Raab beim "Bundesvision Song Contest" als Prophet deutscher Popkultur. Doch angesichts der wenigen Newcomer-Acts hat der Wettbewerb mit Nachwuchsförderung nur wenig zu tun.

Von Verena Stöckigt

Weil Stefan Raab mit seinen Engagement beim Eurovision Song Contest den Sieg nie erringen konnte - und der TV-Total-Moderator ist bekanntlich ja ein schlechter Verlierer - hob er 2005 seinen eigenen Grand Prix aus der Taufe. Bei der diesjährigen Veranstaltung in der ausverkauften TUI-Arena in Hannover treten 16 Bands für jeweils ein Bundesland in den Wettstreit, die Fernsehzuschauer stimmen per Telefon und SMS über den Gewinner ab. Im Gegensatz zur europäischen Ausgabe des Liederwettbewerbs geht beim Bundesvision Song Contest (kurz: BuViSoCo) immer ein deutscher Beitrag als Gewinner hervor. Das gelang beim Grand Prix D'Eurovision zuletzt Nicole mit "Ein bißchen Friede" 1982.

Werbung oder Förderung

Gastgeber Raab gefällt es, wenn er mit seinem Bundesvision Song Contest als Förderer von musikalischem Nachwuchs und deutschsprachiger Kompositionen gefeiert wird. In erster Linie ist die von ProSieben live-übertragene Veranstaltung aber eine reine Unterhaltungsshow, bei der neben wenigen Newcomer-Bands (in diesem Jahr sind es unter anderen Paulsrekorder, Peilomat und Casino Zero) vorwiegend etablierten Gruppen wie Culcha Candela, Laith Al Deen und Sportfreunde Stiller, eine Plattform geboten wird, neue oder passend zum Anlass wiederveröffentlichte Alben zu bewerben. Zugelassen wird nur, wer seinen Song in deutscher Sprache vorträgt. Auch hier stellt sich die Frage, ob Musik mit deutschen Texten überhaupt noch einer Förderung bedarf, schließlich lernen seit Tokio Hotel neuerdings sogar französische Teenager Deutsch und zwar freiwillig.

Bundesvision Song Contest: Wer darf hin?

Über die Auswahlkriterien der BuViSoCo-Kandidaten ist wenig bekannt. Es gibt kein offizielles Regelwerk, angeblich sollen Radiostationen, die das Ergebnis ihres Bundeslandes in einer Live-Schalte verkünden, bei der Bestimmung der teilnehmenden Bands ein Mitspracherecht haben. Laut Universalmusic (Sportfreunde Stiller, Madsen, Culcha Candela) müssen sich die Bands bei der Produktionsfirma des Bundesvision Song Contest bewerben. Wie die finalen Kandidaten bestimmt werden, dazu äußerte sich Brainpool bislang nicht.

Juli, Seeed & Oomph! -die Gewinner der Vorjahre

Der Austragungsort des vierten "Grand Prix der Bundesländer" ist Niedersachen, das Bundesland der Vorjahresgewinner Oomph!. Die Goth-Metaller sicherten sich mit Unterstützung von Die-Happy-Sängerin Marta Jandová den Sieg. In den Jahren zuvor waren es Juli und Seeed, die den Cup nach Hause holten. Alle drei Acts verkauften schon vor ihrer Teilnahme am BuViSoCo beachtliche Albenmengen. Julis 2004er Debüt schoss bis auf Platz 2 der deutschen Charts, das "mobile Reggae-Sondereinsatzkommando" Seeed hatte vor seinem Sieg bei Stefan Raab bereits drei ECHO und zwei Goldene Schallplatten in der Tasche. Auch Oomph! sind kein unbeschriebenes Blatt. Mit ihrer CD "Wahrheit oder Pflicht" gelang der ehemaligen Undergroundband 2004 der Durchbruch, auch wenn es um das Trio inzwischen wieder ruhiger geworden ist.

Die Newcomer des BuViSoCo 2008

Für alle bisherigen Sieger war der Bundesvision Song Contest folglich kein Karrieresprungbrett. Vielleicht kann in diesem Jahr einer der echten Newcomer durch die Teilnahme an Raabs Wettstreit im Musikbusiness Fuß fassen. Ein vielversprechender Beitrag kommt beispielsweise von einer frischen Formation namens Paulsrekorder. Mit ihrem Sound wildern die Bremer in den Achtziger und Neunziger Jahren, bei der Neuinterpretation ihrer Vorbilder Ideal, Selig und Neue Nationalgalerie gehen sie allerdings origineller ans Werk, als die Kollegen von Jennifer Rostock, die mit ihrem dahin gerotzten "Kopf oder Zahl" für Mecklenburg-Vorpommern in den Ring steigen.