"Live 8" Musik gegen Hunger und Armut


Mit Auftritten internationaler Stars in Tokio, Berlin und Johannesburg haben die Live-8-Konzerte begonnen. 20 Jahre nach Live Aid wollten die Musiker erneut auf die Not in Afrika aufmerksam machen. Allein 150.000 Menschen jubelten den Bands in Berlin zu.

Mit Auftritten internationaler Stars in Tokio, Berlin und Johannesburg haben die Live-8-Konzerte begonnen. 20 Jahre nach Live Aid wollten die Musiker erneut auf die Not in Afrika aufmerksam machen. Die Organisatoren stellten zehn Konzerte von Japan bis Kanada auf die Beine, bei denen unter anderen U2, Elton John und Paul McCartney auf der Bühne stehen.

Gute Stimmung, groovende Musik und eine politische Botschaft: Rund 150.000 Menschen haben bis zum Samstagnachmittag beim Berliner Live-8-Konzert auf der Straße des 17. Juni gefeiert, wie Polizei und Veranstalter sagten. Besonders bejubelt wurden die Auftritte der Punk-Band Tote Hosen und der Gruppe Wir sind Helden. Bis zum Abend sollten bei dem über sechsstündigen Event noch unter anderem Silbermond, Chris de Burgh, A-ha, Roxy Music und Herbert Grönemeyer zu sehen sein.

Viel Beifall für Campino

Zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor drängten sich die zumeist jugendlichen Fans. Auch die weit von der Bühne entfernt stehenden Menschen konnten gut hören und sehen: Großleinwände zeigten das Geschehen und Lautsprecher schallten über die Straße. Der Eintritt für die Veranstaltung war frei. Insgesamt sollte es in neun Städten weltweit Konzerte mit 150 Bands geben, mit denen Initiator Bob Geldof kurz vor dem in Schottland stattfindenden G-8-Gipfel auf die Probleme in Afrika aufmerksam machen wollte.

Viel Beifall erhielt vor allem Campino, Sänger der Toten Hosen. "Es ist kein Rockkonzert. Es ist eine Demonstration", sagte er unter dem Jubel der Zuschauer. Die Idee, am kommenden Mittwoch beim G-8-Gipfel in Edinburgh unter anderem für einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder zu werben, stehe über allem. Moderiert wurde die Veranstaltung von Tagesthemen-Sprecherin Anne Will.

Nur geringes Interesse in Japan

Das erste Live-8-Konzert begann am Mittag (Ortszeit) in einem Stadion am Rand von Tokio. Etwa 10.000 Menschen jubelten der isländischen Sängerin Björk und weiteren Bands zu. Allerdings traf das Konzert in Japan nur auf geringeres Interesse. Die Organisatoren zeigten sich trotzdem zufrieden und erklärten, Benefizkonzerte seien in Japan noch nicht alltäglich. Es sei jedoch wichtig, dass das Land teilnehme, da es zu den acht führenden Industriestaaten (G-8) gehöre.

In Johannesburg bildete der sambische Sänger Lindiwe den Auftakt des Konzerts auf dem Mary-Fitzgerald-Platz in der Innenstadt. Zunächst waren nur 500 Menschen erschienen, im Verlauf der Veranstaltung wurden jedoch etwa 40.000 Menschen erwartet. Auch ein Auftritt von Expräsident Nelson Mandela galt als wahrscheinlich. Das Konzert in Johannesburg wurde geplant, nachdem Kritiker erklärt hatten, es seien nicht genug afrikanische Künstler an Live 8 beteiligt. Organisator Bob Geldof sagte dazu, die größten Stars in Afrika und auch international seien eben Eminem und 50 Cent.

Reunion von Pink Floyd

Am Nachmittag (MESZ) sollten die Konzerte in London und Rom beginnen. In der britischen Hauptstadt wollten Pink Floyd zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren wieder vereint auftreten. Außerdem wurden Madonna, U2, REM, Mariah Carey und Coldplay erwartet. Schon Stunden vor der Show versammelten sich tausende Fans im Hyde Park. Mehr als 150.000 Eintrittskarten wurden verlost, die Polizei rechnete mit 55.000 weiteren Menschen vor den riesigen Leinwänden im Park.

In Rom spielten die Stars der italienischen Musikszene auf, unter ihnen Zucchero, Jovanotti, Pino Daniele und Elisa. Sie wollten auftreten im Circus Maximus, in dem bis zu eine Million Menschen Platz finden. Der römische Bürgermeister Walter Veltroni sprach vom größten Konzert in der Geschichte der italienischen Musik. Angesichts der Sommerhitze in Rom kündigten die Behörden die Verteilung von kostenlosem Mineralwasser an. In Berlin treten Wir sind Helden neben Brian Wilson, Chris de Burgh, Crosby Stills & Nash und Roxy Music auf.

Zu den insgesamt zehn kostenlosen Konzerten wurden mehr als eine Million Besucher erwartet. Die Auftritte wurden außerdem über Fernsehen, Radio und Internet übertragen.

Geldof fordert historischen Durchbruch

In einem offenen Brief forderte Geldof die Teilnehmer des G-8-Gipfels auf, die Welt nicht zu enttäuschen. Der irische Rockmusiker forderte eine Zusage über 25 Milliarden Dollar Hilfe für Afrika, einen historischen Durchbruch. Für halbherzige Maßnahmen werde es keinen Applaus geben, schrieb Geldof in dem Brief, der am Samstag in britischen Zeitungen erschien.

AP


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