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Anti-Aids-Konzert: Konzert der Superlative krönt Mandelas Aids-Kampagne

Mit einem musikalischen Feuerwerk der Superlative hat Südafrika den Höhepunkt einer Aids-Kampagne gesetzt, die weltweit Stars und Musiker mobilisiert hat.

Mit einem musikalischen Feuerwerk der Superlative hat Südafrika am Samstag den Höhepunkt einer Aids-Kampagne gesetzt, die weltweit Stars und Musiker mobilisiert hat. US- Talkshow-Star Oprah Winfrey wippte an der Seite von Ex-Präsident Nelson Mandela und seiner Frau Graca im Takt, als US-Charts-Stürmerin Beyonce Knowles im superknappen Minirock das Aids-Benefiz-Konzert eröffnete. "46664", rief sie rhythmisch das nach Mandelas einstiger Häftlingsnummer benannte Motto des Konzerts. Der Rhythmus übertrug sich im ausverkauften Green Point Stadium auf die rund 40 000 Besucher, die in Kapstadts milder Sommernacht begeistert mitsangen.

46664 – das war Mandelas Nummer als Häftling

Mandela stand auf der Bühne, auf seinem Hemd war seine Häftlingsnummer geprägt. "Ich war inhaftiert auf Robben Island, wo ich auf diese Nummer reduziert werden sollte", sagte er. 18 seiner 27 Jahre als Häftling trug er die Nummer 46664. Mandela saß wegen seines Kampfes gegen die Apartheid im Gefängnis. "Auch HIV-Infizierte drohen zu Nummern zu werden, wenn wir nicht handeln", betonte er. Schwarz und Weiß, Alt und Jung ließen sich mitreißen von der Musik, die nur kurz von Botschaften rund ums Thema Aids unterbrochen wurden. "Von Anfang bis Ende war hier Partystimmung, auch wenn dabei das ernste Thema nicht zu kurz kam", sagte die Deutsche Christiane Schulte im Publikum. Ein Jahrzehnt nach dem Fall der Apartheid präsentierte sich einem auf bis zu zwei Milliarden Zuschauern geschätzten TV-Publikum eine selbstbewusste Regenbogen-Nation. Musiker wie Bono oder Peter Gabriel, die einst für Mandelas Freilassung auftraten, taten es umsonst im Kampf gegen Aids.

Bob Geldof: Aids wird zum Politikum

"Ich habe weder Stimme noch Busen noch Tänzer - mein Job ist die Begrüßung", sagte Musiker Bob Geldof nach Beyonces Auftritt. Bevor er Bob Marleys "Redemption Song" anstimmte, würdigte er einen sichtlich gerührten Mandela als "zerbrechlichen, alten Gentleman", der als einer der "Giganten unseres Planeten" dem Begriff Menschlichkeit eine neue Bedeutung gegeben habe. Aids werde zum Politikum, wenn der reiche Norden Medikamente produziere, die sich der arme Teil der Welt nicht leisten könne, meinte Geldof. Der Künstler, der in den 80er Jahren Musik als Medium zur Schaffung von öffentlichem Bewusstsein propagierte, betonte: "Aids versperrt die Zukunft - wenn das nicht politisch ist, weiß ich nicht, was es ist."

Höhepunkt war der Auftritt von Cat Stevens

Afrikas Musikerelite - von Youssou N’Dour über Johhny Clegg bis Yvonne Chaka Chaka - gab sich ein beeindruckendes Stelldichein an der Seite ihrer internationalen Musikerkollegen. "Jeder für sich und alle zusammen sind wir großartig. Musik hat die Macht, Furcht und Tabus zu überwinden", gab sich Sängerin Angelique Kidjo überzeugt. Einer der Höhepunkte des Abends war der Auftritt von Yussuf Islam alias Cat Stevens. Erstmals seit mehr als einem Vierteljahrhundert stimmte er an der Seite von Peter Gabriel eine modifizierte Variante seines Uralt-Hits "Wild World" an. "Das ist heute ein wichtiger Anlass. Ich glaube, dass es da, wo Hoffnung ist, auch eine Lösung gibt."

Mandela: "Zusammen können wir Aids besiegen"

Emotion und ein Hauch von Nostalgie lagen in der Luft, als Gabriel seine musikalische Hommage an den Anti-Apartheid-Aktivisten Steve Biko anstimmte und Bono den "Long walk to Freedom" besang - ein Titel, den einst Mandela für seine Memoiren gewählt hatte. "Das ist ein Präsident für überall dort, wo die Freiheit geliebt wird", kündigte Bono den 85-Jährigen an. "Heute ist der Beginn einer Kampagne. Zusammen können wir Aids besiegen und eine Zukunft für alle absichern", gab sich Mandela überzeugt. Der Erlös der Kampagne - zu der auch Einnahmen der CD- und DVD-Mitschnitte des Konzerts gehören - kommen Mandelas Stiftung zugute. Insgesamt sind in Südafrika 5,3 Millionen Menschen mit dem Aids-Virus infiziert.

Von Ralf E. Krüger, dpa