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"Elende Schande": Bayreuther Festspiele starten mit Eklat: Zuschauer buhen Dragqueen aus

Das war beschämend: Nach der "Tannhäuser"-Premiere wurde die Dragqueen Le Gateau Chocolat bei den Bayreuther Festspielen von einem Teil des Publikums ausgebuht. Der Travestiekünstler wandte sich auf Facebook direkt an die Bayreuther Zuschauer.

Le Gateau Chocolat bei den Bayreuther Festspielen

Der Travestiekünstler Le Gateau Chocolat gab am Weiher vor dem Bayreuther Festspielhaus eine Gesangsperformance.

DPA

Die neue Saison der Bayreuther Festspiele begann gleich mit einem Eklat. Das Musikfestival wurde am Donnerstag mit Richard Wagners "Tannhäuser" eröffnet. Zahlreiche prominente Gäste, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Altkanzler Gerhard Schröder, hatten zu diesem Anlass den Grünen Hügel bestiegen. Sie erlebten einen denkwürdigen Abend, von dem jedoch nicht unbedingt die originelle Inszenierung von Regisseur Tobias Kratzer in Erinnerung bleiben wird. 

Es war das Verhalten eines Teils der Zuschauer, die dem Abend einen üblen Beigeschmack gaben. Denn die Zuschauer buhten am Ende der mehr als dreistündigen Aufführung einen Darsteller aus: die Dragqueen Le Gateau Chocolat. Dass einzelne Akteure am Ende des Abends vom Publikum abgestraft werden, ist prinzipiell nicht unüblich. Etwa wenn den Zuschauern einzelne Gesangsdarbietungen nicht gefallen haben. Häufig bekommt auch der Regisseur den Unmut zu spüren, da häufig die Inszenierungen moderner ausfallen, als es den konservativen Wagnerianern gefällt. 

Das Publikum der Bayreuther Festspiele zeigt Reaktionen

Dass die zahlenden Gäste den Künstlern ihre Meinung kundtun, ist ein normaler Vorgang in der Opernwelt. Doch die Ablehnung, die Le Gateau Chocolat zu spüren bekam, war ausschließlich gegen seine Person gerichtet. Denn der 37-Jährige hatte gar keine Gesangsrolle. Die Buhrufe galten also seinem Wesen: schwarz, schrill und queer. Offenbar gibt es Zuschauer, die der Meinung sind, solche Menschen hätten in Bayreuth keinen Platz.

Der Travestiekünstler hat dies genau so empfunden - und sich in einem Facebook-Posting an das Bayreuther Publikum gewandt. "Dass ich der einzige Charakter war; Le Gateau Chocolat als Le Gateau Chocolat (keine Sprech- oder Singrolle), der auf dieser Bühne ausgebuht wurde, sagt viel darüber aus, wer ihr (immer noch) seid", schrieb er in dem sozialen Netzwerk - und spielte damit deutlich auf die braune Vergangenheit des Grünen Hügels an. Richard Wagner war Adolf Hitlers Lieblingskomponist, der Diktator war regelmäßig Gast bei den Festspielen.  

Le Gateau Chocolat mit stummer Rolle

Weiter schrieb Le Gateau Chocolat: "Ich repräsentiere eine Identität, die offensichtlich vielen von euch fremd war/ist." Es sei aber eine Identität, die Tannhäuser Freude, Erleichterung und Ablenkung verschafft habe und die die Antithese zum Establishment sei. In der Inszenierung gehört der Travestiekünstler zur lustvoll-lüsternen Welt der Venus, die der hehren Kultur der edlen Ritter entgegengestellt ist.

Am Ende des Postings stellte er den Zuschauern die Frage: "Was genau buht Ihr da aus?", und antwortete: "Welch elende Schande."

Für sein Posting erhielt der queere Künstler immerhin viel Zuspruch von seinen Fans. Und auch von den Bayreuther Festspielen. Die teilten sein Posting auf Facebook und schrieben dazu: "George, wir alle lieben dich: als Mensch und Künstler!"

Quelle: Facebook