HOME

Stern Logo Eurovision Song Contest

ESC-Sieg von Conchita Wurst: Europas neue Toleranz ist trügerisch

Freude, schöner Regenbogenfunken: Conchita Wurst hat den ESC gewonnen - und wir können wir uns mächtig auf die Schultern klopfen. Wir Europäer sind ja so tolerant. Schön wär's.

Ein Kommentar von Jens Wiesner

Eine ESC-Teilnehmerin wird zum Symbol für mehr Toleranz: Conchita Wurst beim Finale des Eurovision Song Contests 2014

Eine ESC-Teilnehmerin wird zum Symbol für mehr Toleranz: Conchita Wurst beim Finale des Eurovision Song Contests 2014

Wer die Reaktionen auf Conchita Wursts ESC-Sieg durchliest, könnte meinen, wir stünden nur noch einen Schritt vom Weltfrieden entfernt, zumindest aber kurz vor der Gründung der Vereinigten Föderation der Planeten. Wenn Männer als Frauen mit Bart einen Grand Prix gewinnen können, dann habe die Liebe endgültig gewonnen, so schallte es am Tage 1 n. ESC aus den Kommentarspalten dieser Republik. Das ist - leider, leider - Quatsch. Denn es ist reines Wunschdenken.

Ja, selbst Väterchen Russland spendierte der Wurst Punkte - wenn man allein die Zuschauerwertung betrachtet, sogar richtig viele. Und auch Deutschland hätte der Diva mit Bart die volle Zwölf gegeben, wenn die böse Jury nicht dagegengehalten hätte. Doch nur weil Politiker aller Couleur, zuletzt selbst der rechte FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache, zähneknirschend der Travestiekünstlerin gratulierten, leben wir noch lange nicht im Schlaraffenland der Toleranz. Ganz zu schweigen davon, dass Toleranz noch längst nicht Akzeptanz bedeutet.

Die Realität sieht anders aus

Man steht halt gern auf der Seite der Sieger. Und wenn dazu ein Selfie mit Conchita Wurst gehört oder ein angepappter Bart, um die ach-so-große Offenheit nach außen zu tragen, dann ist das eben so. Oder glauben Sie wirklich, dass sich die FPÖ jetzt für die Homo-Ehe in Österreich einsetzen wird? Oder zumindest damit aufhört, gegen Einwanderer und Nicht-Heteros zu hetzen? Und woher kommen eigentlich diese homophoben Kommentare auf Conchitas Facebook-Seite?

Nein, einig Wurstland ist Europa noch lange nicht. Vor einem Jahr hat eine Studie der EU-Grundrechteagentur unter Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen aus 27 EU-Ländern und Kroatien ergeben, dass zwischen Hoffnung und Realität in Sachen Toleranz ein überraschend großer Graben klafft. Homophobie ist in Europa noch immer weit verbreitet: Jeder Zweite hatte angegeben, im Jahr zuvor wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert worden zu sein, zwei Drittel trauen sich nicht, in der Öffentlichkeit Händchen zu halten. Zwar mag es von Land zu Land Unterschiede in Sachen Diskriminierung geben, aber wenn selbst aus den 'Glanzlichtern' der Studie (Holland, Dänemark und Luxemburg) ein gutes Drittel von Herabsetzungen berichtet, dürfte das neue Zeitalter der Toleranz noch sehr weit entfernt sein.

Die Intoleranz im Alltag

Aber das betrifft doch nicht uns, werfen Sie jetzt ein?! Wir waren es doch nicht, die diese widerlichen Kommentare auf Conchitas Facebook-Seite hinterlassen haben! Und was sollten wir erst gemein haben mit diesen Schirinowskis, Straches und Voigts, die ihren Hass gegen Andersdenkende und Andersliebende laut in die Gesellschaft hinaus brüllen? Hat denn nicht jeder, der am Samstagabend für Österreich angerufen hat, eindrücklich seine eigene Toleranz bewiesen?!

Fragt sich nur, wie diese Toleranz den Alltagstest besteht. In der U-Bahn am Sonntag war das Thema Conchita Wurst natürlich in aller Munde. Zwei junge Männer, die offenbar beide den ESC gesehen und für die Österreicherin gestimmt hatten, unterhielten sich über "diesen Freak", fanden ihn "ganz lustig", aber fragten sich auch, ob es nicht irgendwie "ekelig" wäre, eine Frau mit Bart zu küssen. Diese Szene spielte sich in einer deutschen Großstadt ab.

Ein Traum, für den es sich zu kämpfen lohnt

Ich erinnere mich noch gut, wie der Priester in meinem kleinen Heimatdorf einst in seiner Predigt um "Beistand und Verständnis" für Homosexuelle bat. Kein einziger Mensch - auch ich nicht - traute sich damals, etwas dagegen zu sagen oder als Protest den Kirchenraum zu verlassen. Das war nicht in den Fünfzigern, sondern Mitte der Neunziger. Und bis heute merke ich, dass dieses Erbe schwer wiegt. Manchmal rutscht auch mir noch ein "voll schwul" aus dem Mund - und es meint nicht supergeil. Am liebsten würde ich dann im Boden versinken, auch wenn es wirklich nicht böse gemeint ist. Aber das sagen ja auch die Leute, die noch von Negerküssen, Schlitzaugen und Kaffern sprechen.

Nein, so lange "Ist ja voll schwul!" noch als akzeptierte Beleidigung auf dem Pausenhof durchgeht, so lange das "Nein" auf die Frage "Bist du eigentlich schwul?" diesen einen Tick zu schnell kommt, ist der Weg zu einer toleranten Welt noch sehr, sehr weit. Aber es ist ein Traum, den wir nie aus den Augen verlieren dürfen, ein Traum, für den es sich zu kämpfen lohnt. Und dass du uns daran erinnert hast, liebe Conchita, dafür bin ich dir sehr dankbar!

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.