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Grand Prix 2002: Lettland siegt - Frust bei Corinna May

Mit einem furiosen Latino-Popsong hat die lettische Sängerin Marie N überraschend den Grand-Prix 2002 gewonnen. Corinna May landete auf dem enttäuschenden viertletzten Platz.

Die 21-jährige lettische Sängerin Marija Naumova (Marie N) siegte beim 47. Grand Prix d'Eurovision mit dem Titel "I wanna". Bis zum Schluss hatten sich Lettland und Malta ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert, ehe das Nachbarland Litauen mit seinem letzten Votum den Ausschlag gab. Deutschland landete weit abgeschlagen unerwartet nur auf Platz 21 von insgesamt 24 Teilnehmerstaaten. Dabei war Corinna May mit dem Lied "I Can't Live Without Music" als eine der Favoritinnen gehandelt worden.

Die Siegerin Marie N hatte mit ihrem Latino-Popsong eine rasante Show hingelegt. Die Sängerin kam im weißen Männeranzug, schwarzen Hemd und weißen Hut auf die Bühne, entblätterte sich während des Auftritts jedoch. Unter Jackett und Bluse kam ein rosa Oberteil zum Vorschein, das sich als Teil eines Kleides herausstellte, nachdem die Männer der Band ihr die offenbar zuvor präparierte Hose wegzogen. Im Minikleid tanzte Marie N dann mit wiegenden Hüften über die Bühne, bis ihr ganz zum Schluss das geraffte Kleid von ihren Begleitsängern zur langen Robe gezogen wurde.

"Trinken gehen"

Marie N, die fünf Sprachen fließend spricht, sagte zu Journalisten: "Heute Abend werde ich einen Trinken gehen. Morgen gehe ich nach Riga und gebe eine Pressekonferenz, und dann werde ich wieder einen Trinken gehen." Zu ihrem Erfolg befragt sagte Marie N, man dürfe nicht an den Sieg denken, sondern müsse sich auf der Bühne ganz auf den Vortrag konzentrieren.

Corinna May: Life goes on

"Na ja, bisschen weiter vorne, wäre schöner gewesen", kommentierte Corinna May nach dem Wettbewerb im ARD-Fernsehen ihre Niederlage. Sie war bei ihrem Auftritt vom Publikum in der Saku Suurhall jubelnd begrüßt worden. Die Nervosität war der blinden Sängerin dann jedoch anzumerken. Sie bewegte sich kaum, klopfte den Rhythmus ihres Schlagers vor allem mit den das Mikrofon haltenden Fingern mit. Wie beim nationalen Vorentscheid in Kiel hatte sie einen dunklen, glitzernden Mantel an. Nach der Entscheidung im ARD-Interview zeigte sich die Sängerin trotz des schlechten Abschneidens gelassen: "Man kann es jetzt nicht mehr ändern, life goes on."

May hatte bei den Internet-Wetten zuvor ganz vorne gelegen, kam bei der Wertung jedoch nur auf insgesamt 17 Punkte. Vier war die höchste Punktzahl, die Deutschland von maximal zwölf zu vergebenden Punkten erhielt. Für den Komponisten Ralph Siegel gehörte so seine 13. Teilnahme am Grand Prix wohl zu einer der enttäuschendsten. "Hoffentlich bringt uns diese Zahl Glück", hatte er zuvor gewünscht. Nun verabschiedet sich der Komponist unzähliger Schlager zumindest für die nächste Zeit von dem Wettbewerb. "Hoffentlich haben meine Nachfolger mehr Glück", sagte er in der ARD. Den bislang einzigen Sieg für Deutschland hatte Siegel vor zwanzig Jahren mit Nicole ("Ein bisschen Frieden") geholt.

Auch deutsche Zuschauer favorisierten Lettland

Die Siegernation Lettland bekam 176 Punkte. Auch die deutschen Zuschauer hatten das Lied aus dem Baltenstaat per Telefonabstimmung zu ihrem Favoriten gewählt. Malta lag in der Gesamtwertung mit 164 Punkten knapp dahinter. Die 21-jährige Sängerin Ira Losco trug ihren Popsong "7th Wonder" im halb-durchsichtigen Overall aus weißer Spitze vor. Während des Auftritts streute sie Glitter ins Publikum. Jeweils 111 Punkte erhielten die Songs von Gastgeberland Estland und Großbritannien.

Platzierungen und Punkte

01. Lettland (Marie N: »I Wanna«): 176 Punkte

02. Malta (Ira Losco: »7th Wonder«): 164 Punkte

03. Estland (Sahlene: »Runaway«): 111 Punkte

03. Großbritannien (Jessica Garlick: »Come Back«): 111 Punkte

05. Frankreich (Sandrine Francois: »Il Faut Du Temps«): 104 Punkte

06. Zypern (One: »Gimme«): 85 Punkte

07. Spanien (Rosa: »Europe's Living A Celebration«): 81 Punkte

08. Schweden (Afro-dite: »Never Let It Go«): 72 Punkte

09. Rumänien (Monica Anghel & Marcel Pavel: »Tell Me Why«): 71 Punkte

10. Russland (Prime Minister: »Northern Girl«): 55 Punkte

11. Kroatien (Vesna Pisarovic: »Everything I Want«): 44 Punkte

12. Israel (Sarit Hadad: »Light A Candle«): 37 Punkte

13. Belgien (Sergio & The Ladies: »Sister«): 33 Punkte

13. Bosnien-Herzegowina (Maja: »Na Jastuku Za Dvoje - Fairytales About Love«): 33 Punkte

13. Slowenien (Sestre: »Samo Ljubezen - Only Love«): 33 Punkte

16. Türkei (Buket Bengisu & Saphire: »Leylaklar Soldu Kalbinde«): 29 Punkte

17. Griechenland (Michalis Rakintzis: »S.A.G.A.P.O. - I Love You«): 27 Punkte

18. Österreich (Manuel Ortega: »Say A Word«): 26 Punkte

19. Mazedonien (Karolina: »Od Nas Zavisi - It Depends On Us«): 25 Punkte

20. Finnland (Laura: »Addicted To You«): 24 Punkte

21. Deutschland (Corinna May: »I Can't Live Without Music«): 17 Punkte

22. Schweiz (Francine Jordi: »Dans Le Jardin«): 15 Punkte

23. Litauen (Aivaras: »Happy You«): 12 Punkte

24. Dänemark (Malene W. Mortensen: »Tell Me Who You Are«): 7 Punkte