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Protest gegen Bismarckstraße: Fans fordern Haftbefehl-Straße in Offenbach – das ist allerdings aussichtslos

Die Diskussion um historisch zweifelhafte Straßennamen hat auch Offenbach erreicht. Dort fordert eine Petition die Umbenennung der Bismarckstraße – und schlägt Gangster-Rapper Haftbefehl als neuen Paten vor.

Rapper Haftbefehl

Gangster-Rapper Haftbefehl ist der aktuell wohl bekannteste Offenbacher

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"Sommernacht in Offenbach, sitzen wir auf'm Dach, mit dem Blick auf die Stadt" – Rapper Haftbefehl ist Lokalpatriot, nicht nur in seinem Song "Sommernacht in Offenbach". Immer wieder kommt die etwa 130.000 Einwohner große Stadt in Hessen in seinen Texten vor. Wenn es nach einigen seiner Fans geht, könnte auch bald eine Straße in seiner Heimatstadt den Namen des Gangster-Rappers tragen.

Mit einer Petition fordern sie, dass die Bismarckstraße, die am Offenbacher Hauptbahnhof vorbeiführt, nach dem Rap-Star benannt werden soll. Vor allem aber geht es ihnen darum, den ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck als Namensgeber abzusetzen. Bismarck habe "die Kolonisierung Afrikas organisiert" und sei "damit für das Leid und die Ermordung von Millionen von Menschen (mit)verantwortlich". Als Alternativen nennen die Petenten neben Haftbefehl auch den früheren Fußballer Erwin Kostedde, der für die Kickers Offenbach 129 Bundesligaspiele bestritt und der erste schwarze DFB-Nationalspieler war.

Haftbefehl statt Bismarck – Offenbacher fordern Umbenennung

Hintergrund der Initiative ist die "Black Lives Matter"-Bewegung, die seit Wochen auf der ganzen Welt gegen Rassismus und Diskriminierung protestiert. In diesem Zuge wird auch über die Namen von Produkten, Geschäften oder Straßen diskutiert, die teils einen rassistischen Hintergrund haben oder ein Erbe der Kolonialzeit sind. Auch historische Denkmäler stehen immer wieder in der Kritik. Nun hat die Diskussion das beschauliche Offenbach erreicht.

"Die falschen Leute werden hier geehrt, und die wirklich Wichtigen bekommen nur einen kleinen Fahrradweg", schreibt Felix Sauer, Initiator der Petition. Neben der Bismarckstraße stören ihn auch andere Straßennamen in seiner Stadt. Stattdessen schlägt er Aykut Anhan, wie Haftbefehl mit bürgerlichem Namen heißt, als Namenspaten vor – dieser sei der "vermutlich bekannteste Offenbacher der letzten 30 Jahre".

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Straßen dürfen nicht nach lebenden Personen benannt werden

Bisher unterstützen 1.187 User die Petition. Ein ganz gravierendes Problem gibt es dabei allerdings: Straßen dürfen nicht nach Personen benannt werden, die noch leben. Der Offenbacher Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) zeigte sich aber prinzipiell offen für eine Diskussion über eine Umbenennung der Bismarckstraße. Er sei "kein Bismarck-Fan", sagte er der "Frankfurter Rundschau", könne aber dessen Leistungen anerkennen. Für eine Namensänderung setzte der OB einen "breiten Konsens" voraus. 

Auch die hessische Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) begrüßte die Diskussion. "Ich verstehe das Anliegen, auf verdrängte Aspekte der deutschen Geschichte aufmerksam zu machen und einen Diskurs darüber in der Stadtgesellschaft anzuregen", sagte sie laut "Hessenschau". "Ob das Ergebnis einer solchen Beschäftigung die Umbenennung sein sollte, möchte ich nicht vorwegnehmen und schon gar nicht Ratschläge geben, wie die Straße heißen sollte."

Quellen: Petition"Offenbach-Post" / "Frankfurter Rundschau" / "Hessenschau"