Rock in Rio Gipfeltreffen der Superstars


600.000 Besucher und zwei Milliarden Fernsehzuschauer in aller Welt werden erwartet - in Lissabon findet das größte Rockfestival der Welt statt. Sting und Britney Spears spielen neben Metallica und den Foo Fighters.

In zweieinhalb Wochen rollt in Portugal der Fußball, doch zuvor gibt es jede Menge Rock 'n' Roll: Am Freitag beginnt in Lissabon das Rock-in-Rio-Festival, das größte seiner Art weltweit. Bis zu 600 000 Menschen aus ganz Europa werden zu dem sechstägigen Spektakel erwartet, das erstmals nicht am "Zuckerhut" in Brasilien stattfindet. In punkto Sicherheit und Organisation gilt es zugleich als kleine Generalprobe für die Fußball-EM vom 12. Juni bis 4. Juli. Die Veranstalter rechnen mit bis zu zwei Milliarden Fernsehzuschauern in aller Welt.

An zwei aufeinander folgenden Wochenenden (28. bis 30. Mai und 4. bis 6. Juni) spielen rund 70 Bands von Pop bis Heavy Metal und Weltmusik über Reggae bis HipHop, darunter Paul McCartney, Peter Gabriel, Evanescence, Metallica, Britney Spears, Sting, Black Eyed Peas, Foo Fighters oder Alicia Keys. Abgesehen von den großen Stars treten jede Menge Ethno- und Folklore-Gruppen aus Brasilien, Kuba, Afrika und Portugal sowie die 15 derzeit angesagtesten DJs auf - insgesamt 120 Stunden Musik stehen auf dem Programm.

Eine Rockstadt mit Diskussionsforum

Für das 25 Millionen Euro teure Festival wurde im Bela-Vista-Park im Osten Lissabons auf 200 000 Quadratmetern eine "Rockstadt" mit fünf riesigen Zelten errichtet, darunter eines für Skater und Extremsportarten. Eines der Zelte beherbergt allerdings auch ein Diskussionsforum, bei dem die Teilnehmer mit Fachleuten über Globalisierung, Frieden, Armut oder Umweltschutz debattieren werden.

Denn unter dem Motto "Für eine bessere Welt" versteht sich das Spektakel auch als soziales Projekt. Fünf Prozent der Einnahmen aus dem Kartenverkauf, das sind geschätzte 1,2 Millionen Euro, gehen an die Kinderhilfsorganisation Childreach. Das Festival beginnt mit drei Schweigeminuten für die Opfer von Gewalt und Armut in der Welt. Auch das Festivalgelände wurde nicht zufällig ausgewählt: Es befindet sich am Rande eines Armenviertels, das für seine Drogenszene berüchtigt ist und nun auf bessere Zeiten hoffen kann.

Dahinter steht der Multimillionär Roberto Medina

Hinter Rock in Rio steht der brasilianische Musikveranstalter und Werbeunternehmer Roberto Medina. Der 56-jährige Multimillionär hatte das Festival 1985 in Rio de Janeiro ins Leben gerufen. Es folgten zwei weitere Ausgaben 1991 und 2001. Mit insgesamt mehr als drei Millionen Besuchern und über einer halben Milliarde Fernsehzuschauern war das Konzept zwar ein großer Erfolg, in Brasilien war es aber angesichts der Währungsverfalls gegenüber dem US-Dollar nicht mehr zu finanzieren. Die Gagen der Stars wurden unbezahlbar.

"Wir konnten dort für die Eintrittskarten nicht mehr als zwölf Euro verlangen, und das reichte nicht einmal aus, um ein Drittel der Kosten zu decken. Den Rest mussten wir mit großem Aufwand über Sponsoren besorgen", erklärt Medina. In Lissabon kostet das Tagesticket 53 Euro.

Rund 1000 Polizisten und Wachleute werden im Einsatz sein Nach den Terroranschlägen des 11. März mit 191 Toten in Madrid wurden die Sicherheitsvorkehrungen für das Festival verschärft. Rund 1000 Polizisten und Wachleute werden im Einsatz sein, die Besucher müssen durch zwei Kontrollen, darunter einen Metalldetektor. Zudem wird ein Team von 120 Ärzten, Sanitätern und Rettungsleuten in einem Mini-Hospital vor Ort sein. Wenn auch Portugal ein Erfolg wird, will Medina das nächste Projekt in Angriff nehmen: Ein Festival zur gleichen Zeit in Lissabon, Rio und Sydney.

Jörg Vogelsänger, DPA DPA

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