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Skandal bei den Festspielen: "Good crazy" Hakenkreuz in good old Bayreuth

Opernsänger Evgeny Nikitin verlässt Hals über Kopf Bayreuth. Bizarr sind die Erklärungen zum Hakenkreuz auf seiner Brust – von ihm und anderen Beteiligten. Die Geschichte eines Rückzugs.

Von Thomas Schmoll

Die Wagner-Festspiele haben schon viele Skandale und Skandälchen erlebt und überlebt. Allein die Nachfahren des Komponisten haben mit ihren Machtkämpfen und Streitigkeiten um dieses und jenes viel dazu beigetragen. Ein bisschen hat das Gezänk auch geholfen, dass das Festival Kultstatus hat und Jünger Richard Wagners aus aller Welt anzieht. Nach wie vor ist es schwer, Karten zu bekommen, wenn man nicht Kanzlerin oder bayerischer Promi ist. Seit dem Wochenende ist Bayreuth um einen Eklat reicher. Der als "Fliegender Holländer", also als Hauptdarsteller der gleichnamigen Wagner-Oper, engagierte russische Sänger Evgeny Nikitin reiste Hals über Kopf ab – vier Tage vor der Premiere an diesem Mittwoch mit viel Prominenz aus allen möglichen Bereichen der Gesellschaft.

Der Grund: Nikitins Tätowierungen, unter anderem ein überzeichnetes Hakenkreuz und zwei andere Nazi-Symbole. Keiner macht bei dem Vorgang eine gute Figur, nicht die Festspielleitung, schon gar nicht der Sänger, aber auch nicht das ZDF, das die Sache ins Rollen brachte. Die Erklärungen, die am Wochenende zu dem Vorgang abgegeben wurden, sind bizarr und manchmal wenig glaubhaft. Der russische Bassbariton ist – entschuldigen Sie das Klischee – in der Szene bekannt wie ein bunter Hund. Er gastierte in Häusern in New York, Paris, Tokio, Nizza und München unter Dirigenten wie Simon Rattle, Christoph Eschenbach oder Lorin Maazel, alles Top-Namen der Klassik. Dass der 38-Jährige Tattoos ohne Ende trägt, weiß mit Sicherheit jeder in der Branche und kann auch in Bayreuth nicht verborgen geblieben sein, zumal Hände und Arme mit diversen Hautzeichnungen geschmückt sind. Eine andere Sache ist es, ob ein Verantwortlicher der Festspiele von den Nazi-Symbolen frühzeitig wusste, die nur bei freiem Oberkörper zu sehen sind. Und selbst wenn sie jemand gesehen hat, muss man die Zeichen erst einmal als solche erkennen, zumal das Hakenkreuz ja inzwischen überstochen worden ist.

Rock, Drogen und Sex

Vielleicht hat sich der eine oder andere in Bayreuth auch gedacht oder im Stillen gehofft: Wird schon gutgehen. Ging es aber nicht. Weil Bayreuth. Denn Hitler war dort Dauergast. Wagner war Antisemit, wenn auch kein scharfer. Er äußerte sich abfällig über Juden, hatte aber auch jüdische Freunde.

Den entscheidenden Beitrag zu Nikitins Abflug als Holländer lieferte das ZDF: Am Freitagabend strahlte der Sender in der Kultursendung "Aspekte" ein Porträt über den Russen aus, das auch auf seine Vergangenheit als Schlagzeuger einer Black-Metal-Band einging und ansonsten eine vier Minuten und 50 Sekunden lange Huldigung des Sängers war: Tenor: "Ein Bariton in Punk-Gestalt". Und: "Der erste Russe, der in der Geschichte Bayreuths eine Titelrolle übernimmt."

Der Zuschauer erfährt, dass der Sänger "zahm und diszipliniert" geworden sei, "Apfelschorle statt Wodka" trinke. Dann weiter: "Der 41-Jährige ist ein Mann mit Biografie." (Der Sänger ist 38 Jahre alt.) An der Stelle folgt ein Schnitt. Gezeigt wird der Musiker, deutlich jünger, am Schlagzeug und mit freiem Oberkörper. Auf seiner rechten Brustseite sieht man das inzwischen überstochene Hakenkreuz, auch damals schon teils überzeichnet, aber noch klar erkennbar. In der Mitte ist eine Tyr-Rune, ein nach oben gerichteter Pfeil, in der NS-Zeit Abzeichen für Absolventen der "Reichsführer-Schulen". Auf der linken Brustseite prangt die sogenannte "Lebensrune", das von der SS-Organisation "Lebensborn" verwendet wurde, die sich für die möglichst rasante Fortpflanzung der "arischen Rasse" einsetzte und heute in der Skinhead-Szene beliebt ist. In dem ZDF-Bericht heißt es: "Die wilde Zeit: Rock, Drogen und Sex, sagt er (Nikitin) vieldeutig." Damals habe der Musiker nebenbei Operngesang studiert. "Aus dieser Zeit stammen die Ganzkörpertatoos, sein für manche verstörendes Markenzeichen."

Wie sieht er das? Nikitin kratzt sich kurz am Kopf und sagt auf Englisch: "Ach ja, die Tatoos. Wir hatten doch alle eine Kindheit. Und in der Kindheit und Jugend machen wir einige gute verrückte Sachen." In der deutschen Übersetzung ist von "sehr gute verrückte Sachen" die Rede, wobei das "very" (sehr) nicht zu verstehen ist, sondern nur "good crazy". "Alle meine Freunde hatten Tattoos. Es gehörte einfach zu unserer Undergroundkultur. Denn Rockmusik ohne Tattoos, ist, ehrlich gesagt, einfach nicht seriös." Spätestens hier erwartet der Zuhörer die Frage nach dem Hakenkreuz und zu seiner politischen Einstellung. Stattdessen geht es weiter mit der Huldigung: "Mit dem Schönklang seiner Stimme und seiner natürlichen Energie wird Evgeny Nikitin hier in der nächsten Woche sein Bayreuther Debut geben." Kritik gibt es auch noch, nämlich für "die unergründliche Bayreuther Festspielleitung", die "im letzten Moment" Aufnahmen beim Proben verhindert habe.

"Symbole gerade in Verbindung mit der deutschen Geschichte"

Der Autor des Berichts ist Reinhold Jaritzky, ein absolut seriöser und kenntnisreicher Kulturjournalist, der schon viele Jahre im Geschäft und jetzt überrascht ist, was sein Bericht für Wellen schlägt. "Ich habe das Symbol als ein stark gebrochenes, bearbeitetes Hakenkreuz gesehen. Zitieren und Brechen ist bekanntlich Teil der Punk/Heavy Metal Kultur. Auch die Provokation. Die Bearbeitung spricht für eine schon (damalige!) Distanzierung vom politischen Inhalt", erklärt Jaritzky auf Anfrage von stern.de. Deshalb habe er die Hakenkreuz-Frage nicht thematisiert in dem Bericht. Das Gespräch mit dem Sänger habe nicht geringsten Anlass geboten, auf rechtes Gedankengut zu schließen. "Er hat, wie er selbst sagt, Musik studiert, weil er damit nicht zum Militär musste. Und er wollte nicht zum Militär, weil er Pazifist sei, auch schon als 18-Jähriger."

Man kann Jaritzky glauben, dass es ihm in erster Linie um ein Porträt des Opernsängers und nicht des Metal-Schlagzeugers ging. Doch eine Frage hätte gereicht und Nikitin hätte seine Haltung zum Nationalsozialismus erläutern können, was die "good crazy"-Aussage vielleicht weniger deplatziert aussehen lassen würde und womöglich die Premiere mit dem Russen als Fliegender Holländer ermöglicht hätte. Und das in der gesamten Aspekte-Redaktion niemand aufgeschrien hat, ist ebenfalls merkwürdig. Genauso merkwürdig ist das Verhalten der Verantwortlichen in Bayreuth. Sie reagierten nicht auf die Aspekte-Sendung, sondern die Berichterstattung der "Bild am Sonntag", die auf der Titelseite "Nazi-Tattoo-Skandal in Bayreuth" brachte. "Die Festspielleitung bekam von der Recherche Kenntnis und suchte daraufhin schnellstmöglich das Gespräch mit dem Künstler. Im Ergebnis der ca. halbstündigen Unterredung wurden Evgeny Nikitin die Konnotationen dieser Symbole gerade in Verbindung mit der deutschen Geschichte bewusst."

Dem Künstler aus Russland, der früheren Sowjetunion, also jenem Land, das wie kein anderes unter Hitlers Krieg litt, mussten "die Konnotationen dieser Symbole gerade in Verbindung mit der deutschen Geschichte" verklickert werden. Das ist bizarr und traurig, wenn es denn so stimmt. In der "Bild am Sonntag" sagte er: "Die Zeichen haben für mich überhaupt keine politische, sondern nur eine spirituelle Bedeutung. Ich war nie Teil einer politischen Partei und bin es auch heute nicht." Er habe sich die Tätowierungen von1989 bis 1991 stechen lassen und die Motive unter anderem aus Büchern über nordische Mythen ausgewählt. Nikitin verurteile die Nazi-Verbrechen, meinte aber auch in dem Springer-Blatt, es sei ihm nicht klar gewesen, dass "seine Tattoos im Zusammenhang mit Nationalsozialismus oder mit Neonazis gebracht werden können".

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(