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Reaktionen zu Xavier Naidoo: Jetzt fährt der "homophobe Religionsklemmi" zum Grand Prix

Entsetzen bei den ESC-Fans: Xavier Naidoo vertritt Deutschland im kommenden Jahr beim Eurovision Song Contest. Die Entscheidung des NDR wird in sozialen Netzwerken heftig kritisiert. Eine Auswahl.

Xavier Naidoo

Naidoo im vergangenen Jahr bei seinem umstrittenen Auftritt der "Reichsbürgerbewegung" vor dem Berliner Reichstagsgebäude.

"Die Sonne geht auf, wenn Xavier singt", sagt ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. Er hat die Entscheidung zu verantworten, dass Xavier Naidoo ohne Beteiligung des deutschen Publikums direkt als deutscher Teilnehmer für den Eurovision Song Contest 2016 in Stockholm bestimmt wurde.

Doch dass die Sonne aufgeht, das sehen nicht alle so wie Schreiber. Die Nominierung Naidoos wird von vielen Fans in sozialen Netzwerken kritisiert. In erster Linie nicht wegen seiner Musik oder seiner Befähigung als Sänger, sondern wegen seiner politischen Haltung. Ihm wird vorgeworfen, rechtspopulistisch, homophob und antisemitisch zu sein.

Naidoo trat im vergangenen Jahr am 3. Oktober bei einer Veranstaltung der "Reichsbürgerbewegung" in Berlin auf. In einer Rede vertrat er Verschwörungstheorien um die Anschläge vom 11. September 2001 und kritisierte die Amerikaner. Außerdem sagte er, er wolle auf die NPD zugehen. Immer wieder äußerte Naidoo auch die Ansicht, die Bundesrepublik Deutschland sei kein freies Land und existiere gar nicht. Viele Tweets nehmen darauf Bezug.

Da der ESC als tolerante Veranstaltung mit vielen schwulen Fans gilt, sehen viele in Naidoo eine klassische Fehlbesetzung. Er muss sich den Vorwurf gefallen lassen, homophob zu sein. In einem sogenannten Hidden Track auf seinem Album "Gespaltene Persönlichkeit" legt der Liedtext nahe, dass er Homosexualität mit Kindesmissbrauch und Pädophilie gleichsetzt. Naidoo bestritt die Vorwürfe, klar distanziert hat er sich von dem kritisierten Song aber nie.

Ähnliche Aufregung gab es auch um den Song "Raus aus aus dem Reichstag". Dieser war von der Plattfom "Netz gegen Nazis" als antisemitisch eingestuft worden. Gegen den Vorwurf setzte sich Naidoo gerichtlich zur Wehr. Beide einigten sich auf einen Vergleich. Demnach darf weiterhin behauptet werden, Textstellen des Songs könnten als antisemitisch missverstanden werden.

Angesichts dieses medialen Donnerwetters dürfte auf den NDR viel Überzeugungsarbeit zukommen. Interessant wird vor allem werden, wie Naidoo sich auf Pressekonferenzen zu seinen Äußerungen zu Verschwörungstheorien und Co. stellt. In einem offiziellen Statement sagte Naidoo, er wolle in Stockholm zeigen, wofür er stehe: "Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander." Dieser Weg, er wird allerdings kein leichter sein.


mai