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Programmchef kritisiert NDR Riesen-Zoff bei der ARD um Naidoo-Debakel


Ärger hinter den Kulissen der ARD: Programmdirektor Volker Herres kritisiert den NDR öffentlich für die ESC-Nominierung von Xavier Naidoo. Die Entscheidung sei vorschnell gefallen.

Exakt zwei Tage, vier Stunden und 55 Minuten: So lange war Xavier Naidoo der deutsche Teilnehmer für den Eurovision Song Contest im kommenden Jahr in Stockholm. Am Samstag zog der NDR den Kandidaten nach heftiger Kritik überraschend zurück. Das Debakel hat nun offenbar auch intern ein Nachspiel.

ARD-Programmdirektor Volker Herres kritisiert den NDR öffentlich mit deutlichen Worten. Die ARD hätte zunächst intern diskutieren müssen, ob sich Naidoo wegen bestimmter Äußerungen selbst "für eine Teilnahme am ESC disqualifiziert" habe, sagte Herres der "Welt am Sonntag".

"Xavier Naidoo hat mehrfach Äußerungen getätigt, die man nicht gutheißen kann und missbilligen muss", sagte Herres. Mit der Nominierung seien aber Fakten geschaffen worden. "So ist das alles sehr unglücklich gelaufen", sagte Herres. Damit kritisiert er auch den ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber, der die Entscheidung für Naidoo zu verantworten hat. Vergangene Woche hatte Schreiber Naidoo mit den Worten vorgestellt, dieser stehe "seit Langem für Werte wie Frieden, Toleranz, Liebe".

Herres ging deutlich auf Distanz und machte deutlich, dass die Verantwortung für die missglückte Nominierung allein beim NDR liege: "Die Nominierungs-Entscheidung liegt beim NDR, der den ESC allein verantwortet und in das ARD-Gemeinschaftsprogramm einbringt", sagte Herres. "Dort wurde jetzt auch die Entscheidung getroffen, Naidoo als Vertreter Deutschlands beim kommenden Song Contest in Stockholm zurückzuziehen."

Der NDR hatte Naidoos Nominierung am Samstag wieder zurückgezogen und dies mit der heftigen öffentlichen Kritik an dem Sänger begründet, dem Homophobie und Rechtspopulismus vorgeworfen wird.

NDR will so schnell wie möglich Klarheit über Prozedere für 2016

Naidoo war vom NDR ohne den üblichen Vorentscheid nominiert worden. Stattdessen sollte in einer Fernsehshow am 18. Februar nur noch das Lied ausgewählt werden, mit dem der Sänger aus Mannheim am 14. Mai in Stockholm am ESC-Finale teilnehmen sollte.

Wie der Teilnehmer für den ESC 2016 nun bestimmt werden soll, ist derzeit unklar. "So schnell wie möglich werden wir entscheiden, wie der deutsche Beitrag für den ESC in Stockholm gefunden wird", erklärte Schreiber. Nach den deutlichen Worten Herres' ist allerdings fraglich, ob er dafür zuständig bleibt.


Xavier Naidoo sagte:

mai

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