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"Das Supertalent 2011" auf RTL: Trotzpunker und Therapie-Tratsch

Schon wieder hat ein Mann mit Blasinstrument das Rennen gemacht. Ansonsten dominierten im Finale von "Das Supertalent 2011" Tränen, Schicksalsschläge und ein Moderator ohne Feingefühl. Ein nie enden wollender Murmeltier-Albtraum, meint

Sylvie-Sophie Schindler

Was interessieren uns bitteschön normale Leben? Nichts davon wollen wir hören, wollen nicht wissen, dass eine sich jetzt endlich eine Einbauküche, Eiche rustikal, mit hochmoderner Dunstabzugshaube geleistet hat oder ein anderer seine Sommerurlaube Caipirinha trinkend auf Mallorca verbringt. Wenn man die Glotze anmacht, muss schon was dabei sein, irgend so ein verdammt hartes Schicksal, das man einfach nicht fassen kann, Kindheit im Keller oder so, und deshalb vor Rührung in die Taschentücher rotzt.

Gut also, dass die Redaktion der RTL-Castingshow "Das Supertalent" ein Händchen dafür hat, ausgerechnet solche Leute ins Fernsehen zu karren, die entweder nicht rechtzeitig von der "Supernanny" auf den richtigen Weg gebracht wurden oder nicht als George Clooney auf die Welt kamen oder solche, die keine reichen Freunde haben, die ihnen eben mal 500.000 Euro leihen. Das Eigenheim muss selber verdient werden, doch wer im "Supertalent"-Finale gewinnt, der hat 100.000 Euro sicher, was erstens den Bundespräsidenten sicher neidisch macht und zweitens schon mal für Hobbykeller, Whirlpool und Wintergarten reicht.

42.000 Bewerber gingen in der fünften "Supertalent"- Staffel an den Start, ins Finale am Samstagabend schafften es zehn Kandidaten. Unter die Top Drei kamen Panflötenspieler Leo Rojas, der singende Underdog Sven Müller und der sechsjährige Klavier-Knirps Ricky Kam. Vielleicht liegt es daran, dass sich Menschen so gerne in Fußgängerzonen aufhalten, wo an Panflöten-Musik quasi kein Vorbeikommen ist und sie so heimlich auf diese Art von Klängen abgerichtet werden - die meisten Zuschauer jedenfalls riefen für Leo Rojas und dessen Interpretation von "Der einsame Hirte" an.

Mit Charme und Schicksalsschlag

Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Rührseligkeits-Faktor der Geschichte des 27-Jährigen am höchsten war. Das letztendlich ist es, siehe oben, was zählt. "Es ist sehr schwer, dass ich meine Familie so selten sehe", brach es aus dem Straßenmusiker heraus. Die Familie ist weit weg, in Ecuador, doch der Sender ließ zumindest die Mutter einfliegen, um sich ein tränenreiches Herz-Schmerz-Wiedersehen zu sichern.

Ebenso begeistert wie die Zuschauer zeigte sich die Jury, Sylvie van der Vaart und Motsi Mabuse waren schier aus dem Häuschen. "Klar, dass die Mädels auf seine Flöte stehen", meinte Juror Dieter Bohlen zweideutig. Dass Blasinstrumente förderlich sein können für einen "Supertalent"-Sieg bewies in der Vergangenheit übrigens schon Michael Hirte mit seiner Mundharmonika. Wenn allerdings in der nächsten Staffel ein Jagdhornspieler gewinnen sollte, dann sollte man sich mal ernsthaft Gedanken machen, was das wohl zu bedeuten hat.

Der Zweitplatzierte Sven Müller interpretierte Abbas "I Have A Dream". "Wenn ich singe, vergesse ich alle meine Sorgen", verriet der 46-Jährige und plauderte in einem Einspieler freimütig aus, was ihn so stark belastet. Allein: In einer Selbsthilfegruppe wäre er damit besser aufgehoben. "Ich kannte nur Selbstzweifel", so sein erstes Bekenntnis. "Ich schau' nicht gerne in den Spiegel, ich finde mich nicht attraktiv", schob er Bekenntnis Nummer Zwei nach. Und Bekenntnis Nummer Drei: "Ich war spielsüchtig und habe 50.000 Euro verspielt. Ich hasse mich für meine Vergangenheit." Das schreit ja regelrecht danach, dass endlich eine Show konzipiert wird, in der es einen Therapieplatz zu gewinnen gibt.

Auch Kinder wie Ricky Kam könnten therapiebedürfig sein, denn mit überehrgeizigen Eltern á la Tigermutter lebt es sich sicher nicht gerade gemütlich. Bereits mit zweieinhalb Jahren hat der kleine Schweizer sich angeblich ganz von selbst ans Klavier gesetzt und geübt. Während im Finale Flitter-Glitter unpassend von der Decke rieselte und Mädchen dem kleinen Ricky bewundernd zu Füßen saßen, spielte der Beethovens "Für Elise". Sylvies anschließender Kommentar: "Ich könnte stundenlang über dich schwärmen." Dieter mahnte jovial: "Nicht jeder Ton war da, wo er hingehört."

Ein Punk mit Tränen in den Augen

Im Verspielen noch eins drauf setzte Jörg Perreten, ebenfalls Hobby-Pianist, der Metallicas "Nothing Else Matters" zum Besten gab. Seine Teilnahme beim "Supertalent" ist wohl so etwas wie eine Resozialisierungsmaßnahme, denn der 23-Jährige mit dem rot gefärbten Irokesenschnitt lebt auf der Straße und sah bis vor kurzem in seinem Leben keinen Sinn mehr. Als er ins Finale gewählt wurde, war er überwältigt: "Ich habe nicht gedacht, dass Deutschland mich so mag." Im Finale allerdings verpatzte er vor lauter Aufregung seinen entscheidenden Auftritt und musste deshalb harte Worte einstecken. Tränen standen Jörg in den Augen, enttäuscht verließ er vorzeitig die Bühne. Auch wenn sich sonst keine großen Gefühle regten bei soviel Monotonie und gleichzeitig künstlicher Hysterie der Show, so war das doch ein sehr berührender Moment.

Über die Kandidaten aus der Kategorie Gesang ärgert man sich im Grunde besonders, weil man von diesen singenden Talenten die Nase einfach voll hat. Sollen die doch zu "DSDS" gehen oder zu "X Faktor" oder zu "Voice Of Germany". Bei Desire Capaldo nervte alleine schon die Musikauswahl - "Memories" aus dem Musical "Cats". Man kann es einfach nicht mehr hören, schon gar nicht, wenn beim Singen so auf die Stimme gedrückt wird - Desire machte es vor. Richtig hübsch ist sie wenigstens. Könnte also ruhig mal anklopfen bei "Germany's Next Topmodel".

Der 20jährige Julian Pecher, dessen Sangeskünste auch eher zu vernachlässigen sind, wurde als Frauenschwarm inszeniert. Zufällig ist er auch noch Single. Und weil es wohl nichts anderes in seinem Leben gibt, was dramatisch genug ist, sollte genau daraus sein ausgesprochen schwerer Schicksalsschlag gestrickt werden - er wurde von einem Mädchen sitzen gelassen.

Marco Schreyl - als Kind auf der "stillen Treppe" vergessen?

Immer noch ungelöst ist weiterhin, welches schwere Schicksal auf Moderator Marco Schreyl lastet. Was muss ein Mensch erlitten haben, um sich zu so einem unerträglichen Redeautomaten zu entwickeln? Hat man ihn als Kind auf der "stillen Treppe" vergessen? Oder beim Indianerspielen gefesselt an einem Baum? Hat dieser Mensch wirklich kein Feingefühl oder tut er nur so? Spätestens nach dem Interview mit zwei kleinen Jungen aus der Familie von Julian Pecher hat sich Marco Schreyl endgültig disqualifiziert. Wie immer stellte er seine Fragen so, dass sie nur mit Ja oder Nein zu beantworten waren und tat dann so, als wären die Kinder zu blöd, um gute Antworten zu geben. Mit bissiger Ironie meinte er dann: "Diese Kinder sind ja richtig gute Talkshowgäste." Setzen, Sechs.

Eine Fünf Minus wäre noch zu vergeben an die Deutschkenntnisse von Jurymitglied Sylvie van der Vaart. Man kann blonde Holländerinnen mit ihrem typischen Akzent sicher auch süß finden, aber ständige grammatikalische Ausrutscher nerven irgendwann. Über Dieter Bohlen ist ohnehin schon alles gesagt worden. Zudem lässt sich der Casting-Titan sowieso nichts Neues einfallen. Das scheinen auch die Zuschauer gemerkt zu haben. Nach 8,23 Millionen Zuschauern beim Staffelfinale im Vorjahr sahen dieses Mal nur noch 6,45 Millionen Menschen zu, in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichte die Show mit 3,34 Millionen eine Quote von 28,2 Prozent. Ja, langsam wird es tatsächlich brenzlig, Dieter Bohlen wiederholt sich, die Casting-Shows wiederholen sich - und wir Kritiker ebenso. Wäre zumindest eine tolle Idee für ein Drehbuch. Blöd nur, dass es das schon gibt, zumindest vom Grundgedanken her. Es heißt "Und täglich grüßt das Murmeltier".

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(
  • Sylvie-Sophie Schindler