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"M - eine Stadt sucht einen Mörder": Mit dieser Serie macht RTL Netflix Konkurrenz - lohnen sich dafür 4,99 Euro?

Mit "M - eine Stadt sucht einen Mörder" hat Regisseur David Schalko den Filmklassiker aus den 1930er Jahren in die Gegenwart verpflanzt - und zu einem Lehrstück über politischen Populismus ausgearbeitet.

"M - eine Stadt sucht einen Mörder"

Die Serie "M - eine Stadt sucht einen Mörder" ist auf Deutschland exklusiv auf der Streamingplattform "TV Now" abrufbar.

MG RTL D

Wir stehen vor einem neuen Zeitalter der Angst, diagnostizierte vor drei Jahren ein Historiker. Wenn das stimmt, dann gibt es nun die passende Serie dafür. Alles, was der Zuschauer darin in den ersten Minuten zu sehen bekommt, flößt ihm Furcht ein. Ein weißes Gespenst, das durch die Luft fliegt. Eine rote Kinderjacke auf einer Bank. Ein Fuchs, der daran schnuppert. Ein überdimensionierter Clown, sowie ein älterer Herr im Pelzmantel, der ständig fotografiert. Und ein einsames Mädchen im Schnee. Schon der Beginn dieser Serie steckt voller Unheil schwangerer Symbole. Was genau sie zu bedeuten haben, wird auch im Laufe der folgenden 270 Minuten nicht restlos klar. Dennoch wird deutlich, was das eigentliche Thema ist: Es geht um Angst und darum, wie sie politisch ausgenutzt wird .

Mit diesen Bildern beginnt das Remake von Fritz Langs Meisterwerk "M - eine Stadt sucht einen Mörder". Auftraggeber dieser sechs Millionen Euro teuren Produktion sind der Österreichische Rundfunk und RTL Crime. Eine binationale Koproduktion also. Doch während die österreichischen Fernsehzuschauer die sechs Folgen im Februar zu sehen bekamen, warten RTL-Zuschauer bislang vergeblich. Denn der Sechsteiler ist in Deutschland exklusiv auf dem kostenpflichtigen Streamingportal TV Now zu sehen, die von der RTL-Gruppe betrieben wird.

"M - eine Stadt sucht einen Mörder" spielt im heutigen Wien

Zwar ist die Serie der bislang erste Eigenproduktion von TV Now, doch die 4,99 Euro Monatsgebühr für die Plattform sind in diesem Fall gut angelegt. Denn "M - eine Stadt sucht einen Mörder" liefert weit mehr als das Update eines Filmklassikers. Für die Umsetzung ist der österreichische Regisseur David Schalko verantwortlich. Der hat mit Serien wie "Braunschlag" oder "Altes Geld" bereits unter Beweis gestellt, dass sich anspruchsvolle Geschichten und Publikumsinteresse nicht zwangsläufig ausschließen. 

Schalko, der zusammen mit seiner Ehefrau Evi Romen das Drehbuch schrieb, transportiert die im Berlin der 1930er Jahre spielende Geschichte ins Wien der Gegenwart. Das Grundgerüst der Filmvorlage bleibt dabei unangetastet: Im Kern geht es um einen Kindermörder, der sein Unwesen treibt und die Bevölkerung tief verunsichert. Weil die Polizei bei ihrer Suche nicht voran kommt und stattdessen die Unterwelt durch Razzien behelligt, machen sich die Ganoven schließlich selbst auf die Suche - und stellen den Täter.

Filmszenen: "M - eine Stadt sucht einen Mörder" - darum geht es in der Serie
"M - eine Stadt sucht einen Mörder"

Der österreichische Regisseur David Schalko ("Braunschlag") hat Fritz Langs Filmklassiker "M - eine Stadt sucht einen Mörder" neu inszeniert. Schalko transportiert die Vorlage aus dem Jahr 1931 ins Wien der Gegenwart. Die Geschichte ist in weiten Teilen die gleiche: Ein Kindermörder treibt in der Stadt sein Unwesen und verunsichert die Bevölkerung. 

Schalko fügt der Geschichte aber eine weitere Dimension zu, die den Stoff erst richtig interessant macht: Er verknüpft die Geschehnisse um die verschwundenen Kinder mit der Flüchtlingsbewegung der Jahre 2015/2016, als Deutschland und Österreich eine große Zahl von Zuwanderern aufnahm - was in beiden Ländern zu einem Erstarken des Rechtspopulismus führte. In Deutschland sitzt mittlerweile die AfD im Bundestag, in der Alpenrepublik ist die FPÖ sogar Regierungspartei geworden.

Wie das eine mit dem anderen zusammenhängt, wie Populisten und schamlose Medienmacher die Ängste vor kriminellen Taten skrupellos mit den Geflüchteten verknüpfen, das zeigt Schalko in dieser Serie. Die Figur des Innenministers ist hier angelegt als eine Mischung aus dem jugendlichen Kanzler Sebastian Kurz und dem amtierenden Innenminister Herbert Kickl. 

Regisseur David Schalko aktualisiert den Stoff

Auf einer Pressekonferenz klagt der von Dominik Maringer gespielte Politiker: "Das Geld, das wir pro Jahr für Migration ausgeben, fehlt uns jetzt für die eigenen Kinder." Die "Gutmenschenpolitik" setze dagegen "das Leben unserer Kinder" aufs Spiel. Überhaupt: Die Bürgerrechte würden nur dazu verwendet, um Straftäter zu schützen. Es ist der übliche, fremdenfeindliche, antiliberale Sound, den man aus sozialen Netzwerken zur Genüge kennt, wo Rechtspopulisten ihr Gift versprühen und jedes Übel auf die Flüchtlinge reduzieren.

In diesen Szenen wird deutlich, warum diese Strategie so erfolgreich ist. Vor allem dann, wenn diese Reden kein Krawallbruder, kein tatteriger Senior mit Hundekrawatte vorträgt, sondern ein geschniegelter Politiker im Anzug - der dazu noch ein Bündnis mit einem mächtigen Medienmanager eingegangen ist. Die Antwort: Weil verängstigte Menschen, besonders anfällig sind für einfache Antworten und Lösungen.

"M - eine Stadt sucht einen Mörder" ist aber weit mehr als ein politisches Lehrstück über den aktuellen Rechtspopulismus. Es ist zuallererst ein Stück gute Fernsehunterhaltung, mit einem grandiosen Schauspielensemble, viel schwarzem Humor und einer guten Portion David Lynch. Insgesamt eine Mischung, die durchaus Spaß macht - und vor der niemand Angst haben muss.

M - eine Stadt sucht einen Mörder

TV Now ist monatlich für 4,99 Euro erhältlich. Dafür bekommt der Kunde viele RTL-Inhalte schon vorab, dazu die Live-Streams der Senderfamilie (RTL, RTL 2, Vox, RTL Nitro, Super RTL und n-TV) sowie die exklusive Serie "M - eine Stadt sucht einen Mörder". Am 1. April startet die Serie "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert", nach dem gleichnamigen Bestseller von Joel Dicker.