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TV-Kritik "The Roast of Justin Bieber": Zieht dem Justin die Unterhose aus

In der TV-Show "The Roast of Justin Bieber" sollte der Teenie-Flegel gegrillt werden. Doch statt einer Abreibung gab es müde Gags. Selbst "Verstehen Sie Spaß?" ist lustiger.

Von Jens Maier

Flatsch: Die Werbung für den "Roast of Justin Bieber" verspricht Eier. Doch in der Show fliegen nur müde Gags.

Flatsch: Die Werbung für den "Roast of Justin Bieber" verspricht Eier. Doch in der Show fliegen nur müde Gags.

Was haben Justin Bieber und Helmut Kohl gemeinsam? Sie haben beide schlechte Erfahrungen mit Eierwürfen gemacht. Seit Wochen wirbt der Sender Comedy Central mit einem Video von Justin Bieber. Darin wird der oberkörperfreie Teenie-Schwarm mit Eiern beworfen - und ja, er kriegt es voll ab. Nicht nur bei Biebers Ex-Nachbarn, sondern bei allen genervten Eltern und Bieber-Hassern dürften dabei triumphale Gefühle aufkommen. Fast so wie 1991 bei SPD-Wählern, als Helmut Kohl bei seinem Besuch in Sachsen-Anhalt mit den rohen Hühnererzeugnissen beworfen wurde. Doch dann enden die Gemeinsamkeiten Biebers und Kohls auch schon. Denn während der einstige Kanzler seinerzeit wild zurückschlug, beschränkt sich Biebers Revanche auf einen harmlosen Eiertanz.

Nur zwei Tage nach der Premiere im US-Fernsehen strahlte Comedy Central am Mittwochabend die TV-Show "The Roast of Justin Bieber" in ungekürzter Fassung auch im deutschen Fernsehen aus. Vor ihm hatten sich bereits David Hasselhoff, Pamela Anderson, William Shatner oder Donald Trump tapfer der Schmähparade gestellt, die nur eins zum Ziel hat: sich über den Kandidaten lustig zu machen. Das Prozedere ist denkbar einfach. Eine ganze Schar von Gastrednern zieht über die Eigenheiten und Missetaten des Teilnehmers her. Das klingt nach Büttenrednern beim Kölner Karneval - und leider ist es oftmals nicht viel witziger.

Tabu-Themen werden vorab ausgeklammert

Dabei fing alles so gut an. "Heute Abend holen wir nach, was seine Eltern und unser Justizsystem schon längst hätten machen sollen - wir verpassen diesem Jungen einen gehörigen Tritt in den Hintern", kündigte der zum Moderator ("Roast Master") bestellte Schauspieler und Komödiant Kevin Hart die eineinhalbstündige Show an. Und dann schwebte Justin Bieber als Engel von der Decke ein, um dann - oh Schreck - auf die Bühne abzustürzen. Witzigkeit kennt keine Grenzen. Der Eröffnungsgag war ebenso einstudiert wie der gesamte Rest der Show. Denn, das muss man wissen, in "The Roast of …" passiert nichts spontan. Alle Gags, alle Reden werden vorab von Autoren geschrieben und dann artig vorgetragen. Und ja, sogar der Geschmähte ist über die bösen Witze vorher eingeweiht, kann bestimmen welche Themen tabu sein sollen.

Das machte es Bieber umso leichter, entspannt lächelnd in einer Art blauem Kommunionsanzug zwischen seinen "Roastern" Platz zu nehmen. Alt-Rapper Snoop Dog und Ludacris durften sich ebenso über die Ungezogenheiten des 21-Jährigen auslassen wie Stilikone Martha Stewart, Ex-Basketballstar Shaquille O'Neal oder Schauspieler Will Ferrell. Was sie zu Tage beförderten, war nicht neu. In erster Linie waren Biebers Konflikte mit dem Gesetz, seine rasante Fahrweise, seine Liaison mit Selena Gomez oder seine Musik Thema der Schmähreden. Und ja, teilweise war das sogar komisch. Beispielsweise dann, wenn O'Neal ausholte: "Du warst im vergangenen Jahr die fünfgehasste Person aller Zeiten. Nicht mal Kim Jong-Un hat das geschafft. Und der benutzt deine Musik, um Leute zu quälen." Oder wenn Hart frotzelte: "Er hat eine Stimme wie Stevie Wonder. Leider fährt er auch wie der Auto."

Ansonsten verkam die Show zu einem lahmen Gag-Feuerwerk. Sogar "Verstehen Sie Spaß?"-Zuschauer haben mehr zu lachen. Das Studiopublikum klatschte und johlte trotzdem, was vor allem daran lag, dass sich alle Roaster einer für US-Verhältnisse ungewöhnlich derben Sprache bedienten. "Nigger", "Fucker" und "Bitch" ertönten praktisch im Minutentakt. Das kann man witzig finden, muss man aber nicht. Einzig Will Farrell sorgte als "Ron Burgundy" verkleidet noch einmal für Lacher. Und das nicht nur auf Biebers, sondern auch auf deutsche Kosten. "Warum um alles in der Welt hast du deinen Affen 'Mally' in Deutschland gelassen?", fragte der entsetzt. Um im nächsten Satz anzudeuten, dass nicht nur der Zoo, in dem 'Mally' jetzt lebe, sondern für ein Beverly-Hills-Äffchen auch Deutschland die Höchststrafe sei.

Bieber kommt erst nach 80 Minuten zu Wort

Nach endlosen 80 Minuten war dann auch Bieber dran. Doch statt mit seinen Roastern abzurechnen, die wahrlich genug Angriffsfläche böten, beschränkte er sich darauf, der reumütige Bieber zu sein. Er entschuldigte sich bei allen seinen Fans für die Verfehlungen der vergangenen Monate und gelobte Besserung. Brav. Aber ein Bieber mit Eiern hätte der Show ganz gut getan.

Am Schluss sorgte Bieber dann doch nochmal für Spannung. "Ich möchte Entschuldigung sagen zu jemandem, dem ich ganz besonders weh getan habe", sagte er und guckte mit großen, braunen Rehaugen in die Kamera. Würde er sich tatsächlich bei Ex-Freundin Selena Gomez entschuldigen? Nein, natürlich bei Äffchen "Mally". Witzisch.