HOME

TV-Doku "Sehnsucht nach Freiheit": Als die Ungarn sich vor 60 Jahren ihre Freiheit erkämpften

Der Widerstand eines kleinen südosteuropäischen Volkes gegen politische Unterdrückung hat schon mehrfach die Geschicke unseres Kontinents bestimmt. Am Sonntag jährt sich zum 60. Mal der Aufstand der Ungarn gegen die sowjetische Besatzungsmacht 1956.

"Sehnsucht nach Freiheit" über den Ungarn-Aufstand ist ein Film des Musikers Leslie Mandoki (oben rechts.).

"Sehnsucht nach Freiheit" über den Ungarn-Aufstand ist ein Film des Musikers Leslie Mandoki (oben rechts.).

Es war das kommunistische Regime, das als erstes die Waffen sprechen ließ: Als am Abend des 23. Oktober 1956 rund 200.000 Ungarn ins Zentrum von Budapest zogen, hatten sie recht moderate Forderungen. Sie wollten freie Wahlen, Meinungs- und Pressefreiheit und unterstützten den polnischen Arbeiteraufstand, der wenige Tage zuvor ausgebrochen war. Studenten hatten zu dem vom Regime genehmigten Protestzug aufgerufen. Alles schien friedlich abzulaufen.

Doch die große Menge vor dem Parlament und besonders vor dem Rundfunkgebäude machte der Staatsmacht Angst. Sie ließ das Feuer auf die Unbewaffneten eröffnen. Es gab unzählige Tote. Aber das ungarische Volk ließ sich nicht einschüchtern – und schoss mit erbeuteten Waffen zurück. Soldaten solidarisierten sich mit den Aufständischen, ein landesweiter Generalstreik brach aus.

Richtung Osten: Die Russen rücken ab

Die Freiheit war plötzlich zum Greifen nah. Eine Woche nach den ersten Schüssen hatte sich scheinbar der Volksaufstand weitgehend durchgesetzt: Auf dem Heldenplatz wurde das riesige Stalin-Denkmal gestürzt. Der Reformkommunist Imre Nagy führte eine Mehrparteien-Regierung und erklärte den Austritt aus dem "Warschauer Pakt". Ungarn sollte künftig neutral sein – ein ungeheurer Affront des kleinen Landes gegen das übermächtige Sowjetreich. Doch er schien zu gelingen: Die sowjetischen Truppen rückten ab Richtung Osten.

Allerdings nur, um sich zum Angriff zu formieren: Schon wenige Tage später rollten die Panzer durch Budapest und schossen den Aufstand der Bürger zusammen, die sich noch rund zwei Wochen erbittert wehrten. Trotz Munitionsmangel und fehlender Ausbildung.

Rund 2500 Ungarn und nach offiziellen Angaben 720 Sowjetsoldaten starben dabei. In einzelnen Bergregionen des Landes wurde sogar noch bis 1957 weitergekämpft.
Letztlich siegte aber die militärische Übermacht und bei den anschließenden Säuberungen wurden mindestens 350 Aufständische hingerichtet. Auch der kurzzeitige Präsident Imre Nagy. Hunderttausende Ungarn gingen ins Exil.

Gysi, Gabriel und Gorbatschow kommen zu Wort

In einem sehenswerten Dokumentarfilm erzählt der gebürtige Budapester Leslie Mandoki die Geschichte des Aufstandes nach. Mandoki selbst erlebte die Kämpfe um Budapest als kleiner Junge mit. Auf den Schultern seines Vaters sah er den Sturz der Stalin-Figur. Für seinen Film sprach er mit weiteren Zeitzeugen über die Geschehnisse. Unterstützt wurde er dabei vom ehemaligen ZDF-History-Mann Guido Knopp.

Besonders eindrucksvoll sind die Gespräche mit den einst jungen Kämpfern, die den Aufstand überlebt haben und nun an den Originalschauplätzen darüber Berichten. Aber auch bekannte Politiker wie Gregor Gysi, Sigmar Gabriel und Michael Gorbatschow kommen zu Wort.

Grenzöffnung 1989: Schon wieder die Ungarn

Mit ihnen eröffnet der Film eine weitere, spannende Ebene: Denn auch bei der Grenzöffnung 1989, die zur Wiedervereinigung führte, waren es die Ungarn, die den Mut hatten, gegen die Interessen der Sowjetmacht zu handeln und tausende DDR-Bürger ausreisen zu lassen. Erst die Massenhafte Flucht über Ungarn führte zur DDR-Grenzöffnung – und damit letztlich zur Wiedervereinigung.

"Kabel eins Doku" sendet den Film von Leslie Mandoki am Vorabend des Jahrestages, der gleichzeitig ungarischer Nationalfeiertag ist. Der neue Dokumetationskanal von ProSiebenSat1 zeigt damit, dass man sich künftig auch politischen Themen widmen und in Eigenproduktionen investieren will, statt nur US-Konserven zu senden. Lobenswert.

"Sehnsucht nach Freiheit" – der Film von Leslie Mandoki läuft am 22. Oktober um 21.55 Uhr auf dem neuen Informationskanal "Kabel eins Doku"