HOME

"Hart aber fair" über Flüchtlinge: Kaum angekommen, schon beginnt der Verteilungskampf

Kontrovers diskutieren die Gäste von Frank Plasberg die deutsche Willkommenskultur. Zuschauer formulieren ihre Sorgen und Ängste rund um die Flüchtlingskrise. Dabei lautet die zentrale Frage: Schafft Deutschland das?

Eyüp Yildiz und Roland Tichy im Streitgespräch

Eyüp Yildiz, der stellvertretende Bürgermeister von Dinslaken (l.), und Wirtschaftsjournalist Roland Tichy im Streitgespräch

Die Flüchtlingsfrage teilt Deutschland in zwei Lager: die sogenannten "Willkommens-Optimisten" und die Besorgten. Selten wurde diese Spaltung so deutlich wie im Talk bei "Hart aber fair" zum Thema: "Flüchtlingskrise im Bürgercheck: Geht das gut mit Jobs, Wohnen, Integration?" Als Basis dienen der Runde die Zuschriften der Bürger, in denen Befürchtungen deutlich werden, dass Deutschland die Kontrolle über die aktuelle Situation verlieren könnte.

Befürchtungen, die Eyüp Yildiz teilt: "Wir dürfen nicht die gleichen Fehler machen wie vor 30, 40 Jahren", sagt der stellvertretende Bürgermeister von Dinslaken. Dies würde Parallelgesellschaften und Ghettoisierung zur Folge haben. Das Problem sei: "Die Behörden lassen uns mit den Flüchtlingen allein." Der SPD-Politiker geht davon aus, dass es zu Verteilungskämpfen kommen wird: "Der Druck auf die Armen in der Gesellschaft wird weiter steigen, man muss dieses neoliberale System beenden", fordert er und schimpft auf den geringen Mindestlohn von 8,50 Euro. Diese These bringt Ökonom Roland Tichy auf die Palme.

"Ich wehre mich gegen den Begriff Flüchtling"

Der Wirtschaftsjournalist veröffentlichte zwar vor über 20 Jahren das Buch "Ausländer rein", fällt aber gleich zu Beginn der Sendung mit seiner Unterscheidung zwischen "guten und schlechten Zuwanderern" auf: "Wenn wir die falschen Menschen holen, ist die Zukunft des Landes belastet." Dafür erntet der routinierte Talkshow-Gast Tichy ebenso Applaus wie für seine These: "Ich wehre mich gegen den Begriff Flüchtling - weil die meisten aus anderen Gründen kommen."

Daraufhin streiten Yildiz und Tichy lautstark, sind aber nicht die einzigen: Kathrin Göring-Eckardt, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, gerät mit dem stellvertretenden CDU-Parteichef Thomas Strobl aneinander: Grund zu strenge Bauvorschriften, die womöglich für den Wohnungsmangel verantwortlich seien. Zwischendurch meldet sich noch Uwe Hück, der Betriebsratsvorsitzende von Porsche, mit seiner ganz eigenen Meinung zum Thema Integration: "Keiner kann dumm genug sein, um keine Ausbildung zu machen."

Die Unsicherheit lässt keinen kalt

So geht es munter zwischen unterschiedlichsten Diskussionsansätzen hin und her, wodurch die ganze Tragweite der Debatte deutlich wird: Deutschland steht vor einer riesigen Herausforderung - und die Unsicherheit, wie sich die Zuwanderungssituation in den nächsten Monaten und Jahren entwickelt, lässt keinen kalt. Es wird nicht die letzte Plasberg-Sendung zum Thema gewesen sein. Eher war es eine der ersten.

tim
Themen in diesem Artikel