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TV-Kritik

"Die Bachelorette": "Ach du Kacke, ist das 'ne Granate!"

Endlich wird bei RTL wieder herzhaft verkuppelt! 20 Männer kämpfen in der neuen "Bachelorette"-Staffel um Single-Frau Gerda. Die ist ein Volltreffer, die Kandidaten jedoch größtenteils eine Vollkatastrophe. Herrlich!

Fitnessmodel Gerda Lewis wird die neue Bachelorette.

Wir hatten jetzt ja lange genug Zeit, unseren Intellekt zu erholen und ein paar schüchterne, kleine Gehirnzellen nachwachsen zu lassen, seit Bachelor Andrej und seine Jenni in ihr "Und sie waren happy bis ans Ende ihrer Tage" entschwebten. Seither beglücken sie nicht nur sich gegenseitig, sondern auch uns permanent mit herrlich schmalzigen Instagram-Postings. Aber unser Trash-Thermometer hängt seither traurig im Minusbereich. Da wird es Zeit, endlich wieder eine heitere Single-Suche auf den TV-Bildschirm zu bringen – und RTL hat uns erhört. Die neue Staffel der "Bachelorette" ist gestartet.

Kölnerin Gerda will ihren Traummann finden

Im Mittelpunkt: die Kölnerin Gerda, 26, blond, hübsch, "Influencerin". Die neue Bachelorette hat ein sympathisches Lachen, scheint nicht blöd zu sein und hat auf jeden Fall verstanden, wie diese Show funktioniert – das war ja das einzige Manko bei ihrer Vorgängerin Nadine Klein. Wir erfahren von ihr selbst, dass sie ausrastet, wenn bei Bettwäsche "die Zipp-Seite nach oben" gewendet ist (Gerda: "Es gibt gewisse Regeln im Leben", und da hat sie selbstverständlich absolut Recht). Außerdem hat sie eine sehr süße Mutter, die Tränchen vergießt, als sie sich daran erinnert, wie sie mit Baby Gerda einst aus Litauen nach Deutschland übersiedelte. Trash-TV-Profis kennen Gerda übrigens schon als Ex-Kandidatin aus "Germany's Next Topmodel".

Kandidat Fabio will das Herz von Bachelorette Gerda erobern

Kandidat Fabio will das Herz von Bachelorette Gerda erobern

TV Now

Hätten wir geklärt, dass wir mit der Wahl der Bachelorette vorerst zufrieden sind. Selbiges kann man allerdings nicht von den 20 Männern behaupten, die in diesem Jahr um ihr Herz buhlen wollen (oder sowas Ähnliches). Denn die sind auf den ersten Blick ein echtes Gruselkabinett – RTL spielt während der Vorstellungsrunde passenderweise "Mehr Freaks braucht das Land" von Querbeat ein und wirft zusammenhanglos Clips in den Raum, in denen die Kerle grandios hirnlose Sätze sagen wie "Konkurrenz – wie wird Konkurrenz buchstabiert?", "Im Gesicht hat man keine Muskeln" (FALSCH! übrigens) oder "Ich bums' alles, aber ich lieb' die Frauen tatsächlich auch". Man hat fast den Eindruck, der Sender weiß selbst sehr gut, was für Pflaumen er hier engagiert hat. "Die meisten sind hier, damit sie fame werden", vermutet Kandidat Serkan abschätzig.

Geht's den Herren wirklich um die Liebe?

Spielort der diesjährigen Flirt-Olympiade: Griechenland. "Das Land der schönen Frauen und das Land, vor allem, der Oliven", wie Kandidat Luca so schön zusammenfasst. Äh, okay. Wir lernen die Jungs nach und nach ein wenig kennen: Tim ist der streberhafte Polizist mit den guten Bauchmuskeln. Yannic ist der bodybuildende Volltrottel, der einen ernsthaften Sexkomplex hat und sich nach vier Tagen "ohne" schon "sehr auf die Bachelorette" freut. Das Popcorn aus der Speiseröhre gehustet haben wir allerdings, als er uns in einem Einspieler schließlich erzählt, dass er Luft- und Raumfahrttechnik studiert und lernt, wie man Raketen baut. Nicht sein ERNST?!

"Bachelorette": Um Gerda für sich zu gewinnen, geht Daniel aufs Ganze und wagt einen ersten Annäherungsversuch.

Mudi ist die einfallslose, oberflächliche Flirtkanone, die bei der Bachelorette nicht schlimm fände, "wenn da ein bisschen was gemacht ist". Fabio sagt: "Mein Punkt, der mich wirklich einzigartig macht, bin ich selber", und hüpft dann in roten Boxershorts, weißem Oberhemd und Baseball-Käppi über eine Wiese. Österreicher Daniel hat eine Drohnenfirma, zwei Katzen und einst einen schlimmen Unfall überstanden. Oggy ist der humorvolle Kampfsportler mit zuviel Bart. Jan hat eine sechsjährige Tochter und eine extrem seltsame Frisur. Jonas mit der langen blonden Mähne darf im Vorstellungsvideo Holz hacken (das kleine Klischee möchte bitte aus dem Spieleparadies abgeholt werden!), hat mal bei einer "Mister Germany"-Wahl mitgemischt, behauptet aber von sich, kein Frauentyp zu sein. Immerhin mag er Tiere.

Die "Bachelorette"-Kandidaten überzeugen eher ... gar nicht

Blöd für die meisten: Gerda verrät vorab, dass sie es bei Männern mag, "wenn es glatt ist im Gesicht, und auch auf der Brust". An der einen oder anderen Stelle haben die meisten der Herren Haar. Das erfährt sie aber natürlich erst, als sie die Bagage endlich persönlich zu sehen bekommt. Das dramatische Kennenlernen findet dieses Mal direkt in der Villa statt, in der die Kandidaten anschließend auch wohnen werden. Gerda hat sich – passend zum Griechenland-Thema – angezogen wie Xena beim Abi-Ball (metallic-silberne Robe mit Mörder-Schlitz) und erwartet die Jungs "positiv nervös" am Roten Teppich vor der Haustür.

Die ersten beiden Ankömmlinge – Fabio und Tim – bekommen es nicht mal in diesem letzten, heiligen Moment im Auto, in dem sie zum ersten Mal einen Blick auf Gerda werfen können, hin, nicht wie Volltrottel zu wirken. Trost: Das schafft auch kaum einer der nachfolgenden Typen. Italiener Fabiano rafft es vor Nervosität fast dahin, obwohl Gerda sein Hawaii-Hemd lobt. Mudi tanzt über den Roten Teppich. Astro-Bodybuilder Yannic komplimentiert Gerda mit den Worten "Kann man machen".

Luca überreicht ihr einen Zettel, auf den er in Kinder-Krakelschrift einen Gutschein für einen romantischen Flug geschrieben hat, den er in Deutschland mit ihr einlösen will – recht optimistisch, mein Guter. Harald singt, super schief und krumm, auf Kölsch für Gerda ("Wir sprechen eine Sprache", freut er sich darüber, dass Gerda auch aus Köln kommt). Daniel schmiedet direkt Heiratspläne.

Ein kleiner Gorilla ist das Highlight

Immerhin ein bisschen süß: Der vollbärtige Oggy schenkt Gerda sein kleines Gorilla-Kuscheltier. Und Sebastian, selbst Influencer, (er)kennt Gerda schon auf den ersten Blick. Das könnte aber zu seinem Nachteil sein: Gerda erinnert sich, dass er mal was mit einer guten Freundin hatte, und ihre Erinnerung scheint keine allzu positive zu sein. Insgesamt übersteht die Bachelorette die langwierige Vorstellungszeremonie aber mit viel Geduld, Charme und Freundlichkeit. Am Ende dieses Abends müssen ihre Mundwinkel vor lauter Lächeln unheimlich geschmerzt haben. Weil man im Gesicht nämlich doch Muskeln hat.

Nach ein wenig ungelenkem Smalltalken und ein wenig Alkohol geht's dann direkt auch schon an die Rosenvergabe. Ein paar Minuten durfte Gerda ihre Jungs beschnuppern, schon soll sie ein paar von ihnen wieder nach Hause schicken. Das wird allerdings nicht David sein. Der gutaussehende Basketballer hat es der Bachelorette sichtlich angetan und bekommt die erste Rose. "Respekt, Bro", staunt die männliche Konkurrenz. Und nach und nach bekommen auch die anderen ihre Stielblumen in die Hand gedrückt. Sogar Superpflaume Yannic. Österreicher Florian wird ganz ehrfürchtig: "Das ist für mich wirklich so ein kleiner Triumph in meinem Leben", beichtet er, als er mit seiner Rose abgeht. "Was eine Blume eigentlich aus einem Menschen machen kann!"

Für Sebastian ist es richtig blöd gelaufen

Die letzte Rose geht an Laberbacke Fabio. Sichtlich erleichtert holt er sie sich ab, um im Einspieler hinterher ausgiebig zu mansplainen, warum die letzte Rose so etwas Besonderes ist, blablabla ... falls wir da kurz eingenickt sind: Raus sind der stille Jan mit den traurigen Hundeaugen und dem albernen Zöpfchen, Christian, der die ganze Folge über sehr blass blieb, und der selbstsichere Sebastian, der Gerda schon vorher aus der Kölner Influencer-Clicque kannte – und es sich dort mit einer ihrer Freundinnen verscherzte. Dumm gelaufen. Als ob Frauen so etwas vergessen oder vergeben würden, du kleiner Optimist!