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TV-Tipp

"Tahrib - Die unendliche Reise": Verzweiflung, Mut, Freundschaften: So sieht Flucht wirklich aus

Sie lassen ihre Familie, ihre Freunde, ihre Heimat hinter sich und haben nur ein Ziel: ein besseres Leben in Europa. Millionen Menschen aus Afrika sind auf der Flucht, eine BR-Doku begleitet fünf von ihnen.

Tahrib - die unendliche Reise

Raffi aus dem Sudan will nach Europa - wie so viele andere auch

Jeden Morgen läuft Raffi zum Strand und wartet. Hier auf der Insel Lesbos in Griechenland setzen täglich Flüchtlinge zum ersten Mal einen Fuß auf europäischen Boden. So auch Raffi, der aus dem Sudan stammt und sich über die Türkei, wie so viele andere, auf einem Boot nach Griechenland kämpfte. Auf irgendeinem der Boote muss auch Raffis Freund Nadir sein - vorausgesetzt, dieser hat die lebensgefährliche Reise überstanden. Eigentlich wollten sie zusammen hier ankommen, doch auf der Flucht wurden sie getrennt. Und so wartet Raffi nun täglich. Spricht mit jedem der Ankommenden, fragt nach dem Verschollenen. "Nadir und ich, wir sind sehr gute Freunde", sagt er. Dabei kannten sich die beiden vor wenigen Monaten noch gar nicht.

In einem Park in Istanbul stieß Raffi damals auf den schlafenden Nadir, bot dem Landsmann spontan ein Dach über dem Kopf an. Die beiden teilten ihre Ängste und Sorgen, arbeiteten hart für wenig Geld. Immer mit einem gemeinsamen Ziel vor Augen: Deutschland. Das schweißt zusammen. 15 Millionen Menschen aus Afrika sind momentan auf der Flucht. Raffi und Nadir sind zwei von fünf Schicksalen, die ein Reporterteam für den Bayerischen Rundfunk und die Dokumentation "Tahrib - Die unendliche Reise" über lange Zeit begleitet hat.

Den harten Alltag der Flucht konnten sich die meisten nicht vorstellen

Sie zeigt, wie viel Verzweiflung und Willenskraft für eine Flucht notwendig sind, wie viel Mut und Ausdauer eine solche Reise fordert. Nicht alle kommen so weit wie Raffi, viele kehren um, trauen sich nicht, das Meer oder die Wüste auf beschwerlichen und ungewissen Wegen zu durchqueren. 

"Niemals hätte ich mir vorstellen können, hier zu sein und gerade einmal drei Euro am Tag zu verdienen", sagte Nadir, der im Sudan studiert hat, in Istanbul. Und Raffi erzählt von den Todesängsten, die er auf dem wackeligen Boot auf der Fahrt nach Griechenland ausgestanden hat - im Film werden die schlimmen Szenen mit Animationszeichnungen lebendig.

Die Dokumentation rückt die Flüchtlingskrise, an die wir uns alle schon fast zu sehr gewöhnt haben, wieder in den Fokus. Auch in Deutschland kommen immer noch täglich Flüchtlinge an - ob Raffi und Nadir irgendwann auch darunter sind?

"Tahrib - Die unendliche Reise" läuft am Dienstag, 29. November um 23:50 Uhr im BR. Auf "www.wiejetztweiter.de" gibt es außerdem zusätzliches Material zur Doku.