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4. Tag der RTL-Dschungelshow: "Nicht dran lecken, Schatz!"

Nach einer Stunde Dschungelshow ist man fast so erledigt wie Ross Antony nach einem Bad mit Ratten. Aber bitte: Der Sänger sichert das Abendessen, Lisa Bund steckt in der Lebenskrise, und die Serie "South Park" wird noch immer unterschätzt.

Von Sophie Albers

"Das zeigt nur, dass sich ehrliche Arbeit nicht lohnt, in Zukunft werde ich ein drogensüchtiger Alkoholiker", schreit "Schwabbelbacke" Cartman aus "South Park", weil seine "Supergeile Talentagentur" nichts geworden ist, da ist es auch schon 22.15 Uhr, und es heißt umschalten. Sendeplatz drei, RTL. Alles wird grün, bis ein blau-glitzernder Ball neben einer gelben Bohnenstange erscheint und die Zuschauer in der Dschungelshow willkommen heißt, beziehungsweise "live aus tralien" witzelt und damit sowohl die Sendung verortet, als auch die Latte legt.

Am vierten Tag der dritten Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" hat sich das Team auf die Showbedingungen und -erwartungen offenbar eingelassen. Im Dauerregen hyperventilieren die ersten Kandidaten oder werden aggressiv, und die Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zietlow können mit tumbem Zynismus in torweite Kerben schlagen. Das psychologische Experiment läuft zur vollsten Zufriedenheit der Veranstalter.

Antony unter Schock

Weil er so schön weint und schreit, wird erneut Ross Antony zur Absolvierung der Prüfung bestellt. Der Ex-Bro'Sis-Sänger kollabiert fast schon beim Anblick des Tümpels durch den er schwimmen soll, um sich den lebenden Inhalt aus fünf Plastikboxen in eine Schale, die seinen Hals umschließt, fallen zu lassen. Das sind Schlangen, Flusskrebse und auch Ratten, wie der Show-eigene Mediziner Dr. Bob erklärt. "Die einen schlängeln sich, die anderen kriechen, verstehen sie?"

Antony holt fünf Sterne, wobei die Ratten ihm so sehr zusetzen, dass er noch unter Schock zu stehen scheint, als er zurück ins Camp wankt. Aber das sind natürlich tolle Bilder, der Mann ist auch so realistisch blass. Cartman wird übrigens gerade von Triaden-Mitgliedern verfolgt, weil er mit der Frau eines chinesischen Restaurantbesitzers nach Los Angeles gefahren ist. Und Kenny lebt noch.

Zutrauliche Ratten

Das war's auch schon mit der Begegnung von TV-Promi und Getier. Ein paar Ratten, die nachts durchs Lager huschen, sorgen noch für Gezetere, doch nur bis Barbara Herzsprung einen besonders hartnäckigen Dschungelbewohner am Schwanz packt und ins Gebüsch wirft. Dabei haben die Kandidaten mit Nagetierphobie noch Glück: Weiter im Norden wären die Ratten ein ganzes Stück größer, und die sehnige Herzsprung hätte mit dem Werfen Probleme gehabt. Björn-Hergen Schimpf jedenfalls - dessen Teilnahme wirklich ein ganz großes Rätsel ist - findet die Tierchen "richtig zutraulich", während Bata Illic sich um deren Wohlergehen sorgt: "Nicht kaputt machen".

Der Rest der Show stückelt sich ein bisschen verzweifelt zusammen aus dem bisschen Streit und der Pfütze Tränen, die die Kameras finden konnten: Eike Immel schläft, DJ Tomekk kratzt sich am Tattoo, und Isabel Edvardsson schreitet zur Unterhosenkontrolle. Derweil kabbelt sich Schimpf zuerst mit Bund, dann mit Herzsprung. Und schließlich bekommt Bund, wegen ihrer 19 Jahre auch "Küken" genannt, einen Heulkrampf, in dem die Sängerin mal eben Sinn und Zweck der ganzen Show auf den Punkt bringt: "Die Leute sollten mich lieben wegen meiner Musik, das hat nicht geklappt, und jetzt muss ich hier her, um den Leuten was zu beweisen!" "Das darfst du so nicht sehen", sagt Edvardsson, Panik im Blick.

Zum Glück gibt es eine Werbepause. Und die ist zielgruppentechnisch hochinteressant: Neben jeder Menge Autos gibt es natürlich Reisespots zu sehen, aber auch Werbung für Antiraucher-Kaugummis, Warzenentferner, ein Entspannungsbad, Tampons, Käse und Bohrmaschinen. Im Dschungel warnt Moderator Bach Kollegin Zietlow vor einem Frosch: "Nicht dran lecken, Schatz!", und dann wird schon die nächste Sendung vorbereitet, in der es eine Prüfung namens "Zug des Schreckens" geben soll. Aus der englischen Show, die ja Vorbild für den Dschungel-Ulk ist, weiß Antony bereits, was passieren wird. Also gibt es wieder Werbung: noch mehr Autos, Alkohol, Lippenpflege und ein Mittel gegen Blähungen.

Zum Schluss rennen die Moderatoren ins Camp, um die vom Publikum gewählten Kandidaten zu informieren, die zur nächsten Prüfung antreten müssen. Und dabei geben sie sich alle Mühe, Heidi Klums "Germany's Next Topmodel"-Auswahldrama zu kopieren, nur sieht das eben nicht so gut aus. Schon ist eine Stunde rum. Cartman ist nach Hause gegangen, dafür begeht der MTV-Fernseher Selbstmord, und in der Comicserie "Drawn Together" fliegt einem alten Ehepaar im Auto ein Karton auf die Windschutzscheibe, woraufhin der Mann sagt: "Endlich haben wir etwas, worüber wir reden können". Und schon morgen gibt es Nachschub!