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Dschungel-Theater: Um Kopf und Care-Paket

Seit die Zuschauer der RTL-Dschungelshow Promis aus dem Camp wählen können, sind die Mitspieler in Harmoniestarre verfallen. Der coole Costa hielt den Kopf in Boxen mit Insekten und sorgte für Nahrung.

"Ich bin der Fitteste, ich bin der Schnellste. Ich stimme für mich." Sagte Barde Costa Cordalis Donnerstagabend im RTL-Wildnis-Theater "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" und nahm danach ganz cool Augen- und Lippenkontakt mit Spinnen, Fliegen, Käfern und anderem Getier auf. Der Lohn: eine opulente Abendmahlzeit für sich und seine hungernden Gefährten. Sternenguckerin Antonia Langsdorf, die auf Zuschauerwunsch und "mit einem weinenden und einem lachenden Auge" das Camp verließ, braucht sich um einen knurrenden Magen zumindest keine Sorgen mehr zu machen.

Wo sind sie eigentlich, diese Promis im RTL-Dschungelcamp, um die sich alle so viel Sorgen gemacht haben? Die unter der psychischen Belastung fast zusammenbrechen und von bösen Moderatoren getriezt werden? Zu sehen bekam man die jedenfalls in der gestrigen Ausgabe vom Wildnis-Theater nicht.

Welche Promis sollten als nächstes ins Dschungel-Camp gehen?

Familie ist Trumpf

Stattdessen setzte der arg in die Kritik geratene Sender auf kuschelige Gruppenszenen mit Familienatmosphäre: So konnten die weiterhin zahlreichen Zuschauer (7,62 Millionen) erfahren, dass die Entertainer Werner Böhm und Daniel Küblböck eine ganz harmonische Vater-Sohn-Beziehung entwickeln. Und hinterher zusehen, wie sie sich bei der Schatzsuche als völlig unfähig zur Zusammenarbeit erwiesen.

Wie vom familiären Abendbrottisch wirkte auch die Diskussion darüber, wer seinen Hummer gekocht, wer gebraten haben will und wie nervig es ist, wenn alle immer Extrawünsche haben. Einmal mehr hat sich Lisa Fitz damit zur Camp-Mami erklärt. Was Daniel - schöner hätte es kein Drehbuch vorschreiben können - mit Teenie-Trotz und einem hysterischen "Red nicht mit mir, red einfach nicht mehr mit mir" quittierte. Nun versucht man also nicht nur, dem deutschen Fernsehgucker eine Show mit Domina-Moderatorin und Stars mit masochistischer Ader unterzujubeln, nein, gleichzeitig gräbt man frech das Lindenstraßen-Publikum an.

Die Lust, dabei zu sein, wenn es anderen dreckig geht

Abgesehen von den Feldbetten, der Hitze und der Gruppenuniform mit Telefonnummern auf dem Rücken ist also doch alles okay für die Promis im Dschungel. In echter Gefahr schweben sie nicht. Blaue Flecken aus den Prüfungen kann man sich auch auf der Bühne holen. Und einen "Knebelvertrag", wie sie ihn laut "Bild" unterschreiben mussten, müssten auch alternde Show-Hasen mit Hilfe eines Anwalts erkennen können.

Angesichts teils massiver Kritik an der RTL-Dschungelshow hat sich der Vorsitzende der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen, Norbert Schneider, gegen Forderungen nach einem Verbot der Sendung gewandt. "Verbot ist nicht die Kategorie, in der wir diese Dinge angehen sollten", sagte er am Freitag im DeutschlandRadio Berlin. Die eigentliche Frage habe mit Medienaufsicht relativ wenig zu tun: Warum sich Millionen Zuschauer solche Shows ansähen. "Offenbar ist die Lust, dabei zu sein, wenn es anderen dreckig geht, erheblich entwickelt", meinte Schneider.

Bleibt abzuwarten, ob satte und um Harmonie bemühte Dschungel-Promis weniger Quote bringen werden. Vorsichtshalber gab's nach Costas coolem Auftritt von Moderatorenseite schon mal eine schnelle Regeländerung: Für die Aufgabe, die die Nahrungsmittel sichert, darf nur noch nominiert werden, wer noch nicht dran war.

Claudia Fudeus